Sonntag, 11. August 2013

THAILAND-MUTTERTAG

In Thailand wurde der Muttertag 1950 eingeführt. Es war seitdem der 15. April. Einen Grund für diesen Feiertag und dieses Datum konnten mir selbst Historiker nicht nennen. Wahrscheinlich lehnte man sich an amerikanische Traditionen an. Mit den Amerikanern hatte Siam als erstes asiatisches Land bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts offizielle diplomatische Kontakte.

1976 wurde das Datum auf den Geburtstag der Königin gelegt, ein völlig logischer Vorgang in einem Land, das bis heute nicht nur absolut autoritätsgläubig ist, sondern dem Königshaus höchste Verehrung und Dienerschaft zollt. Also feierte man ab dem 12. August 1976 nicht nur den Geburtstag der Königin als „Mutter der Nation“, sondern auch den Tag aller Thai-Mütter, die kleine Geschenke und weiße Jasmingirlanden erhielten.

Einige Leute behaupten sarkastisch, das Songkran-Fest, das früher im März stattfand und später auf den 13.-15. April verlegt wurde, habe dann mit dem Muttertag unangenehm kollidiert: Am letzten Tag des Songkran (Thai-Neujahrsfest), an dem die meisten Thailänder schwer alkoholiesiert sind, sollten den Müttern die Blumen und Geschenke nicht lallend übergeben werden.

Heute, am 12. August 2013, sind morgens in unserer Stadt die Straßen ganz ruhig. Behörden, Banken und Geschäfte sind geschlossen. Zum Muttertag, an dem die Mütter die angereiste Verwandtschaft einladen und bekochen, feiern die Familien. Dazu sind sie zum Teil bereits am Freitag angereist. Sie haben sich einen Tag Urlaub genommen. Nun reisen sie nach dem Muttertag morgen in der Frühe in endlosen Staus nach Hause. Dazu haben sie sich einen weiteren Tag Urlaub genommen. Auch viele Geschäfte und Betriebe bleiben in Ermangelung von Arbeitskräften tagelang geschlossen. Hauptsache Sanuk (Spaß, Vergnügen, Lebenslust).




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Ursprünglich entstand die Idee in Amerika, an einem Tag im Jahr an die Mütter zu denken und Ihnen für ihre Liebe, Fürsorge und die Entbehrungen zu danken,
Meine Favoritin unter den Initiatorinnen ist Julia Ward Howe: „1870 wurde von Julia Ward Howe eine Mütter-Friedenstag-Initiative unter dem Schlagwort peace and motherhood gestartet. Sie hatte das Ziel, dass die Söhne nicht mehr in Kriegen geopfert werden sollen.“(*) Leider hatte ihre Idee keine Chance.

Man kann nachlesen, dass als Begründerin des heutigen Muttertags die Methodistin Anna Marie Jarvis gilt, die Tochter von Ann Maria Reeves Jarvis. Sie wandte sich aber nach der typisch amerikanischen, völligen Kommerzialisierung des Tages von ihrer Idee ab und versuchte sogar, den Tag wieder abzuschaffen.
In den USA werden die finanziellen Aufwendungen für den Muttertag nur durch Weihnachten übertroffen. Nach den Schätzungen der nationalen Einzelhandelsvereinigung werden im Durchschnitt 139 US-Dollar pro beschenkter Mutter ausgegeben.(*)

In Deutschland hat man 1922 gar nicht erst versucht, den Muttertag unter religiösen oder ethischen Gesichtspunkten einzuführen. Von Anfang an war der Kommerz die Basis aller Initiativen: “In Deutschland wurde der Muttertag 1922/23 vom Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber mit Plakaten „Ehret die Mutter“ in den Schaufenstern etabliert und – betont unpolitisch – als Tag der Blumenwünsche gefeiert. Mit Plakaten in Schaufenstern, kleineren Werbekampagnen und Veranstaltungen bis hin zu Muttertagspoesie wurde dem ersten deutschen Muttertag am 13. Mai 1923 durch den Vorsitzenden des Blumenhändler-Verbandes, Rudolf Knauer, der Weg bereitet.“(*)
Gefeiert wir immer am 2. Sonntag im Mai. Eine besondere gesetzliche Regelung erlaubt den Blumengeschäften, an diesem Tag zu öffnen.

(*) Wikipedia

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In meiner familiären Umgebung ist Mooy die einzige Mutter. Ihr Mann starb vor langer Zeit. Ihre Tochter starb bei der Geburt, der Zwillinge, die uns heute oft besuchen und mich als „Opa“ lieben.



