"Denk ich an Thailand in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.°
Ähnlich wie den Heinrich Heine im Bezug auf Deutschland, so bringt mich die Sehnsucht nach Thailand und nach Luck und ihrer Familie um den Schlaf. Und die Unruhe, ob alles, was ich gepackt und zusammen gestellt habe, in den Container passt und heil ankommt, lässt mich seit langem zwischen 3 und 4 Uhr aufstehen.
Alle Freunde in unserer Umgebung haben gesagt: Nimm alles mit. Wegwerfen oder verschenken kannst immer noch. Unsere Wohnung inc. Atelier, Büro, Werkstatt, Firnessraum usw. hat 280 qm. Also musste ich einen großen, 12m langen Container (40ft) nehmen.
Gott oder wem auch immer sei Dank, dass ich plötzlich an die engen, thailändischen Gassen dachte und Luck beauftragte, einen passablen Weg von der Autobahn zu unserem Grundstück zu suchen. Der LKW hat eine Länge von 16 Metern, die man nicht knicken kann. Auf den Straßen, die wir normalerweise benutzen, würde der Sattelschlepper bereits nach 100 Metern weder vor noch zurück können. Nun gut, Luck hat einen Weg gefunden und wir werden sehen.
Der Container war terminiert für den 28.4.2011. Die Sperrschilder sollten eine Woche vorher vor den Grundstücken 23A und 25 die Nachbarn informieren. Als ich keine Schilder sah, hängte ich selbst eigene Hinweise auf, die aber juristisch keine Bedeutung haben.
Vor dem Grundstück Nr 23 meines Nachbarn wiesen auf einer Distanz von 6(!) Metern Schilder auf einen Umzug der Spedition Hesse hin. Aber in der Nachbarschaft wollte niemand umziehen!
Dann war Ostern und tagelang tat sich gar nichts. Am ersten Arbeitstag nach Ostern, am 26.4., rief ich früh SCHENKER an und reklamierte, dass noch keine offiziellen Schilder aufgestellt waren. Man sagte mir, die Spedition Hesse sollte das erledigen. Das hat sie auch, aber vor dem falschen Haus und mit einem viel zu kleinen Platz für den riesigen LKW!
Zwei Stunden später waren zusätzlich neue Schilder aufgestellt mit sehr unterschiedlichen Daten: Die Parkverbote galten für den 16.4. und für den 18.4.. Nur vor meinem Nachbarn waren die Schilder mit dem 28.4. richtig beschriftet.
Ich nahm an, die Mitarbeiter der Fa. Hesse hatten über Ostern Unmengen hochprozentiger Eier gegessen oder kistenweise Eierlikör genossen. Jedenfalls hatte ich eine so bekloppte Ansammlung von Schildern noch nie gesehen und beschloss, mich darum nicht zu kümmern.
Das Team von SCHENKER kam am 28.4. gegen 9 Uhr, um die Gegenstände und Kartons zu sichten und einzupacken, was von mir nicht erledigt werden konnte. (Damit ich in den Wochen vorher wenigstens einige Stunden ruhig schlafen konnte, hatte ich 149 Kartons selbst gepackt und auch 70% der anderen Gegenstände professionell verpackt und immer wieder die Volumina berechnet.)
Mittags kam der Container und hatte natürlich keinen Parkplatz, da die dort parkenden Autos nach Auskunft der Polizei zu Recht parkten. Immerhin hatten wir den 28. April und nicht den 16. oder den 18.. Zum Glück war noch so viel Platz, dass Autos vorbei konnten, und die Polizei drückte einige Augen zu.
Das Team von SCHENKER arbeitete absolut professionell, sie verstanden sich gut untereinander und machten erst gegen 16 Uhr eine kurze Mittagspause von 15 Minuten, um etwas zu essen. Da ich mich langweilte, trug ich die Gartenmöbel aus dem Keller hoch und half ihnen mit meiner Sackkarre viele Gegenstände nach draußen zu transportieren. Letztlich war zwar noch viel Platz in dem riesigen Container. Aber mit einem 20-feet-Container wären wir nicht klar gekommen.
Gegen 19.30 Uhr unterschrieb ich die vielen Packlisten und anderen Dokumente und das Team verabschiedete sich. Ich pumpte die Luftmatratz auf, die meine liebe Freundin Erika Koch mir geliehen hatte, duschte mich, macht mir eine Kleinigkeit zu essen, trank sehr schnell eine Flasche Chardonnay und schlief seit Wochen zum ersten Mal tief und lang, was nicht nur am leckeren ausstralischen Wein lag.
Heute sind seitdem zwei Tage vergangen. Ich habe die reichlich leere Wohnung aufgeräumt, geputzt und bin dabei, die restlichen Sachen (immer noch viel) und die Bilder und Plakate (sehr viel) zu sichten, zu fotografieren und über ebay und andere Anzeigen zu verkaufen. Wenn ich die Menge sehe, kann ich schon wieder nicht richtig schlafen. Aber am Ende muss man zur Not wegwerfen, selbst wenn es wertvolle Sachen sind.
Manfred am 30.4.2011
Samstag, 30. April 2011
Dienstag, 12. April 2011
Thailand Visum u.a. Top-Tips vom Konsulat
Die letzten Tage waren anstrengend und zum Teil - was meine Arbeitsergebnisse angeht - enttäuschend und entmutigend. Natürlich packe ich nicht alles in die Umzugskartons ein, sondern stelle Sachen zum Sperrmüll und werfe vieles, was eigentlich noch schön und brauchbar ist, in den Müllcontainer. Aber wenn eine sehr gepflegte, 100% intakte Yamaha-Konzertgitarre, die ich in meinem Schaufenster für nur € 25,- anbiete, noch weiter runtergehandelt werden soll, wenn andere, schöne Sachen offenbar kein Interesse finden und wenn ein Interessent, der sich viele Gegenstände in meiner Wohnung ansieht und mir beim Herraustragen des Sperrmülls hilft , in einem unbeobachteten Moment € 130 klaut, verlässt mich der Wille, weiter zu machen.
Aber es gibt auch Tage, an denen es positiv läuft.
