Montag, 8. August 2022

MUDRAS

Die Mudra ist eine symbolische Handgeste, die sowohl im alltäglichen Leben, in der religiösen Praxis als auch im indischen Tanz ihre Anwendung findet. Übersetzt aus dem Sanskrit bedeutet Mudra „das, was Freude bringt“. Mud heißt Freude, aber auch Geste, um den Göttern zu gefallen. Ra bedeutet „das, was gibt“.

Da es eine lange Geschichte der Mudras vor allem im asiatischen Raum gibt und hier Animismus, Religionen und inzwischen auch das riesige Geschäft mit Yoga eine Rolle spielen, beanspruchen alle Autoren und Autorinnen die Handgesten für ihre z.T. kommerziellen Zwecke. So gibt es im Yoga Handfiguren, die anders aussehen und andere Bedeutungen haben als im Buddhismus. (s. Links) In Büchern und im Internet findet man unterschiedliche Interpretationen der Handgesten und auch meine Konsultationen eines Abtes stifteten nur größere Verwirrungen.


In meiner Liste habe ich möglichst umfangreich die Mudras im Zusammenhang mit Buddha aufgeschrieben und geordnet. Zwischen all dem Unsinn und den vielen Fehlern, die ich in Büchern und im Internet fand,  angelte ich nach fundiertem Wissen und Übereinstimmungen. Ich hoffe, ich habe etwas Nützliches zusammen getragen.


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LISTE NACH NAMEN A-Z


1. Abhaya, Furchtlosigkeit, Leid weg, 

Hand offen Handfläche zu Gegenüber


2. Anjuali, (s. auch 10. Namaskara)


3. Bhumisparsha, Erdverbunden, -Berührung, 

Handrücken nach oben auf Knie


4. Bodhyangi, (s. auch 15. Vajra)


5. Buddhashramana, Schenkung von Glück, kein Verzicht, Wunschgewährung

Handfläche offen nach oben


6. Dharmachaka, Rad der Lehre bewegen, 

Daumen berührt Zeigefinger (manche Darstellungen mit Mittelfinger), Hände berühren sich


7. Dhyana, Meditation, Versenkung

Hände wie Schalen ineinander, nach oben offen


8. Ganesha, Mut, Beseitigung von Hindernissen

Hände ineinander, auseinander ziehen


9. Gyana, (s. auch Vitarka, Chin), Diskussion, Unterrichtung

Hand offen, Daumen und Zeigefinger berühren sich, andere Finger gestreckt 


10. Hakini Mudra, die Kraft des Verstandes,

Hände wie Raute


11. Jnana, Weisheit, 

wie Gyana, aber Zeigefinger mehr eingeknickt


12. Karana, Abwendung des Bösen, Beschützen

wird inzwischen nicht nur in Thailand allgemein als Liebessymbol verwendet,

Mittel- und Ringfinger zur Handfläche geknickt, andere Finger gestreckt


13. Namaskara, Grüßen, Beten

Hände gefaltet, aneinander, gestreckt

wird in Thailand als Grußformel benutzt, Ehrerbietung je nach Höhe der Hände


14. Prana, Energie-Symbol, Balance

Daumen berührt Ring- und kl. Finger


15. Shunya, Vermeidung von Stress, schlechter Gedanken, typische Yoga-Geste

Finger gestreckt bis auf Daumen und Mittelfinger


16. Surya, Vermeidung schlechter Gedanken, typische Yoga-Geste

Finger gestreckt bis auf Daumen und Ringfinger


17. Tarjani, Warnung vor Unglück

Zeigefinger gestreckt, andere Finger eingeknickt


18. Uttarabodhi, höchste Erleuchtung,

Finger der Hände sind ineinander verschränkt, die Zeigefinger berühren sich und sind gestreckt


19. Vajra (s. auch Bodhyangi), Wissen, Weisheit- Vermittlung

Fäuste übereinander, der gestreckte Zeigefinger der linken Hand wird von der rechten Hand umfasst


20. Vajrapradama, unerschütterliches Vertrauen,

Hände sind überkreuzt mit ausgestreckten Fingern vor Brust oder bei stehender Figur vor Schoß


21. Varada, Wunscherfüllung, Mitgefühl, Geben, Hilfe

meist rechte Hand liegt offen ausgestreckt mit Handfläche nach oben auf Knie oder ausgestreckt am stehenden Körper