Heute machen wir kein Brimborium. Ich gehe mit Mooy ganz langsam durch den fantastischen Garten. Es gibt die duftenden Jasminblüten und ich lade Mooy und alle anderen in ein schönes Restaurant ein, in dem es keine Feier mit den obligaten Lautsprechertürmen gibt.

Kinder singen und tanzen am Muttertag. Die etwa 25 Eltern können nur applaudieren. Unterhaltungen sind unmöglich.

Nachtrag: Es war heute Mittag sehr schön und hat Mooy so gut gefallen, dass sie kaum Hunger verspürte. Wir haben sie aber immer ermuntert.

Das Restaurant meiner Wahl liegt abseits von der Hauptstraße ganz ruhig an einem kleinen Fluss. Entlang dieses Flüsschens gibt es eine kleine, schattige Promenade. Im gesamten Innen- und sogar auch im Außenbereich ist Rauchverbot.



Dieser Platz, den die bescheidene Mooy noch nie vorher gesehen hatte, machte sie bereits ganz glücklich und still.
Wir bekamen einen schönen Platz auf einer Außenterrasse über dem rauschenden Flüsschen. bei der Vielzahl der gerichte war Mooy überfordert und überließ uns die Auswahl der Vor- und Hauptspeisen.



Es war wirklich sehr lecker und strapazierte meinen Geldbeutel incl. der Getränke etwa in der Größenordnung eine einfachen Menues in Düsseldorf: € 17,-.


Manfred Spies am 12.August 2013 in Pakchong.

Samstag, 15. Juni 2013

Dieter Forte zum Geburtstag

14.6.2013
Lieber Dieter,

ich wünsche dir zu deinem Geburtstag vor allem die Gesundheit, um die du kämpfst, seit wir uns vor 55 Jahren kennen gelernt haben. Es ist sehr schade, dass wir nun so weit von einander entfernt sind und uns nicht mal so eben nach einem Flug oder einer Zugfahrt sehen können. Dabei habe ich den Eindruck, dass mir der Freund umso mehr fehlt, je älter ich werde.

Marianne und dir wünschen Luck und ich das Beste, alles Wichtige und Schöne, was ihr euch selbst wünscht in dieser knapper werdenden Zeit.

Ich habe diesen Glückwunsch hier öffentlich gemacht, weil ich mit einer Verbeugung vor dir auch andere Leser - besonders aus unserer Heimatstadt Düsseldorf - auf einen Artikel über dich hinweisen möchte. Die Achtung und die Begeisterung, die aus den Worten des SPIEGEL-Journalichen spricht, hat mir sehr gefallen...

Als die D-Mark jung war

Von Hage, Volker
In seinem neuen Roman "Auf der anderen Seite der Welt" erzählt der Schriftsteller Dieter Forte vom Leben im erwachenden Wohlstand, der das nachbebende Weltkriegsgrauen überdeckt.
Fast amüsant beginnt diese Reise auf eine namenlose Insel in der Nordsee, zu einer Zeit (inmitten der fünfziger Jahre, so ist anzunehmen), als die Lokomotiven noch weiße Dampfwolken ausstoßen, "die sich in der Luft verzettelten", als noch Pferde auf den Weiden mit dem Zug um die Wette laufen. Doch der Ausflug nimmt schon bald - auf der anschließenden Fahrt mit einem alten Schienenbus bis unmittelbar ans Meer und einer abenteuer-lichen Überfahrt - groteske Züge an und kommt in der Abgeschiedenheit eines Lungensanatoriums vorerst zu einem beängstigenden, stets dem Tode nahen Stillstand.

"Auf der anderen Seite der Welt", so heißt der neue Roman von Dieter Forte*. Und das heißt auch: jenseits der Zeit, weit weg von allem, was die Nachrichten der Aufbaujahre verkünden. Der moribunde Held versäumt schon bald, seine Armbanduhr aufzuziehen oder nachts die Ziffern mit den Leuchtpunkten zu betrachten, dann legt er sie ganz weg und hat sie irgendwann einfach vergessen.

Es gibt kein Radio, kein Telefon; allein ein Mitpatient, der im Leben draußen als Börsianer gearbeitet hat, darf beim Chefarzt gelegentlich telefonieren: für seine guten Tipps und damit er den Kontakt zur Börse nicht ganz verliert. Doch sonst fehlt dieser Stätte alles Mondäne, jede "Zauberberg"-Atmosphäre: Es weht eine andere, rauere Luft.
War die Lungenheilstätte bei Thomas Mann im "Zauberberg"-Roman (1924) noch ein - hoch in den Bergen gelegener - Ort der Gesellschaft und großen Auftritte, eine Plattform für Liebesdramen und hochgeistige Gespräche kurz vor Ausbruch des ersten jener beiden Kriege, die man später Weltkriege nannte, so gibt es hier, nach dem zweiten dieser Kriege, nur noch ein Verdämmern, das pure Pandämonium, Geisterwelt; entsprechend herab-gestimmt auch der Erzählton, der sich allenfalls - darin ganz Thomas Mann nah - bei der Beschwörung des Meeres und seiner bis in den Schlaf rauschenden Brandung eine begeisterte Höhenlage erlaubt.