Mit dem Mitarbeiter des Königlich-Thailändischen Honorarkonsulats in Essen, Herrn Probst, hatte ich bereits ein tolles Telefonat im Oktober 2010. Er war so aufgeschlossen und hat mir so großartige Tips gegeben, dass ich davon gleich begeistert unserem Freund Armin Stader erzählte. Er lebt in Bangkok, arbeitete lange in leitender Position bei der NOWEA und vertrat diese riesige, international arbeitende Messegesellschaft danach in Thailand. In dieser Position und als Mitglied der Deutsch-Thailändischen Handelskammer kennt er natürlich alle wichtigen und sich wichtig nehmenden Leute auch in Bangkok, von der Botschaft angefangern über das Goethe-Institut bis hin zu Industriellen, Hoteliers und ungewöhnlichen Straßenküchen-Besitzern. Natürlich kennt er auch diesen hilfbereiten Herrn Probst vom Honorarkonsulat in Essen. Auf meine Mail antwortete er mir: „Wenn alle Botschaften, Konsulate etc. so faire und engagierte Mitarbeiter hätten wie Herrn Probst in Essen.....! Ich kenne ihn als "gute Seele" des Konsulats. Was er dir sagt musst Du glauben, was er dir rät hat Gewicht - er hat ja all die "gestrandeten Rückkehrer" immer wieder vor seinem Counter stehen.“
Nun habe ich heute Herrn Probst noch einmal einige Fragen gestellt. Da die Antworten auch andere interessieren könnten, gebe ich sie hier wider:
1. Frage
Was muss ich tun, wenn ich länger in Thailand bleiben will, als das ein Tourist normalerweise tut? (Alles, was ich hier schreibe, gilt für Personen über 50 Jahre!!!)
Antwort
In jedem Fall brauche ich ein anderes Visum, als das 30-Tage-Touristen-Visum. Infos dazu findet man auf Seiten der Thai-Botschaft und des Essener Konsulats.
In meinem Fall muss erst einmal das Visum für 90 Tage (Non-Immigrant-Visum) beantragt werden, danach wäre eine Dauer-Aufenthaltserlaubnis (Resident Permit) angenehm.
Den Antrag finde ich unter
www.thai-konsulat-nrw.de > Aufgaben > Visa.
www.thai-konsulat-nrw.de > Aufgaben > Visa.
Non-Immigrant Visum gültig 90 Tage - 1 Einreise - Aufenthalt 90 Tage
Das Visum (Typ 0) kostet € 55,-. Das Visum ist nicht verlängerbar.
Wenn ich lange in Thailand bleiben will und die Leute von Immigration Office in meiner Provinzhauptstadt mir nicht innerhalb der 90 Tage meine Aufenthaltserlaubnis ausstellen, habe ich Pech. Dann muss ich ausreisen und die ganze Prozedur beginnt von vorne.
Non-Immigrant gültig 1 Jahr - viele Einreisen - Aufenthalt jeweils 90 Tage
Wenn ich kein Risiko eingehen will, muss ich € 130,- bezahlen. Dieses Visum gilt ein Jahr, erlaubt mehrere Einreisen und ist bei jeder Aus- und Einreise um weitere 90 Tage verlängerbar.
Das will ich also haben. Innerhalb eines Jahres sollte ich die Papiere vom Immigration-Office in Korat wohl erhalten.
Achtung! Das Konsulat in Essen nimmt keine Überweisungen an. Das Geld muss bar bezahlt werden, entweder bei einem persönlichen Besuch (Visum dauert nur eine Stunde) oder zusammen mit den anderen Unterlagen in einem Umschlag „Per Einschreiben“. (s. unten)
2. Frage
Welche Voraussetzungen für welches Visum muss ich erfüllen?
Antwort
Für beide Visa sind die Voraussetzungen gleich.
Ich benötige - den ausgefüllten Antrag
- meine Heiratsurkunde in Kopie
- meinen Reisepass im Original, muss noch 6
Monate gültig sein
Monate gültig sein
- ein Portraitfoto in Passbildgröße,
- den entspr. Geldbetrag.
Wenn ich das per Einschreiben an das Konsulat schicke, lege ich einen entspr. für eine Einschreiben-Rücksendung frankierten (3,50), adressierten Umschlag bei. Achtung! Auf den Umschlag bitte nicht „per Einschreiben“ schreiben, das macht das System des Konsulats selbst.
3. Frage
Wie geht es in Thailand weiter?
Mit dem „Multiple Enter-Visum“ kann ich alle 90 Tage kurz über die Thai-Grenze reisen und zurückkehren. Dann habe ich wieder einen Stempel für weitere 90 Tage.
Wem das zu lästig ist, der beantragt eine Aufenthalts-Erlaubnis (Resident Permit).
Zusammen mit meiner Frau - sie kann die Verständigung erleichtern und den Behörden zusätzliche, positive Erklärungen über meinen Aufenthalt abgeben - gehen wir zum Immigration-Office unserer Provinz-Stadt. Dort beantragen wir die Aufenthalts-Erlaubnis. Beweisen müssen wir der Behörde unter Vorlage von Dokumenten, dass wir nicht am Hungertuch knabbern. Da ich keine Rente oder andere regelmäßige Einkünfte habe, muss ich ein „Vermögen“ nachweisen. Für normale Farang-Eheleute sind es 800.000,- Baht, für thailändisch-deutsche Eheleute ist es die Hälfte. Das Geld MUSS bereits mindestens ein halbes Jahr auf dem Konto sein. Der Betrag könnte evtl. reduziert werden, wenn ich erhebliche Zuwendungen an meine Schwägerin beim Hausbau nachweise.
Wichtig und notwendig ist ein aktuelles, polizeiliches Führungszeugnis. Das bekomme ich beim Einwohnermeldeamt meines Wohnortes in Deutschland.
Außerdem sollte ich mir behördliche Sympathien verschaffen, indem ich die Bürokratie erfreue und mich ins Hausbuch (blau) meiner Schwägerin (Hausbesitzerin) eintragen und mir zusätzlich für mich ein gelbes Hausbuch (für Farangs) aushändigen lasse.