22. Varun, Vermeidung von Stress, schlechter Gedanken, typische Yoga-Geste

Finger gestreckt bis auf Daumen und kleiner Finger,


23. Vayu, Gesundheit, wir bei Buddha Figuren fast nie benutzt, typische Yoga-Geste

der Daumen drückt den Zeigefinger in die Handfläche, andere Finger gestreckt


24. Vitarka, (s auch 7. Gyana)


Am Ende zeige ich unsinnige Falschmeldungen und esoterische Auswüchse. Wer bei Mudras eine Verbindung mit Erde, Wasser, Luft und Feuer sucht und glaubt, mit dem Pressen von Fingern auch Diabetes heilen zu können, ist bei mir falsch.






Video Donnerkeil Mudra, esoterisch

https://wiki.yoga-vidya.de/Vajra_Mudra


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LISTE NACH AUSSEHEN


BEKANNTESTE MUDRAS




Nicht nur in Thailand hat sich die Geste der Begrüßung (13 Namaskara) allgemein als Gruß durchgesetzt.









2. Anjuali, (s. auch 13. Namaskara)

13. Namaskara, Grüßen, Beten

Hände gefaltet, aneinander, gestreckt

wird in Thailand als Grußformel benutzt, Ehrerbietung je nach Höhe der Hände


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12. Karana, Abwendung des Bösen, Beschützen

wird inzwischen nicht nur in Thailand allgemein als Liebessymbol verwendet,

Mittel- und Ringfinger zur Handfläche geknickt, andere Finger gestreckt


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7. Dhyana, Meditation, Versenkung

Hände wie Schalen ineinander, nach oben offen




Für Japan typisch ist die Handhaltung mit sich berührendsn Daumen.


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HÄNDE



1. Abhaya, Furchtlosigkeit, Leid weg, 

Hand offen, Handfläche zum Gegenüber




10. Hakini Mudra, die Kraft des Verstandes,

Hände wie Raute




17. Tarjani, Warnung vor Unglück

Zeigefinger gestreckt, andere Finger eingeknickt




18.  Uttarabodhi, Höchste Erleuchtung,

Zeigefinger gstreckt, berühren sich, andere Finger nach innen geknickt







20. Vajrapradama, unerschütterliches Vertrauen,

Hände sind überkreuzt mit ausgestreckten Fingern vor Brust oder bei stehender Figur vor Schoß



3. Bhumisparsha, Erdverbunden, -Berührung, 

Handrücken nach oben auf Knie





1, 5, 21. Varada, Wunscherfüllung, Mitgefühl, Geben, Hilfe

meist rechte Hand liegt offen ausgestreckt mit Handfläche nach oben auf Knie oder ausgestreckt am stehenden Körper

5. Buddhashramana, Schenkung von Glück, kein Verzicht, Wunschgewährung

Handfläche offen nach oben




6. Dharmachaka, Rad der Lehre bewegen, 

Daumen berührt Zeigefinger (manche Darstellungen mit Mittelfinger), Hände berühren sich




8. Ganesha, Mut, Beseitigung von Hindernissen
Hände ineinander, auseinander ziehen




Kombination 1 und 5

Kombination 1 und 5

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FINGER





4. Bodhyangi, (s. auch. 19 Vajra)

19. Vajra (s. auch Bodhyangi), Wissen, Weisheit- Vermittlung

Fäuste übereinander, der gestreckte Zeigefinger der linken Hand wird von der rechten Hand umfasst






9. Gyana, (s. auch Vitarka, Chin), Diskussion, Unterrichtung

Hand offen, Daumen und Zeigefinger berühren sich, andere Finger gestreckt

 

24. Vitarka, (s auch 7. Gyana)



11. Jnana, Weisheit, 

wie Gyana, aber Zeigefinger mehr eingeknickt




23. Vayu, Gesundheit, wir bei Buddha Figuren fast nie benutzt, typische Yoga-Geste

Zeigefinger von Daumen eingeklemmt



15. Shunya, Vermeidung von Stress, schlechter Gedanken, typische Yoga-GesteFinger gestreckt bis auf Daumen und Mittelfinger

16. Surya, Vermeidung schlechter Gedanken, typische Yoga-Geste

Finger gestreckt bis auf Daumen und Ringfinger



22. Varun, Vermeidung von Stress, schlechter Gedanken, typische Yoga-Geste

Finger gestreckt bis auf Daumen und kleiner Finger,




14. Prana, Energie-Symbol, Balance

Daumen berührt Ring- und kl. Finger


unklare Handgeste


Wir sehen in den Wats außer Mudras auch besondere Haltungen von Buddha-Figuren.