Gut möglich, dass der Autor dieses Romans, der in Düsseldorf geborene, in Basel lebende Dieter Forte, 69, jetzt doch noch in den Genuss jener Aufmerksamkeit kommt, die ihm schon lange gebührt. Die Vorleserin der Nation, Elke Heidenreich, hat sein Buch in der neuesten Ausgabe ihrer ZDF-Sendung "Lesen!" empfohlen - allen Unkenrufen zum Trotz, sie lobe nur seichte Ware. Wenn das anspruchsvolle Werk daraufhin nicht gleich auf die Bestsellerliste geraten ist, so vielleicht nur deshalb, weil die Forte-Verehrerin ihren Zuschauern zum Einlesen zunächst die früheren Romane des Autors ans Herz legte.

Pech für das neue Buch, publikumspädagogisch aber korrekt: Vor dem Hintergrund der in den neunziger Jahren entstandenen Romantrilogie "Das Haus auf meinen Schultern" (erstmals 1999 in einem Band zusammen-geführt) fällt der Einstieg in die Welt des erzählerisch zerklüfteten Romans "Auf der anderen Seite der Welt" leichter. Fortes weit ausholende und mittlerweile häufig gelobte Familiensaga ist ein anschauliches, kraftvolles episches Werk, das Deutschland aus Sicht von Einwanderern zeigt. Und der neue Roman lässt sich bei aller Eigenständigkeit gut und gern als Fortschreibung der Trilogie verstehen.

Vertraut ist Forte-Lesern vor allem der namenlose junge Mann, der eben noch, im dritten Band des Romanzyklus, ein kleiner Junge war und nun, zu Beginn des neuen Romans, etwa 18, 19 Jahre alt ist und seine Heimatstadt für lange - er fürchtet gar: auf ewig - verlassen muss.
In dieser Stadt, erkennbar Düsseldorf, haben sich in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts zwei von Geblüt recht unterschiedliche Einwanderer-familien verbunden, die Familien Fontana aus Italien und Lukacz aus Polen - deren Sprössling ebendieser Romanheld ist, der im mittleren Band der Trilogie zur Welt kommt.
Und in dieser Stadt hat er als Kind im Zweiten Weltkrieg in den Bomben-nächten gezittert und um Atem gerungen, ein Trauma, das ihn - wie auch den Autor Forte - nie mehr losgelassen hat (auch im neuen Roman sind sie unterschwellig präsent, die "vielen Tage und Nächte, die einmal sein Leben waren im explodierenden Todesstrudel der Bomben, im erstickenden Tod des versagenden Atems").
Forte gehört einer Autorengeneration an, die bis heute auf sonderbare Weise im Hintergrund geblieben, zum Teil fast schon wieder abgetreten ist: der Generation der in den dreißiger Jahren Geborenen, die den Krieg als Kinder erlebten. Dagegen repräsentieren die Jahrgänge von 1926 bis
1929, die später als Flakhelfer oder gar jugendliche Soldaten des letzten Aufgebots herhalten mussten, immer noch recht munter die deutsche Literatur (ob nun Günter Grass, 77, Walter Kempowski, 75, Siegfried Lenz, 78, Peter Rühmkorf, 75, Martin Walser, 77, oder auch Christa Wolf, 75).
Manche der eigentlichen Kriegskinder aber sind längst nicht mehr dabei, sie leben schlichtweg nicht mehr. Das mag recht unterschiedliche Ursachen haben, Krankheit, Unfall oder Selbstmord - es bleibt doch eine fast schon gespenstische Galerie der früh Gestorbenen: von Thomas Bernhard (1931 - 1989), Nicolas Born (1937 - 1979), Rolf Dieter Brinkmann (1940 - 1975) über Hubert Fichte (1935 - 1986), Hans J. Fröhlich (1932 - 1986) und Uwe Johnson (1934 - 1984) bis hin zu Bernward Vesper (1938 - 1971).
Fast alle haben sie den Krieg, vor allem den Luftkrieg als verheerende Erschütterung ihrer Kindheit erlebt und darüber auch - bisweilen an versteckter Stelle - geschrieben, wie der Österreicher Bernhard, der die Bombardierung von Salzburg ein "mich für mein ganzes Leben verletzendes Geschehen" nannte, so im ersten Band seiner Autobiografie, dem er den Titel "Die Ursache" (1975) gab.