Wenn ich nun endlich diese Aufenthaltserlaubnis in Händen habe, muss ich trotzdem alle 90 Tage zum Immigration-Office und mich vorstellen. Das kann ich mit einem Einkauf oder Besuchen verbinden. Meine liebe Luck ist etwas beschämt, weil sie in Deutschland ihre unbefristete Aufenthalts-erlaubnis sofort nach unserer Heirat erhielt, und sie sich danach nie irgendwo vorstellen musste. Aber Thailand ist Thailand.(Inzwischen sehe ich die Praxis der Ausländer-behörden in Thailand mit ihren zum Teil auch von Korruption oder Antipathie bestimmten Ergebnissen sehr kritisch, Nachtrag 11.2013)
Zusätzlich gab mir Herr Probst noch einige wertvolle Tips für den Umzug und für den Aufenthalt.
Für den Zoll deklarieren wir in unseren Packlisten der Firma SCHENKER (sehr kooperativ!) die Ikea-Bücherregale und andere, neue Möbelstücke auf die Namen meiner Frau oder meiner Schwägerin (sie war auch schon einmal in Deutschland). Damit sind diese Teile für den Zoll nicht mehr interessant. Ebenso verfahren wir mit Teilen meiner riesigen Musiktitel- (fast 25.000) und Filmsammlung (fast 3500). Wir haben aber für die 2.500 Bücher und die Musik- und Filmsammlung noch einen anderen Weg gewählt: Freunde und Personen der Familie haben in Pakchong einen Kulturverein gegründet (geht auch ohne Anmeldung und Eintragung), dem der ganze Kram gehört. Das ist mit Aufklebern auf den Kartons vermerkt.
Außerdem wies mich Herr Probst auf die vielen Stammtische und Clubs der deutschen Aussiedler hin, bei denen ich auch Adressen von in der Nähe lebenden Handwerkern erfahren kann. Einen Schreiner, bei dem ich weiss lackierte Bretter, Leisten usw, bekommen kann, habe ich in unserer Gegend noch nicht gefunden. Ebenso benötige ich eventuell einen Uhrmacher für meine wertvollen, 270 Jahre alten Uhren. Aber da bekomme ich vielleicht von SCHENKER einen Tip, da sie für einen deutschen Uhrmacher einen Umzug nach Thailand mit 150 antiken Uhren gemacht haben.
Für einen Ausländer, der seinen Lebensabend in Thailand verbringt, gilt ein strenges Arbeitsverbot. Alles Handwerkliche, das auch ein Thailänder machen könnte, darf ich mit meinen mitgebrachten Werkzeugen EIGENTLICH nicht erledigen. Das klingt total bekloppt, aber wenn mich ein Thai-Nachbar anzeigt.........Es könnte ja sein, dass ich mit meinen Fähigkeiten und meinen Werkzeugen Geld verdienen will.
Herr Probst kannte auch da Nebenwege: Wenn ich als Designer, Künstler, Fotograf usw. ein Creativ-Studio mit mindestens sieben Thai-Mitarbeitern gründe, wenn ich dazu noch kreative Kochkurse gebe und eine Malschule für Kinder leite, darf ich arbeiten. Die Thai-Mitarbeiter können übrigens zum großen Teil Familienmitglieder sein.(Nachtrag 2013: Aber der Bürokratismus der Anmeldung eines Gewerbes ist mir in diesem burokratiegeilen Land zu blöd. Da lasse ich das alles und baue meine Lampen, Tische, Schränke und Regale weiter selbst. So wie ich das mache kann das ein Thai sowieso nicht.)
Herr Schmeer von SCHENKER und sah sich nachmittags meine bereits gepackten Kartons, die Möbelstücke und die verpackten Kleinteile an. Wahrscheinlich fand er insgeheim sehr gut, dass ich bereits einen Teil der Arbeit von SCHENKER erledigt habe. Aber ich denke, er war ganz objektiv und professionell, als er mir erklärte: “Das passt alles rein.“ Das war das zweite, sehr positive Gespräch des Tages. Mal sehen, wie es weiter geht.
Da die Bauleute in Thailand wissen, dass ich durch meinen Unfall später komme, lassen sie sich etwas Zeit. Daher gibt es keine wesentlich neuen Ansichten des Hauses. Lediglich zur Straße hin ist ein neues Stück Mauer gezogen.
Manfred Spies
12.4.2011
Montag, 28. März 2011
Luck ist nach Thailand abgereist.
Es gehört zu den traurigsten Bedingungen,
unter denen wir leiden,
uns nicht allein durch den Tod, sondern auch durch das Leben
von denen getrennt zu sehen, die wir am meisten schätzen und lieben und deren Mitwirkung uns am besten fördern könnte.
Samstag, 26. März 2011
Frühlings Erwachen
Frühlings Erwachen
Der Frühling hat seine Türen geoffnet, Die Uhren werden auf Sommerzeit gestellt und heute ist wieder ein sonniger Tag. Aber der kluge Rabe sitzt auf dem kahlen Baum in meinem Garten und krächzt. Wieder nur Scheiss-Schatten heute?
Es fing damit an, dass ich morgens beim Spülen ein wertvolles Weinglas zerbrach. Groß war es, wunderbar geformt und hauchdünn. Ein Cabernet Sauvignon aus Californien, Australien oder Südafrika wurde in diesem Kelch zu einem fruchtigen Geschenk. Nun ist es weg und alle anderen Genuss-Gläser sind schon eingepackt.
Den ganzen Vormittag arbeitete ich an der Präsentation aller Gegenstände meiner Dunkelkammer, die eine Fotografin und ihr Freund erwerben wollten. Gottseindank gibt es noch Liebhaber der analogen Fotografie! Den Transport des schweren Vergrößerungsgerätes konnte ich gestern nur mit Hilfe eines Freundes machen. Heute schaffte ich enorme Mengen an Fotopapier und Rollenware, Entwicklungseinrichtungen, Chemikalien, Entwickler- und Fixierschalen von 20x30cm bis 50x60cm, eine Wässerungsanlage und Trockengeräte und vieles mehr in meinen Wohnraum und präsentierte alles auf Tischen, nachdem es vorher entstaubt und gereinigt worden war. Um 15 Uhr sollte das Käuferpaar kommen.