Buddha auf Wanderschaft. Im Hinduismus gab es vor Buddha schon Wandermönche, die mit Wanderstab, Bettelschale und Matte oder Schirm umher zogen. Auch Buddha wanderte auf der Suche nach Erkenntnis lange Zeit, bis er eines Tages unter einem Feigenbaum erleuchtet wurde.



Oft sieht man auch einen liegenden Buddha. Bei geshlossenen Augen auf einem Kissen liegend handelt es sich um einen toten Buddha. Wenn die Augen offen und der Kopf auf den Arm gestützt ist, ruht oder schläft der Buddha. Leider lässt man ihn oft auf einem sehr ungesunden Kissen schlafen.






LINKS

Yoga

https://www.yogaeasy.de/artikel/alles-ueber-mudras

https://www.taohealth.de/welche-mudras-gibt-es/

https://chopra.com/articles/10-powerful-mudras-and-how-to-use-them

https://www.arhantayoga.org/blog/complete-guide-to-mudras-and-benefits/

https://www.yogaeasy.de/artikel/alles-ueber-mudras

Buddhismus

https://de.wikipedia.org/wiki/Mudra

https://en.wikipedia.org/wiki/Mudra

https://www.buddhanet.net/mudras.htm

https://www.jagranjosh.com/general-knowledge/buddhist-mudras-hand-gestures-and-their-meaning-1486548951-1

https://buddhacode.de/wp-content/uploads/2021/07/BuddhaCode_ThePowerOfMudras_Mudra_Uebersicht-1-1.pdf



© Manfred Spies, 8. August 2022


Dienstag, 2. August 2022

Thai-Politik: Verlogen?

Ist die Thai-Politik dumm, verlogen oder beides? Ein früherer Wirtschaftsminister brachte es mal auf den Punkt, nachdem er wissentlich falsche Zahlen in seiner Pressekonferenz angegeben hatte. "Lügen ist in Thailand ein Kulturgut."

Wer lange in Thailand lebt und keine rosa Brille auf der Nase hat, weiss auch: Klugheit gehört NICHT zur Thai-Kultur. In der Thai-Politik findet man dafür täglich Beispiele. Auf der kleinen Insel  Samae San, Provinz Chon Buri, wurde kürzlich der Bikini als Badebekleidung verboten. Als es einen Sturm der Entrüstung in den Netzwerken gab und sich die Medien darüber lustig machten, wurden die Verbotsschilder wieder abgebaut. Aber das Militär verkündete, "Bitte vermeiden Sie das Tragen von Bikinis, um die Ordnung und den Respekt für die thailändische Kultur und Tradition zu wahren."




Aber gleichzeitig wirbt die Tourismus-Behörde im In- und Ausland mit einem Touristen-Päärchen, das sich sogar in der Öffentlichkeit küsst. Die Frau trägt einen Bikini und zeigt damit "keinen Respekt vor der thailändischen Kultur und Tradition." 


Manfred Spies, 3.8.2022


Montag, 1. August 2022

Thai-Traum

DIE FRAUEN VON SIAM, GIERIG?

Der Otto fuhr ins Siamland,

denn Siam ist dafür bekannt,

dass es dort schöne Frauen gibt.

Und mancher hat sich dort verliebt.


Und Otto hatte auch gehört,

dass Siamfrauen es nicht stört,

wenn Männer alt sind und auch fett.

Sie geh´n mit allen gern ins Bett.


Dem Otto so etwas gefiel

Und so ging los das Trauerspiel.

Er landete in Pattaya

und startete Bumsfallera.




















Bei Bargirls kam er sehr gut an

und spielte gern den Weihnachtsmann.

Die Girls er überall betatschte, 

und oben, unten gern begrapschte.


Doch eine hatte gleich geschnallt:

„Ich mach, dass er sich voll verknallt!

Der alte Kerl hat reichlich Kohle.

Ich weiss schon, wie ich die mir hole.“

Sie sagte ihm, sie sei so arm.

In seinem Bett würd´s ihr so warm.

Sie habe so ´was nie erlebt.

in seinem Arm sie sei erbebt.


Das hat den Otto sehr berührt

und bei ihm zu dem Wunsch geführt: 

Bei diesem Girl da will ich bleiben.