Der Untertitel "Eine Andeutung" mochte als Hinweis auf die von Bernhard vermutete seelische Ursache der späteren Lungenkrankheit gedacht sein, deren Folgen er in dem Band "Der Atem" (1978) beklemmend geschildert hat: "Eine Entscheidung" (so der Untertitel dieses Bandes) zum Leben, gegen den elenden Tod im Krankenhaus - hin zum Schreiben. "Hier sind Bruchstücke mitgeteilt", heißt es in dem Buch, "aus welchen sich, wenn der Leser gewillt ist, ohne weiteres ein Ganzes zusammensetzen lässt. Nicht mehr. Bruchstücke meiner Kindheit und Jugend."
Diese Bernhard-Worte könnten bestens das Motto für Fortes Roman "Auf der anderen Seite der Welt" abgeben. Auch Forte hat den Luftkrieg und die Atemlosigkeit am eigenen Leib erfahren müssen, hat in jungen Jahren schier endlose Zeit im Sanatorium verbracht - die Kurklinik Utersum auf der Nordseeinsel Föhr ist reales Vorbild für das im Roman geschilderte windumtoste, von Nebeln eingehüllte Haus -, und er hat ebenso aus der lebensbedrohlichen Erkrankung zurück ins Leben und den Weg zur Literatur gefunden.
Sein Roman aber hat über die streng autobiografische Dimension hinaus noch eine andere Perspektive: Er ist zugleich ein gewaltiges Panorama und figurenreiches Gemälde der deutschen Nachkriegsepoche, wie es so noch nicht zu lesen war.

"Das Meer lag in der tiefen Nacht in seinem schweren Atem", so setzt der Roman ein, "in einer Stille wie vor der Geburt, während das herausgestoßene, abbrechende Todesatmen eines Menschen den Tag erwartete ..." Und dieser Satz wird wie eine Beschwörungsformel wiederholt, leitet und stimmt jedes neue Kapitel ein, gewissermaßen als literarischer Kammerton.
Überhaupt verliert sich die Chronologie, jede Form von Bewegung rasch in diesem Roman, denn Handlung ist in dieser Welt des Sterbens ("Da wartet man nun auf den Tod") nicht vorgesehen. Die Erinnerung ist ein ewiger Kreislauf von Gedanken und Bildern, und der junge Mann erlebt nach den mörderischen Bombennächten nun zum zweiten Mal, wie Menschen, die eben noch im Bett nebenan aus ihrem Leben erzählen, am nächsten Morgen nicht mehr da sind.

Der namenlose Held ist der Chronist, er hört die Stimmen der anderen. Von ihm ist nur in der dritten Person die Rede, mit einer Ausnahme, wo das spätere Erzähler-Ich sich kurz einschaltet: "Ich sehe die Person, die ich bin, die ihr Leben erkennt in den ungeschriebenen Geschichten der Toten ..."
Der junge Mann aber wird überleben und am Ende auf der Rückseite einer Fieberkurve das eigene Erzählen, sein Schreiben beginnen - und in die ihm unverständliche Wirtschaftswunderwelt zurückkehren: "mit dem erschrockenen Blick des Fremden, des Nichtdazugehörenden".

Das ist die Gegenwelt: die frühe Bundesrepublik der Aufbaujahre, denen Forte ein treffendes, heute schon wieder wehmütig stimmendes Motto gibt: "Die Deutsche Mark ist die Freiheitsstatue der Deutschen." Was auch Autoren wie Heinrich Böll, Gerd Gaiser und Wolfgang Koeppen schon aus unmittelbarer Zeitgenossenschaft zu schildern versucht haben, wird hier aus einer größeren Distanz neu und anders erzählt.

Zugleich aber atmet dieser atemlose Roman selbst noch den Geist der Nachkriegszeit, der Sisyphos-Welt von Camus und der Aufbruchstimmung in den Trümmern Europas: "Unter Ruinen die exterritorialen Inseln der versteckten Jazzkeller, ... enge Räume hinter verbrannten Treppen und verrosteten Luftschutztüren ... Musiker, die auf den neuen Tönen aus dem unvorstellbaren Land USA wandelten."
Das sind die frühen Jahre, getragen von der Hoffnung auf neue Kunst, neue Farben, neue Töne, kurz: neue Möglichkeiten. Später kommt eine andere Realität zum Vorschein und zum Tragen: "Es war die endgültige und unaufhaltsame Beschleunigung der Welt aus dem Verharren heraus in die Bewegung des Geldes."