Der Mann kam alleine. Er wollte wenigstens den Termin nicht platzen lassen, aber an Kaufen war nicht mehr zu denken, nachdem er sich von seiner Freundin getrennt hatte.
„ Es war ihr nichts mehr genug. Ich sollte mich ändern. Ich fühlte mich zu sehr unter Druck gesetzt.“
Mein Gott, das alte, traurige Lied ohne Reime! Warum ist das so schwer, was so einfach sein könnte? Warum schleppen die Menschen ihre Werkzeugkästen mit in eine angebliche Liebesbeziehung, um an dem anderen herumhobeln, -hämmern, -sägen, -feilen und -schmirgeln zu wollen, bis er ihrem Wunschbild entspricht. „Ja, ich habe einen tollen Typen kennengelernt. Da stimmt zwar manches noch nicht, aber das kriegen ich noch hin“ habe ich erschreckend oft gehört. Mit Liebe hat das natürlich nichts zu tun, sondern mit Eigenliebe, mit Egoismus.
Als ich 17 war, notierte ich in mein Tagebuch: Auf der Party traf ich Sabine und fragte sie, warum sie so gelöst und glücklich aussehe. „Oh, ich habe endlich jemanden gefunden, der zu mir passt.“. Sie hattte nicht gesagt.“ ich habe endlich jemanden gefunden, zu dem ich passe.“ Das ist das Dilemma! Empathie wird durch Egoismus ersetzt. Scheidungen, Trennungen, Partnertausch und One-Night-Stands werden normal in einer Zeit, die den anderen als Objekt der eigenen Selbstverwirklichung betrachtet.
Aber die Sehnsüchte bleiben und die Schnulzenindustrie boomt.
Schon 1976 sagte mir der damals sehr bekannte Sexualpsychologe Prof. Volkmar Sigusch: „Warum wunderst du dich? Wir leben in einer kapitalistischen Konsumgesellschaft. Das beeinflusst unser gesamtes Sein. Selbstverständlich auch die Emotionen und die Sexualität. Personen werden versachlicht und sind damit nicht mehr eigenständig, sondern veränderbar, wir leben Objektbeziehungen.“
Ich erinnere mich an einen warmen, sonnigen Samstag-Morgen in meiner Atelier-Wohnung. Renate schlief noch. Ich brühte den Kaffee, kochte die Eier und bereitete das Frühstück im Garten an einem sonnigen Platz, stellte für später die Liege mit den blau-weiss gestreiften Polstern auf die Terrasse und weckte meine Freundlin mit einer Tasse Kaffee am Bett. In der Sonne sagte ich ihr: „Nachher kommt mein Hausbesitzer und will sich den Keller ansehen. Es gibt dort eine Ratte. Danach muss ich mal für eine Stunde ins Atelier. Ein Plakatauftrag, der fertig werden muss.“ Am Vormittag stand sie dann plötzlich angezogen und mit ihrer Tasche in der Hand in der Ateliertüre und meinte: “Wenn du kein Interesse an mir hast, kann ich ja nach Hause gehen. Schönen Tag noch.“
Das war kein Einzelfall. Immer wieder haben mir Freundinnen signalisiert, wie sie den Konstantin Wecker-Song „Genug ist nicht genug“ für sich verinnerlicht haben.
Empathie ist wirklich kein Fremdwort für mich! Mit kleinen, versteckten Liebesbriefen habe ich nicht gegeizt, Zärtlichkeiten und kleine oder große, überraschende Geschenke waren immer Teile meine Zuneigung. Aber sie wollten alles, auch meine Zeit. Zur Trennung bekam ich dann Ähnliches zu hören wie heute der potentielle Käufer meiner Fotoeinrichtung: „Ich glaube, ich werde noch Männer finden, die sich mehr um mich kümmern.“ Heute verreisen diese Frauen mit ihren Freundinnen, gehen mit ihren Freundinnen ins Kino und ins Theater und lesen abends alleine im Bett dicke Bücher. Ich könnte hämisch lachen, aber das liegt mir nicht.
Warum schreibe ich das? Weil ich es traurig finde und vielleicht auch, weil ich selbst etwas traurig bin über die Abwesenheit meines Glücks, meiner Frau, bei der alles so ganz anders ist und die jetzt schon nach Thailand zur Beaufsichtigung unseres Hauses gereist ist. Niemals hat Luck genörgelt oder sich beklagt, wenn ich stundenlang allein in meinem Atelier gearbeitet, Bilder sortiert oder geschrieben habe. Sie hat derweil in der Wohnung die deutsche Sprache gelernt , sich mit Thai-Massage beschäftigt oder im Garten gearbeitet. Zwischendurch haben wir uns besucht, uns umarmt oder ein bisschen gequatscht. Wir haben den anderen so gelassen, wie er ist, haben uns mit Respekt voreinander geliebt. Das hält offensichtlich besser. Warum ist das so schwer, was so einfach sein könnte?(s.o.)
Wie viele kluge Köpfe haben dazu schon so vieles, fast alles gesagt. Aber wer liest das, wer kümmert sich darum? Man hält heute wahrscheinlich Aristoteles für einen Tsastiki-Fabrikanten, Immanuel Kant für einen Spieler von Inter Mailand und Erich Fromm für den Sekretär von Kardinal Meisner.
Da der Tag für mich so schattig anfing und es nicht heller wurde, habe ich beschlossen, keine Risiken einzugehen und eine Pause zu machen. Immerhin ist bereits der 114. Umzugskarton gepackt, viele Kleinteile sind auseinander genommen und in Luftpolsterfolie gewickelt, die meisten Möbelstücke zusammengestellt und vermessen und alles in große Pläne auf Millimeterpapier eingetragen. Resultat: Es passt in den Container. Das beruhigt.
Mit Luck habe ich auch heute telefoniert und sie übt nach 15 Jahren Pause das langsame Bewegen eines Toyota-Pickups. Mal sehen, wie es morgen aussieht. Vielleicht scheint ja die Sonne, und ich sehe das blaue Band des Frühlings flattern, selbst wenn es draußen wolkig ist.