Mit der will ich´s noch lange treiben.

So kam es wie es kommen sollte.

Die Ehefrau zuhause grollte.

Die Scheidung war erheblich teuer.

Doch weit weg loderte das Feuer.


Dort baute Otto dann ein Haus

Die Hochzeit gab´s in  Saus und Braus.

Bei Mama wurde renoviert.

das hat dem Bruder imponiert.


Mit neuem Moped wollt´er prahlen.

Otto den Shop der Schwester zahlen.

Die Oma kam ins Krankenhaus,

dem Otto ging die Kohle aus.


Dann wurde es ihm doch zu dumm.

Otto trieb sich in Kneipen rum.

Kam früh nach Haus mit Müh´und Ach.

Zuhause gab es nur noch Krach.


Der Otto brüllt „Du dumme Kuh!“

und wirft nach ihr mit seinem Schuh.

Sie jagt ihn weg mit der Machete

und weg ist alle seine Knete.

An Steintischen sitzt er und jammert

sich an das blöde Märchen klammert:

„In Thailand sind die Frauen gierig!“

Ja, Selbsterkenntnis ist soo schwierig!


© Manfred Spies

Die Zeit

 Ein Tag ging zu Ende. 

Wie die Zeit vergeht!


Vom „Weckvogel“ ertönt minutenlang sein Ruf, den ich früher für den digitalen Wecker eines Nachbarn gehalten habe. Der „Schreivogel“ war schon vor 6 Uhr dran. Der „Lachvogel“ hat in Thailand täglich zu lachen und scheint sich auch zu amüsieren, wenn andere traurig sind.


Der Tag begann früh. Die Zeit steigt runter zu den Hunden, streicht über das glatte oder flauschige Fell, begleitet mich an der Mac-Tastatur über Manuskriptseiten hinweg und die Haustreppen hinunter läuft mit mir über Gartenwege und Siedlungsstraßen und wir überqueren den Highway 2. 

Die Zeit macht auch einen Besuch bei einem Freund und hört geduldig seine Lebens-, Liebes- und Leidensgeschichten an. Wenn ich Erklärungsversuche der hoffnungslosen und scherzhaften Art versuche, entfernt sich die Zeit und lässt uns lange zeitlos allein.


„Mein Freund, früher sang Trude Herr, 

„Ich will keine Schokolade, 

ich will lieber einen Mann! 

Einen richtigen, den ich küssen 

und um den Finger wickeln kann.“ 


Auf Thai heisst das, 


„Ich will nicht nur Schokolade, 

ich will einen reichen Mann. 

Einen Deppen, dessen Knete 

ich restlos für mich haben kann!!!“ 


Die Diskussion dauert und nervt mich und auch meine liebe Zeit. Wir gehen, die Schokoladengegnerin herein kommt mit einem neuen T-Shirt und dem Aufdruck „Time is money.“

Die liebe Zeit ist etwas verschnupft.


Es wird schnell dunkel und meine Zeit streift langsam noch einmal das Fell der Hunde, schnellt sekundenlang hinauf zum Vollmond über der silbern glänzenden Bismarckpalme und macht eine lange Pause neben mir, der ich zurückgelehnt das Weinglas in der Hand und die Kerzen und Teelichter neben mir habe. Die Zeit ist jetzt selbst sehr langsam.



 

 

Und dann ist wieder ein Tag viel zu schnell zu Ende.


© Manfred Spies



Neuer Morgen


Die Blume auf deinem Tisch schaut dich liebevoll an.

Die Morgensonne vergoldet dein Glas.

Der Vogel hat gesungen und die Katze schnurrt auf deinem Schoß.

Die selbst gemachte Konfitüre duftet und schmeckt . Sie erinnert dich an die Mutter.

Die Falten deiner alten Hand sehen im schrägen Licht der Sonne aus wie ein Feld, über das du als Kind gerannt bist.

Aber deine müden Augen schauen aus ddm Fenster und du sagst:

„Es ist kalt.“


Manfred Spies, 9.1.2021

Sonntag, 19. Juni 2022

OP-Termin im Maharat-Hospital, Korat

FASSUNGSLOS

Vor drei Wochen erklärte uns der Orthopädie-Professor des Maharat-Hospitals, dass die OP diesmal viel schwieriger sei und man mit hohem Blutverlust rechnen muss. Ich war mit allem einverstanden uns sah in der OP eine Chance.