Forte zeigt seinen Helden nicht nur als Außenseiter, sondern ebenso als intimen Zeugen des politischen und wirtschaftlichen Geschehens - mit pikareskem Spaß. Der junge Mann nämlich arbeitet, Jahre vor Ausbruch seiner Krankheit, als Empfangsboy mit Uniform bei einem Düsseldorfer Unternehmen. Er steht neben den Industriebossen, erlebt Bundespräsident Theodor Heuss in einem stillen Moment, lauscht einer Rede von Wirtschaftsminister Ludwig Erhard, in der die Wiedergeburt eines Waschmittels "in der Qualität der Vorkriegszeit" gefeiert wird.
Von der Marke Persil ist die Rede, und was wie groteske Überzeichnung wirkt, ist pure Realität, vom Autor selbst erlebt und dokumentiert: Im Alter von 15 Jahren arbeitete Forte eine Zeit lang bei der Firma Henkel in dem von Bomben nahezu verschonten Düsseldorfer Werk, das mit seiner pompösen Empfangshalle Drehort mancher Nachkriegsfilme war (so wird aus dem Empfangs- sogar bisweilen ein Hotelboy mit kleinen Auftritten) und Ende der vierziger Jahre sogar provisorisch den Landtag von Nordrhein-Westfalen beherbergte.

Kuriose Geschichten aus einer fernen Zeit des Umbruchs, die heute, in Zeiten wachsender Gefährdung des lange wie selbstverständlich genommenen Wohlstands und Wachstums, so fremd gar nicht mehr erscheinen wollen. Forte hat ein Auge für Verlierer, die als Überlebende, als Sonderlinge in der "gesetzlosen Nachkriegszeit" noch gut durchgekommen sind, später aber an den Rand gedrängt werden.

Sein Romankosmos zerfällt schon bald in lauter Splitter und Fragmente, führt liebevoll Einzelschicksale vor, zitiert Schicksale wie das des einstigen Schwarzmarkthändlers und KZ-Überlebenden: "Er leugnete alles, stritt alles ab, sagte nebbich, KZs hat es keine gegeben, das müsste ich doch wissen, dann wäre ich als Kind ja da drin gewesen." Aber nun lebt er hinter verdunkelten Fenstern, mag nicht mehr hinaussehen: "Ich sehe in allen Straßen die Toten herumlaufen, die meinen Namen rufen, denn sie kennen mich, und sie wundern sich, dass ich noch lebe, und sie wollen wissen, wie ich das gemacht habe, und ich weiß es doch selber nicht."

Wie Thomas Bernhard besteht auch Forte in seinem Roman darauf, dass nur noch Bruchstücke möglich sind und keine "ausgeformte, sinnvolle Erzählung", weil es in der geschilderten Welt keine Idee mehr gibt, "die große Geschichten ermöglichte und zusammenhielt". Am Ende bleibt nur noch ein kurzatmiger Erzähler, der die Bruchstücke sammelte, bleibt "eine Stimme, die sprach, es war unwichtig, wer erzählte, es kam darauf an, eine Stimme zu hören, die eine Stimme, die die Erinnerung war".
Diese Stimme, Fortes Stimme gewinnt hier, auf der anderen Seite der Welt, beeindruckendes Volumen, betörenden Klang. VOLKER HAGE
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*Die Kritik aus dem SPIEGEL vom Oktober 2004 ist nicht ganz neu, aber nicht angestaubt. Inzwischen hat Dieter Forte am 7.März 2013 ein neues Buch veröffentlicht.

http://www.fischerverlage.de/buch/das_labyrinth_der_welt/9783100221186

http://www.amazon.de/Das-Labyrinth-Welt-Ein-Buch/dp/3100221184


Manfred Spies

Samstag, 1. Juni 2013

Thailand Umwelt: Der Müll 3

Aufgrund der Müll-Artikel im Blog schrieb mir ein Nachbar aus unserer Siedlung:

„....Ich lese euren Blog regelmäßig und es ist immer interessant. Vieles erinnert mich an meine ersten Jahre hier in Thailand, ich habe ähnliche Erfahrungen und Erkenntnisse gehabt....Und in diesen vielen Jahren hat man dann doch viel gelernt und leider auch viele gut gemeinte Versuche aufgegeben, weil ich schon vor vielen Jahren zu der Erkenntnis gekommen bin, dass sich hier nichts ändern und auch nicht dazu gelernt wird. Da war dann anfangs Frustration und später hat sich dann sogar Gleichgültigkeit eingestellt....“

Da ich es schade finde, wenn man resigniert - was teilweise verständlich ist - und sich enttäuscht zurück zieht, wollte ich ihn ein wenig aufmundern und antwortete:

„Ich glaube dir gern, dass du anfangs auch Ideen und Engagement hattest, aber ich finde es schade, wenn das in Resignation und Gleichgültigkeit endet. Glaube mir, alle in meiner Umgebung - die Thai eingeschlossen - haben mir immer wieder gesagt: Das hat keinen Zweck, das ist so in Thailand, damit musst du dich abfinden, das kann man nicht ändern usw. usw.. Aber heute lebe ich so, wie ich es mir vorgestellt habe, in einem Haus nach genau meinen Vorstellungen und Ansprüchen, weil ich mich nicht mit dem abgefunden habe, was andere als unabänderlich bezeichneten. Vielleicht haben sie sich nie gewehrt, haben den Arsch zusammen gekniffen und sind heute weit davon entfernt, so zufrieden zu sein, wie wir es sind.

Das Gleiche gilt für die Situation in unserer Siedlung. Aus unserem Blog kennst du die schrecklichen Müll-Fotos und du weisst aus eigener, langjähriger Erfahrung um die "Wegwerfgesellschaft" der Thai. Da fühlte ich mich einfach nicht mehr wohl auf unseren Straßen.
Meckern? Kritisieren? Die Thailänder als rücksichtslose Ferkel beschimpfen? Das ist bei denen, die es betrifft vielleicht gerechtfertigt, weil Gutmütigkeit hilft da in Einzelfällen sowieso nicht.  Aber damit ändert man nichts. Also habe ich angefangen, den Dreck einzusammeln und wurde immer professioneller als "Müllfred". (Für das Abstreifen der mit dem Picker aufgenommenen Gegenstände habe ich mir einen speziellen Henkel an den Eimer gemacht.)
Aufgepickter Müll kann ohne Handberührung abgestreift werden


Die Leute haben mich beim Sammeln lächeln sehen, haben immer freundlich gegrüßt,  und ich habe der Lehrern an der Schule oder den Mopedfahrern, die mich gelobt haben, erklärt, warum ich das mache. Ich habe an ihre eigenen Kinder und Enkel erinnert, die auf einer Müllkippe leben werden, wenn es so weiter geht.

Schwimmunterricht am Meer - unsere schöne, zukünftige Welt?

Böse oder ärgerlich habe ich nicht mehr reagiert, obwohl mir manchmal danach zumute war. Nur einmal war ich sauer.
Die Arbeiter auf einem vorbei fahrenden Pickup warfen mir lachend ihren Plastikmüll vom Frühstück und die Plastikbecher auf die Straße. Blitzschnell habe ich meine Hose runter gezogen und ihnen meinen nackten Arsch gezeigt und mit dem Stinkefinger ihnen gewunken. Das war aber nur eine einmalige Situation.

Jetzt gehe ich nur noch selten mit Picker und Eimer durch die Straßen. Nicht mehr nötig. Einem Nachbarn, der anfangs immer sagte "geht nicht" und "du kannst in Thailand nichts ändern", habe ich einen Rundgang am Anfang eines Tages durch unsere Straßen angeboten. Er sollte für jede frische Plastiktüte, für jeden weggeworfenen Becher oder jede Flasche, für jede Styropor-Schale und für jede Plastikverpackung auf den Straßen von Pimpaka 5 Baht bekommen. Suchen darf er aber nur auf den Straßen und deren unmittelbaren Rändern, nicht im Wald usw.. Und ausgenommen habe ich auch die Umgebung von zwei Thai-Häusern, deren Bewohner offensichtlich im Slum aufgewachsen sind. Dort habe auch ich nach drei Monaten resigniert. Lass sie leben wie immer.
Wenn der Nachbar beim Rundgang Müll für 100,- Baht findet, bekommt er von mir noch 1000,- Baht extra. Wenn er weniger als für 100,- Baht findet, bekomme ich nur 250,- Baht von ihm. Von meinem leicht verdienten Geld haben wir mittags lecker gegessen.

Was will ich damit sagen? Die Thai können sich ändern. Sie folgen guten Beispielen. Nicht alle, aber viele. Schau dir bitte die Fotos um die Mülltonnen herum an, die ich vor wenigen Monaten gemacht habe. Das siehst du heute nirgends. Die Straßen sind sauber, die Thai kehren zum Teil vor ihren Grundstücken und gegenüber selbst. Die Lehrer begrüßen mich herzlich und haben mich eingeladen, in der Schule etwas über Umwelt zu erzählen. Das finde ich toll, bin aber skeptisch, was Absichtserklärungen angeht, denn da muss man vorher auch den Schuldirektor überzeugen. One step by another.