Manfred, 26.3.2011
Sonntag, 16. Januar 2011
REHA Düsseldorf, auf vier Füßen ab in die Thai-Sonne
In fünf Tagen geht (hoffentlich) diesmal tatsächlich unser airberlin-Flieger nach Thailand. Von mir aus gibt es nach den vorgeschriebenen sechs Wochen Schonung und Teilbelastung des Hüftgelenks keine Probleme. Seit dem 27.12.2010 habe ich eine ambulante Reha in Düsseldorf. Dem Aufenthalt in dieser Institution verdanke ich den hervorragenden Verlauf meiner Genesung. Vorsichtshalber benutze ich aber weiter meine "Gehhilfen" hin und wieder.
Seit Ende Dezember werde ich morgens um 8 Uhr mit dem Reha-Bus abgeholt und nach den Therapien gegen 15 Uhr nach Hause gebracht.
Welch ein himmelweiter Unterschied zum Aufenthalt im Vinzenz-Krankenhaus! Der Empfang von Frau Mustafa an der Rezeption ist nicht nur höflich und hilfsbereit, sondern geradezu herzlich. Dies ist der Umgangston innerhalb des gesamten, hochmodernen dreistöckigen Gebäudes mit Ärzteräumen, Therapiezimmern, Gymnastikhallen, Sporthalle und Bewegungsbad, Ruheräumen, Cafeteria usw. usw.. Die Geräte sind das Beste, was ich je in einem Reha- oder Sportzentrum gesehen habe. Die vielen Einstellungs-möglichkeiten wurden nach medizinisch-therapeutischer Hinsicht entwickelt. Wenn der Patient von dem erstklassig geschulten Therapie-Personal eingewiesen wurde, kann er alles selbst nach Bedarf einstellen. Aber IMMER wird er beobachtet und betreut, und man fragt, ob er/sie Hilfe braucht und sich wohl fühlt. Dieses Klima von Empathie und Freundlichkeit trägt enorm zum Heilungsprozess bei.
Es gab einige Kurse und Vorträge, die ich gegen Trainingseinheiten austauschen durfte. Daher hatte ich etliche Stunden am Tag Gymnastik, Physiotherapie, Gehschule, Muskelaufbau usw.. Wenn ich morgen "Tschüss" sage, bin ich wahrscheinlich kräftiger als vor dem Unfall.
Ich danke allen in der Reha-Düsseldorf!
In der vergangenen Woche haben wir noch einmal aktuelle Fotos von Ning, der Architekten-Neffen von Luck per Mail bekommen. Unser Architekt Wisit hat mit dem Mauern der Wände und dem Einbau von Türen und Fenstern begonnen. Dabei ist ihm ein kleiner Fehler unterlaufen: Unsere kleine Terrasse im Obergeschoss hat er fast zugemauert, wahrscheinlich, damit die Räume gegen die Sonne geschützt werden. Aber wir wollen etwas von der Umgebung sehen, wenn wir draussen sitzen. Und das Fenster im Kühlraum ist zu groß. Das muss also geändert werden. "No Problem" sagte uns Wisit. Wir werden uns freuen, ihn zu sehen und mit ihm zusammen zum ersten Mal unsere Hütte besuchen zu können.
Für das kommende Wochenende hat sich fast die ganze Verwandtschaft angekündigt. Es wird ein fröhliches Wiedersehen mit viel köstlichem Essen geben. Alle waren soo besorgt in den letzten Wochen und wollen nun sehen, ob ich wieder fit bin. Wahrscheinlich muss ich auch mal mit in den Tempel, um zu danken und meine Gesundheit religiös und mythologisch abzusichern.
ein Teil der Lakkhamphan-Verwandtschaft
Mal sehen, wie wir uns in drei Wochen nach unserer Rückkehr fühlen. Aber ich bin zuversichtlich, dass alles zu unserer Zufriedenheit klappt.
Manfred Spies
Düsseldorf, 16. Januar 2011
Dienstag, 21. Dezember 2010
St. Vinzenz-Krankenhaus Düsseldorf, Klinikbericht
Manfred Spies Tannenstr. 23A • 40476 Düsseldorf • Tel.: 451533 • Fax: 434307 • Mail: manfredspies@ish.de
Information an Medien
veröffentlicht in div. med. Web-Foren und eigenem Blog sowie Homepage.
St. Vinzenz-Krankenhaus
z. Hd. Herrn Prof. Dr. Adamek
z. Hd. Herrn Dr, Zarras
Schlossstr. 85
40477 Düsseldorf
Samstag, 18. 12 2010
mein Aufenthalt auf der Station B4, Bruch und Erneuerung des Oberschenkelgelenks
Sehr geehrte Herren Chefärzte,
bei meinem in dieser Woche bisher sechsten und letzten Anruf auf der Station B4 des Vinzenz-Krankenhauses konnte mir niemand sagen, welche Abteilung und somit welcher Chefarzt für mich zuständig ist. Entschuldigen Sie daher die relativ anonyme Anrede.
Schwester Elisabeth, mir der ich dieses anstrengende Telefonat am Freitag, 17.12. um 15.40 Uhr führte - sie unterbrach mich dauernd - ist eine sehr selbstbewusste Dame, was eine euphemistische Charakterisierung ist. Sie erklärte, „Dies ist die Station für innere Medizin, mit Knochenbrüchen haben wir nichts zu tun. Dafür ist die Orthopädie zuständig, bei einer Operation die Chirurgie.“
Dass mich die Struktur des Krankenhauses nicht interessiert, ich aber wohl wegen Überfüllung der orthopädischen Station nach meinem Unfall ein Bett auf der Abteilung für Innere Medizin bekam und dort behandelt wurde, war ihr schwer zu vermitteln.
Sie versprach indes, meine dringende Frage nach dem Verbleib des Entlassungsbriefes, dessen Zusendung mir von einer B4-Schwester bereits am Montag, 13.12. zugesagt und am Dienstag, 14.12. von einer Kollegin garantiert wurde, umgehend an den Stationsarzt, Herrn Dr. Lesch, der im Hause sei, weiter zu leiten. „Er wird sie ganz sicher anrufen.“ Am Freitag Morgen hatte mir um10.45 Uhr eine B4-Schwester versprochen, sich persönlich um meine Papier zu kümmern und mich anzurufen.