Die OP wurde in etwa 4 Wochen auf den 16.6.2022 terminiert. drei Tage vorher sollten wir im Hospital sein. Luck hatte lange vorher ein teures Privatzimmer gebucht. Es gab ein zusätzliches Bett der Thai-Art (breite Holzbank mit Schaumstoff-Auflage), einen Kühlschrank, ein großes Bad, einen kleinen Tisch und zwei antike Besucherstühle, Ventilator und AirCon.


Luck musste sich in der Nase und im Mund rumfummeln lassen, nach 4 Stunden hatte sie das Ergebnis und durfte zu mir. Besucher hatten wir informiert, dass ein Besuch mit einem PCR-Test und 4 Stunden Warten auf das Labor-Ergebnis verbunden sei. In den folgenden Tagen wurden alle Checks wie EKG, CT und Röntgen gemacht. Abends betrachtete ich auf meinem Tablet Filme oder Natur-Dokus, die ich auf einer externen Festplatte gesichert hatte. Alles komfortabel und angenehm. 



Am Nachmittag vor der OP kam eine Schwester ins Zimmer und erklärte Luck lapidar, die OP könne nicht stattfinden , da keine Blutkonserven meiner sehr seltenen Blutgruppe zu finden seien. Ich wurde laut und war fasssungslos, warum man das nicht innerhalb der letzten 4 Wochen seit Fixierung des OP-Termins vorbereitet hatte. Warum waren wir herbestellt und mussten täglich viel Geld für das Privatzimmer bezahlen?. 

Sofort standen eine Ärztin, die Stationsschwester und zwei junge Schwestern im Zimmer. Sie hatten wohl mit einem Ausbruch gerechnet und sich lauschend vor der Tür postiert. Ich wurde wie üblich völlig ignoriert. 

Man erklärte Luck, meine Blutgruppe sei sehr selten und ich kann nur Blut meiner Blutgruppe als Spende bekommen. Zudem können Farangs kein Blut von Thailändern bekommen!!! Aufgrund eines solchen Schwachsinns, gemixt aus Aberglaube, Resten rassistischer Theorien und medizinischem Halbwissen hüllte ich mich in Schweigen und wartete auf den Arzt am folgenden Tag.


Abends wurde wie wild telefoniert. Der Sohn eines ehemaligen Regierungsmitglieds, heute Opposition, wurde von Luck angerufen. Er ist Chefarzt in BKK und bestätigte die Infos weitgehend. Nachts um 2 Uhr rief er zurück und sagte, wenn die großen Krankenhäuser und die Blutbank in Bangkok kein Blut der Sorte 0 RhD negativ vorrätig hätten, gäbe es keine Chance für eine OP. Das Blut kann nur einen Monat gebraucht werden. Bei dieser OP mit hohem Blutverlust wollen die Ärzte 6 Konserven als Reserve haben. Wenn sie zwei haben und auf weitere warten, kommen die evtl. erst, wenn die ersten verfallen sind. Und so geht das weiter und weiter und immer sind schon welche verfallen, bevor genügend da sind. Ein Teufelskreis....




Mit dem Arzt am nächsten Vormittag war die Unterhaltung ruhiger. Ich blieb aber bei meinem Vorwurf, es sei Zeit genug in den letzten drei Wochen für eine Vorbereitung gewesen. Die drei Tage teure Warterei seien völlig überflüssig gewesen. Man hätte sich rechtzeitig um das Blut kümmern können und wir hätten uns den überflüssigen Hospital-Aufenthalt sparen können.

Jeder, der Thailand etwas genauer kennt, weiss, wie die Argumentation des Arztes ablief. Mit einer Mischung aus Unwahrheiten, Ausflüchten und Verdrehungen versucht jeder Thai das Gesicht zu wahren.


Es wurde uns angeboten, den Donnerstag nicht zu berechnen und für die Rückfahrt nach Pak Chong einen Krankenwagen zu ordern und uns ab Anfang der nächsten Woche  zu informieren wenn ausreichend Blutkonserven zur Verfügung stehen. Hoffnungen machte man uns nicht.


Am Tag der geplanten OP, etwa zu der Zeit, wenn ich aus der Narkose erwachen sollte, lag ich wieder zuhause in meinem Bett, abgefüllt mit Beruhigungsmittel des Maharat-Hospitals. Beruhigung war nötig, aber nicht wie geplant.


Manfred Spies, 17.6.2022