Ich schreibe dir das, weil ich mit meinen 72 Jahren hier etwas Wichtiges gelernt habe: Geduld. Bei Diskussionen mit Farangs kannst du frei reden und auch wüst kritisieren. Bei Thai ist erst einmal Lächeln und Verständnis angesagt. Sonst macht man alles kaputt.
Die Lehrerin, die in der Parallelstraße von dir wohnt, hat sich für den Dreck entschuldigt, den die Kinder wegwerfen und den ich vor der Schule aufsammle. Ich habe ihr gesagt, dass das mein Hobby ist :-) und sie gefragt, wann und von wem die Kinder denn gelernt haben, nicht einfach alles fallen zu lassen. Jetzt hat sie mit den Kindern mehrfach in der Schule über Umwelt geredet. Also geht es doch. Und das in so kurzer Zeit.
(Nachtrag im Oktober 2013: Schon seit langer Zeit sprechen alle Lehrer mit den Kindern über die Folgen der Umweltverschmutzung und benutzen auch meinen großen, doppelseitig mit vielen Bildern bedruckten Info-Prospekt in thailändischer Sprache. Die Schüler säubern mit Eimern im Wechsel jede Woche die ganze Umgebung der Schule. Das ist ein Erfolg.)

Natürlich wäre es toll, wenn man mit den Kindern interaktiv arbeiten könnte, wenn sie im wahrsten Sinne "spielerisch" die Probleme sehen und Lösungen lernen würden. Und später müsste man die Politiker von der auch ökonomischen Wichtigkeit einer sauberen Stadt überzeugen. Investoren, Häuslebauer und Touristen werden in Zukunft andere Qualitäten suchen. Was heute noch hingenommen wird, ist schon bald nicht mehr möglich. So etwas nennt man Stadtmarketing und ich habe es in meiner früheren Tätigkeit als freier CD in der Werbung oft konzipiert und verkauft.
Das geht langsam, aber ich bin sicher, es geht. Wenn du mir nach so viel Thailand-Erfahrung Tips geben kannst, bin ich dankbar. Auch andere würde ich gern mit ins Boot nehmen.



Nachtrag am 2.Juni 2013
Gestern waren wir in Bangkok und trafen am Flughafen unseren Freund Paul Martini aus Hua Hin, der uns aus Deutschalnd ein Paket mitbrachte. Weiter oben habe ich gesagt, dass ich beim Müllsammeln immer professioneller werde. Aber jetzt stimmt das wirklich. Der mitgebrachte Müllgreifer ist hier ein einmaliges Gerät. Er kann absolut alles aufnehmen und es geht ganz schnell und ist vollkommen hygienisch. Zudem bücken sich alte Leute wie ich ungern. Ich bin Paul sehr dankbar. Das war der beste Einkauf seit langer Zeit! Die Bezugsquelle teile ich gerne mit. Aber besser wäre ein Direktimport der Thai-Regierung, ich würde mal sagen, etwa eine halbe Million Stück. Da bekommt man sicher enorme Rabatte.



Da liegt der unterschiedlichste Müll herum...

...der mit dem professionellen (Metallmechanik!) Greifer, den es in unterschiedlichen Längen gibt, schnell und hygienisch aufgenommen werden kann.

Zum Beispiel dicke Flaschen...
...richtig schwere Gegenstände...
...aber auch blitzschnell die tausendfach herum liegenden Kronkorken und Flaschenverschlüsse...
...sowie die ebenfalls tausenfach herum liegenden Plastikhalme...
...und sogar ganz dünne Gegenstände wie Papierstreifen.


Manfred grüßt die Firma "Reinigungsberatung" in D und den Freund Paul in TH dankbar und zufrieden am 2. Juni 2013

Mittwoch, 29. Mai 2013

Thailand Paradies? Besucherstimmen:


Es ist Mai im Isaan. Das bedeutet Hochsommer.
Aber dieser Mai ist anders.
Nur mittags flüchtet jeder irgendwie und irgendwo in den Schatten. Sehr oft ziehen aber am Nachmittag düstere Wolken heran und es folgt ein dröhnendes Gewitter mit „starkem Regen“, wie es der Wetterbericht täglich ankündigt, auch wenn kein Tropfen fällt. Das ist typisch Monsun, der aber kalendarisch erst viel später beginnt. Überall ist alles anders, in Deustchland ist Sommeranfang und in höheren Lagen ist „Ski und Rodeln gut“.