Wie sicher ich mich nach solchen Beteuerungen fühlen kann, habe ich seit fast einer Woche erlebt: Meine täglichen Anrufe wurden in keinem Fall beantwortet, weder von Herrn Dr. Lesch noch von einer anderen Stelle. Der weiter behandelnde Arzt für Orthopädie, Chirurgie und Sportmedizin, dessen Name, Adresse, Telefon- und Faxnummer der Station vorliegen, wartet auf die Unterlagen. Er kann wohl kaum ohne den Bericht eine qualifizierte Behandlung fortsetzen. Mein Zimmernachbar, Herr Robin Huq, erhielt bereits zwei Tage nach seiner Entlassung seine Dokumente. Insofern halte ich dieses Vorgehen nicht nur für eine Unverschämtheit, sondern für grob fahrlässig.
Ich möchte Ihnen Einblick in die Realität des Vinzenz-Krankenhauses aus der Sicht eines Patienten geben.
1. Am 6.12.2010 wurde ich eingeliefert, geröngt und auf der Station B4 im Zimmer 434 untergebracht. Am folgenden Tag wurde operiert. Mir wurde vorher erklärt, die Zementierung eines neuen Gelenkkopfes sei nicht zu empfehlen, da ich noch zu fit sei, der Zement sich nach 10-15 Jahren zersetzt und eine erneute OP erforderlich wird. Mit der sehr viel größeren und auch gefährlicheren OP - Implantat des Gelenkkopfes UND Erneuerung der Gelenkpfanne - sei dies ausgeschlossen. Merkwürdig ist nur, dass mir heute versch. Orthopäden erklärten, auch bei dem Implantat sei die Haltbarheit ähnlich begrenzt. Nur sei diese große OP natürlich viel teurer, und für das Krankenhaus lukrativer.
2. Die Betreuung auf der Intensiv-Station war ausgezeichnet, vor allem war es ruhig. Als ich dies dem Personal mitteilte, lachten sie und sagten: „Na, da haben Sie Glück. Wir hatten hier mit dem Krach der Renovierungen seit zwei Jahren auch unsere Freude.“
Ich landete wieder auf der Station B4, wo tagsüber ab 7 Uhr der Lärm von Bohrmaschinen und Hämmern besonders für frisch Operierte unerträglich war.....
Den Schwestern erklärte ich, seit 57 Jahren sei ich ein relativ schwer einstellbarer Diabetiker Typ 1, spritze das mitgebrachte Insulin selbst und kontrolliere auch meinen Blutzucker sehr oft selbst. Nachts gegen 2 Uhr möchte ich geweckt werden, um eine Hypoglykämie zu vermeiden. Daran hielt man sich nur selten (Zeugnis: Herr Robin Huq). Einmal wachte ich gegen 2.30 selbst auf und hatte einen Wert von 61, was mit Sicherheit zwei Stunden später zu einem Insulinschock geführt hätte.
3. Meine Tabelle mit 28 Messungen und Eintragungen der Insulinmengen, der Blutzuckerwerte und der Essenseinnahmen wurden kein einziges Mal angesehen und nur ein Mal, weil ich mich selbst meldete, in die Patienten-Unterlagen übertragen. Na klar, Temperatur, Blutdruck und Puls sind ja viel wichtiger!
4. Meine Medikamente Lisibeta und Simvabeta brachte ich mit. Die Einnahme wurde mir untersagt und ich erhielt täglich Alternativen, von denen ich nachweislich Ausschlag auf dem Rücken bekam. Dagegen erhielt ich eine Salbe (Fenistil-Gel). Toll!
5. Meine Frau suchte zuerst auf dem Stationsgang vergeblich nach einem Hinweis, in welchem Zimmer ich untergebracht bin. Sie kennt aus allen Krankenhäusern in Thailand und in Deutschland die Praxis der Namensschilder an den Türen. Das gibt es im heiligen Vinzenz-Krankenhaus nicht. Da ist man nur eine Nummer.
6. Als die Freundin von Herrn Robin Huq, Julia, ihn bei einem Besuch auf die Wange küsste, protestierte eine anwesende Schwester: „Das geht hier nicht, wir sind ein katholisches Krankenhaus.“ Völlig verblüfft fragte Julia: „Im Ernst?“ „Ja, das können Sie zu Hause machen,“ war die Antwort.
(Zeugnis: Herr Robin Huq, seine Freundin Julia, Manfred Spies, meine Frau Luck Lakkhamphan)
Zuerst dachte ich, dies ist eine Nervenheilanstalt mit umgekehrter Rollenverteilung. Dann erinnerte ich mich an die Erklärungen der katholischen Kirche zur Sozialethik und die Hunderten von sexuellen Missbrauchsfällen in katholischen Einrichtungen und wollte den Sargdeckel über diesen verwesenden Vorstellungen zuklappen. Als dann aber abends ein anderer Zimmernachbar die ganze Palette der in den christlich parfümierten Zimmern zu empfangenden TV-Programme durchzappte, bekam ich doch Wut.
Da kann man sich in den verblödenden Privatsendern Horror- und Gewaltfilme der übelsten Sorte ebenso ansehen, wie Erorikstreifen und Softpornos. Warum hat das Krankenhaus des heiligen Vinzenz von Paul und der „Töchter der christlichen Liebe“ sich nicht auf ein Angebot von ARD, ZDF, den 3. Programmen, 3sat, arte und Phoenix beschränkt? Von mir aus auch noch ein paar Bibel- und Prediger-Sender. Der Apparat lief meist bis 0.30 Uhr.
Da kann man sich in den verblödenden Privatsendern Horror- und Gewaltfilme der übelsten Sorte ebenso ansehen, wie Erorikstreifen und Softpornos. Warum hat das Krankenhaus des heiligen Vinzenz von Paul und der „Töchter der christlichen Liebe“ sich nicht auf ein Angebot von ARD, ZDF, den 3. Programmen, 3sat, arte und Phoenix beschränkt? Von mir aus auch noch ein paar Bibel- und Prediger-Sender. Der Apparat lief meist bis 0.30 Uhr.
