Sonntag, 19. Juni 2022

OP-Termin im Maharat-Hospital, Korat

FASSUNGSLOS

Vor drei Wochen erklärte uns der Orthopädie-Professor des Maharat-Hospitals, dass die OP diesmal viel schwieriger sei und man mit hohem Blutverlust rechnen muss. Ich war mit allem einverstanden uns sah in der OP eine Chance.

Die OP wurde in etwa 4 Wochen auf den 16.6.2022 terminiert. drei Tage vorher sollten wir im Hospital sein. Luck hatte lange vorher ein teures Privatzimmer gebucht. Es gab ein zusätzliches Bett der Thai-Art (breite Holzbank mit Schaumstoff-Auflage), einen Kühlschrank, ein großes Bad, einen kleinen Tisch und zwei antike Besucherstühle, Ventilator und AirCon.


Luck musste sich in der Nase und im Mund rumfummeln lassen, nach 4 Stunden hatte sie das Ergebnis und durfte zu mir. Besucher hatten wir informiert, dass ein Besuch mit einem PCR-Test und 4 Stunden Warten auf das Labor-Ergebnis verbunden sei. In den folgenden Tagen wurden alle Checks wie EKG, CT und Röntgen gemacht. Abends betrachtete ich auf meinem Tablet Filme oder Natur-Dokus, die ich auf einer externen Festplatte gesichert hatte. Alles komfortabel und angenehm. 



Am Nachmittag vor der OP kam eine Schwester ins Zimmer und erklärte Luck lapidar, die OP könne nicht stattfinden , da keine Blutkonserven meiner sehr seltenen Blutgruppe zu finden seien. Ich wurde laut und war fasssungslos, warum man das nicht innerhalb der letzten 4 Wochen seit Fixierung des OP-Termins vorbereitet hatte. Warum waren wir herbestellt und mussten täglich viel Geld für das Privatzimmer bezahlen?. 

Sofort standen eine Ärztin, die Stationsschwester und zwei junge Schwestern im Zimmer. Sie hatten wohl mit einem Ausbruch gerechnet und sich lauschend vor der Tür postiert. Ich wurde wie üblich völlig ignoriert. 

Man erklärte Luck, meine Blutgruppe sei sehr selten und ich kann nur Blut meiner Blutgruppe als Spende bekommen. Zudem können Farangs kein Blut von Thailändern bekommen!!! Aufgrund eines solchen Schwachsinns, gemixt aus Aberglaube, Resten rassistischer Theorien und medizinischem Halbwissen hüllte ich mich in Schweigen und wartete auf den Arzt am folgenden Tag.


Abends wurde wie wild telefoniert. Der Sohn eines ehemaligen Regierungsmitglieds, heute Opposition, wurde von Luck angerufen. Er ist Chefarzt in BKK und bestätigte die Infos weitgehend. Nachts um 2 Uhr rief er zurück und sagte, wenn die großen Krankenhäuser und die Blutbank in Bangkok kein Blut der Sorte 0 RhD negativ vorrätig hätten, gäbe es keine Chance für eine OP. Das Blut kann nur einen Monat gebraucht werden. Bei dieser OP mit hohem Blutverlust wollen die Ärzte 6 Konserven als Reserve haben. Wenn sie zwei haben und auf weitere warten, kommen die evtl. erst, wenn die ersten verfallen sind. Und so geht das weiter und weiter und immer sind schon welche verfallen, bevor genügend da sind. Ein Teufelskreis....




Mit dem Arzt am nächsten Vormittag war die Unterhaltung ruhiger. Ich blieb aber bei meinem Vorwurf, es sei Zeit genug in den letzten drei Wochen für eine Vorbereitung gewesen. Die drei Tage teure Warterei seien völlig überflüssig gewesen. Man hätte sich rechtzeitig um das Blut kümmern können und wir hätten uns den überflüssigen Hospital-Aufenthalt sparen können.

Jeder, der Thailand etwas genauer kennt, weiss, wie die Argumentation des Arztes ablief. Mit einer Mischung aus Unwahrheiten, Ausflüchten und Verdrehungen versucht jeder Thai das Gesicht zu wahren.


Es wurde uns angeboten, den Donnerstag nicht zu berechnen und für die Rückfahrt nach Pak Chong einen Krankenwagen zu ordern und uns ab Anfang der nächsten Woche  zu informieren wenn ausreichend Blutkonserven zur Verfügung stehen. Hoffnungen machte man uns nicht.


Am Tag der geplanten OP, etwa zu der Zeit, wenn ich aus der Narkose erwachen sollte, lag ich wieder zuhause in meinem Bett, abgefüllt mit Beruhigungsmittel des Maharat-Hospitals. Beruhigung war nötig, aber nicht wie geplant.


Manfred Spies, 17.6.2022