Ich darf Ihnen sagen, dass ich bei diesen Widersprüchen das Kotzen bekomme, und das hat keine pathologischen Ursachen.
7. Die Stationssachwester Tanja, eine absolut professionelle, kompetente und emphatische Frau, entdeckte beim ersten Verbandswechsel große Druckblasen, die sie auf eine zu starke Kompression des Verbandes zurück führte.
Gute OP-Arbeit!
Gute OP-Arbeit!
8. Am Samstag, 11.12. wurden wir nicht wie üblich durch das Einschalten des grellen Zimmerlichts brutal geweckt (schon mal ´was von Empathie gehört, von menschlichem Umgang, von Warmherzigkeit, von Rücksichtnahme?), sondern von lauten, orientalischen Klängen aus einem orangefarbenen Recorder, der auf der Anrichte im Flur plärrte. Ich überlegte, ob heute ein islamischer Feiertag sei, oder ob wir am Wochenende statt der Trombosespritzen in den Bauch einen Bauchtanz erwarten dürfen. Weit gefehlt: am Samstag arbeitet man mit „Notbesetzung“, was manche Patienten dermaßen in Handlungsnot bringt, dass sie fluchtartig die christliche Klinik verlassen.
9. Bei mir sah das so aus: Am Vormittag hatte ich ein umfangreiches Gespräch mit Dr. Lesch. Ich wollte nach Hause. Er verstand durchaus, dass ich nach dem Sturz eine Stunde vor unserem Weg zum Flughafen zwecks letzter Vertrags-abschlüsse, Erkundigungen, Konsulats-besuche, Einkäufe usw. usw. vor unserer Reise nach Asien total im Stress war und endlich wieder Mails beantworten und schreiben wollte. Außerdem ist unsere Parterrewohnung praktisch und die Pflege und Hilfsbereitschaft meiner Frau mit nichts im Krankenhaus zu vergleichen. Sie betreut ja nur eine Person und eine „Notbesetzung“ gibt es nicht.
Herr Dr. Lesch riet mir von einem vorzeitigen Verlassen der Klinik ab und ich akzeptierte. Aber dann kam alles ganz anders.
Es war zwar ärgerlich aber nicht entscheidend, dass das Tablett mit dem Mittagessen (eigentlich für Patienten, denen Nervus glossopharyngeus und Chorda tympani vollständig amputiert wurden), bei mir wieder einmal falsch herum auf dem Wagen landete. Man kann das Ding nicht einfach drehen, es ist eingerastet. Es muss hochgehoben werden. Das ist bei dem Gerwicht nicht so einfach, zumal bei Schmerzen in der entspr. Muskulatur. Ein Freund, der dies einmal beobachtete, riet mir: Fallen lassen. Konfliktstrategie nennt man das oder - bezogen auf das Personal - Learning by Doing.
Ärgerlich war auch das Weissbrot auf dem Tablett, obwohl ich auf allen „Wunschzetteln“ ausdrücklich „kein Weissbrot, nur Vollkorn/Mehrkornbrot“ vermerkt hatte. Ballaststoffe sind gut für Diabetiker!
Vor dem Mittagessen messe ich immer meinen Blutzucker. Er war zu hoch und so spritzte ich einige Einheiten und wartete mit dem Essen. Nach 20 Minuten kam die Schwester und räumte die Tabletts ab, zuerst das von Herrn Huq mit der leeren Kaffeetasse, denn er hatte noch gar keinen bekommen. Als sie schwungvoll mein völlig unberührtes Tablett entfernte, rief ich : „Stop, haben Sie nicht gesehen, dass ich noch gar nicht gegessen habe?“
„Wieso essen Sie denn nicht?“
„Weil mein Zucker zu hoch ist. Warum fragen Sie nicht einfach nach, wenn Sie ein unberührtes Tablett sehen?“
„Wieso essen Sie denn nicht?“
„Weil mein Zucker zu hoch ist. Warum fragen Sie nicht einfach nach, wenn Sie ein unberührtes Tablett sehen?“
Ihre Antwort „Machen Sie mich nicht so an!“ war das Signal für alles Weitere.
In den Leitlinien des Verbundes Katholischer Kliniken Düsseldorf, die für das St. Vinzenz-Krankenhaus verbindlich sind, steht u.a.: „Wir begegnen jedem unserer Bewohner und Patienten, deren Angehörigen und unseren Mitarbeitern mit Fürsorge, Achtung und Respekt, unabhängig von Herkunft, Religion oder sozialer Stellung.“
Als Patient kann ich Respektlosigkeiten und Unverschämtheiten ignorieren oder mich wehren. Aber auf der Station B4 arbeitet eine moslemische Schwerstern-schülerin mit weissem Kopftuch, die systematisch gemobbt wird und sich nicht wehren kann. Eine Schwester raunte mir zu: „Ach die, die ist doch gaga.“
Nachdem ich mein Essen eingenommen hatte und auch Herr Huq nach seinem Kaffee lechzte, umrandete ich auf dem Speisenzettel „Kaffee“ und „Kondens-milch“, fügte ein großes „Bitte“ hinzu und legte ihn auf die Anrichte. Mit Krücken kann man einen Kaffeebecher schlecht transportieren, es sei denn, man tritt bei „Roncalli“ auf.
Die Anrichte mit der Kaffeekanne ist 3m von unserem Zimmer entfernt. Nach 45 Minuten humpelte ich auf den Flur. Mein Zettel war weg. Ich fragte eine Schwester, ob meine Bitte erfüllt werden könnte. „Wir haben Notbesetzung und dafür im Moment keine Zeit“ war die patzige Antwort. Da wusste ich: Das ist Krieg, an diesem Wochenende habe ich hier nichts Angenehmes zu erwarten. Also nix wie weg, denn Psychoterror ist kontraproduktiv für den Heilungsprozess.
Zu unserer großen Überraschung und unbändigen Freude erhielten wir nach weiteren 30 Minuten unseren Kaffeebecher. Zu dieser Geste gegenüber dem Gegner wurde natürlich die moslemische Schwesternschülerin abkommandiert. (Zeugnis fur den gesamten Vorgang: Herr Robin Huq)
10. Der diensthabende Arzt an diesem Nachmittag war Frau Dr. Kariofili. Ich fragte sie ganz ruhig, welche Formalitäten für eine Entlassung auf eigenen Wunsch nötig sind.
10. Der diensthabende Arzt an diesem Nachmittag war Frau Dr. Kariofili. Ich fragte sie ganz ruhig, welche Formalitäten für eine Entlassung auf eigenen Wunsch nötig sind.
„Warum wollen Sie gehen?“
„Ach wissen sie, Frau Doktor, ich will mich nicht noch weiter ärgern bei der Wiederholung der Datails.“
„Aber Gründe muss ich schon wissen.“
"Ich glaube, das wird kein gutes Wochenende für mich, wenn es den Schwestern schon zu viel ist, mir einen Kaffee...“
Frau Dr. Kariofili unterbrach mich, reckte mir ihre flache Hand vors Gesicht und bellte: „Wir sind kein 5-Sterne-Hotel!“
„Ihre Körpersprache spricht für sich. So wehrt man Köter ab. Sie wissen sicher nicht einmal, wie man Empathie buchstabiert. Jeder Taxifahrer hat mehr davon. Keine weitere Diskussion, ich will jetzt sofort hier raus!“
Ich fragte, wann und wo ich meine Röntgenbilder abholen kann. „ Wir geben allgemein keine Röntgen-Unterlagen heraus,“ antwortete von Frau Dr. Kariofili.
Ich sagte ihr: „Diese unverschämte Lüge wird Folgen haben. Herr Dr. Lesch hat mir heute Vormittag erklärt, ich könne eine CD mit allen Aufnahmen mitnehmen. Und bei meinem Zimmernachbarn, Herrn Huq, liegen die Bilder bereits auf seinem Bett.“
(Zeugnis:Frau Luck Lakkhamphan)
In den Leitlinien des Verbundes Katholischer Kliniken Düsseldorf, die für das St. Vinzenz-Krankenhaus verbindlich sind, steht u.a.: „Im Mittelpunkt unseres Handelns steht der Mensch als Geschöpf Gottes in seiner persönlichen Würde, seinen Rechten und seiner Freiheit.“
Ich überlasse es Ihnen, sehr geehrte Herren, zwischen diesen Leitlinien und meinen Erlebnissen eine harmonische Übereinstimmung zu entdecken.
Von der Ärztin erhielt ich einen Zettel, auf dem weder die Angaben zur klinischen Abteilung, zur Station oder zum aushändigenden Arzt ausgefüllt waren. Ich unterschrieb am 11.12.2010 „Ich verlasse auf eigenen Wunsch, gegen eindringlichen ärztlichen Rat das Krankenhaus. Auf eventuelle gesundheitliche Schäden bin ich hingewiesen worden.“
Tatsache ist allerdings, Frau Dr. Kariofili hat weder einen eindringlichen, ärztlichen Rat formuliert noch auf gesundheitliche Schäden hingewiesen. Ihre einzige Stellungnahme war: „WIR SIND KEIN FÜNF-STERNE-HOTEL!“
Das St. Vinzenz-Krankenhaus hat nach meiner Einschätzung nicht einmal einen Stern.
- Nach meiner Einschätzung entspricht es nicht den hygienischen Ansprüchen
eines Seniorenheims;
eines Seniorenheims;
- das Pflegepersonal ist bis auf einige Ausnahmen schlecht geschult,
unfreundlich bis unverschämt;
unfreundlich bis unverschämt;
- Patienten sind auf einer Baustelle untergebracht. Aufgrund des Krachs durch
die permanenten Renovierungsarbeiten sind Ruhe und entspannte Heilung
unmöglich;
die permanenten Renovierungsarbeiten sind Ruhe und entspannte Heilung
unmöglich;
- Eine qualifizierte Beobachtung und medizinische Betreuung, wie bei mir als
insulinpflichtigem Diabetiker, ist selbst auf einer Abteilung für Innere Medizin
(B4) nicht gegeben;
insulinpflichtigem Diabetiker, ist selbst auf einer Abteilung für Innere Medizin
(B4) nicht gegeben;
- Wichtige Unterlagen auch zur notwendigen, qualifizierten Weiterbehandlung
durch einen Facharzt werden nicht heraus gegeben;
durch einen Facharzt werden nicht heraus gegeben;
- Nach Aussage des Personals ist der Austausch von kleinen Zärtlichkeiten
innerhalb des „christlichen“ Krankenhauses verboten. Das ist drittklassige
Klinik-Comedy.
innerhalb des „christlichen“ Krankenhauses verboten. Das ist drittklassige
Klinik-Comedy.
Das St. Vinzenz-Krankenhaus in Düsseldorf ist Teil der VKKD-Gruppe, die sich selbst als Konzern bezeichnet. Es wird geführt nicht nach den verlogenen, christlichen Leitlinien, sondern nach knallharten, ökonomischen Bedingungen des Wettbewerbs.
Von vielen Ärzten, Physiotherapeuten und Patienten wird die Klinik kopfschüttelnd abgelehnt.
Die Klinik wird mich nie wieder als Patienten sehen, so Buddha, Allah und Gott mir wohl gesonnen sind.
PS.: Bleibt nur zum Schluss die immer noch ungeklärte Frage nach meinem Entlassungs-Brief, ohne den eine qualifizierte Weiterbehandlung nicht möglich ist.
Heute, am Mittwoch, 22.12.2010, 12 Tage nach meiner Entlassung und am Tag der Absendung dieses Schreibens, hat der weiter behandelnde Facharzt immer noch keine Entlassungspapiere des Krankenhauses. Das ist ein Skandal.
Es wird zur Durchsetzung meiner Rechte eine Abmahnung formuliert. Sollte dies nicht innerhalb einer engen Frist zum Erfolg führen, werde ich - da Dringlichkeit besteht (Anordnungsgrund) - mit einem Antrag auf Einstweilige Anordnung mein Recht auf Herausgabe der Papiere (Anordnungsanspruch) durchsetzen. Ggf. folgt Klage.
Manfred Spies
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