Am Morgen ist es bei uns angenehm kühl bei 25 Grad und wir genießen das Frühstück mit dem Blick auf die Berge, die nach und nach von den Sonennstrahlen hell gepinselt werden. Hier und da blinken die reflektierenden Fenster eines kleinen Bergtempels. Die Vögel sitzen auf den Dachrinnen und in den Bäumen und geben ihr Morgendkonzert. Die Hunde warten mit wild rotierenden Schwänzen auf das morgendliche Begrüßungsritual, bei dem jeder gegen jeden um Zärtlichkeiten kämpft. Der Leidtragende bin ich mit zertrampelten, nackten Füßen, zerkratzten Armen und beschmutztem T-Shirt. Nach dem Rasieren und der Dusche wird vor dem Frühstück kein Hund mehr berührt. Das wissen sie genau und lungern nur noch um den Tisch herum in Erwartung ihrer eigenen Mahlzeit.

Füttern und Spazierengehen mit den vier Hunden, Haus- und Gartenarbeit, Einkäufe, das Übliche. Danach Erkundigungen mit dem wunderbar ruhig laufenden, großen Auto. Das geht oft bis in den frühen Nachmittag. In Kühlboxen haben wir Proviant und Getränke mitgenommen, aber oft wird zwischendurch in kleinen Garküchen oder Imbissen mit sehr leckeren, frisch zubereiteten Thai-Gerichten der Hunger gestillt.


Heute besuchten wir am Ende eines sehr großen Stausees in unserer Nähe den Staudamm. Auf der anderen Seite sah ich nur eine Turbine. Dafür der ganze Aufwand?
Auf dem riesigen See gibt es kein einziges Boot. Niemand weiss, warum. Was für ein Paradies für Segler, Paddler, Kanuten und Ruderer könnte hier längst entstanden sein? Wie viele Restaurants und andere Dienstleister könnten für wie vielen Menschen Arbeit geben? Alles unverständlich.

Die Landschaft der Umgebung ist ein Traum. Lange schaut man in diese Urwald-Natur, dieses unendlich erscheinende Blättermeer, das mit seinen beruhigenden Grüntönen ganz still macht.


Zurück kommen wir in ein angenehm kühles Haus. Das Konzept unserer Planung unter Berücksichtigung der Himmelsrichtungen, eines permanenten Durchzugs und natürlich entsprechender Isolierungen sowie heller Dachziegel hat sich bestens bewährt.

Die wandernde Sonne verschwindet abends nicht mehr hinter den unterschiedlich hohen Bergrundungen, sondern versinkt hinter unserem großen Lieblingsbaum mit seinen inzwischen weit ausgebreiteten Armen, die weiter und weiter wachsen, als wenn sie allen Pflanzen, Blumen und Gemüsen in seiner Umgebung Schutz vor der brennenden Sommersonne spenden wollten.
Die Sonne verschwand eben rechts hinter dem großen Baum. Im Vordergrund der ganzjähring blühende Baum. (Ein Bild von Vormittag seht ihr hier....)

Mit einem eiskalten Glas Wein setze ich mich oben auf die Terrasse. Der Boden ist noch warm von der Sonne des Nachmittags. Ein leichter Wind, der angeblich mit den Hühnern schlafen geht aber noch ganz munter ist, verschafft hier eine angenehme Kühlung. Keine Vogelstimme, kein Hundegebell, kein Motorengeräusch. Nur der große Gecko knurrt zuerst ein wenig und ruft dann deutlich. Ich schalte unten die Terrassenlampen an und er verstummt sofort zufrieden. Jetzt schwirren die Insekten herbei und er hat Futter.

Luck kommt mit einem kalten, saftigen Fruchtsalat aus Papayas, Mangos, Wassermelonen, Ananas und Walnüssen nach oben und ist erfreut, leise Thaimusik aus dem Computer zu hören, die sie an ihre Massagezeiten in Düsseldorf erinnert. Sie lehnt sich über das Geländer und betrachtet den riesig gewordenen Baum, der uns ganzjährig hunderte hellblauer und weisser Blüten beschert.

Nein, so schön haben wir uns das nicht erträumt. Auch unsere Besucher sprechen zum Teil von „himmlisch“, von einem „Schloss“und von „paradiesisch“. Das ist natürlich alles übertrieben. Wo sind die Engel? Wo ist der Haushofmeister und wo sind die Kammerfrauen? Und letztlich vermisse ich die durch die Luft fliegenden Brathähnchen! Schlangen haben wir auch keine, erst recht keine verführerischen. Und von den Bäumen der Erkenntnis essen wir jeden Tag, ohne raus geschmissen zu werden.
(s. auch Beitrag: http://thailand-pimpaka.blogspot.com/2012/09/thailand-hausbau-ende-gut-alles-gut.html)


Wir sind bescheidener. Luck sagt immer. „Das ist wie dauernd Urlaub.“ Ob das stimmt? Ihr könnt es überprüfen und seid dazu herzlich eingeladen.
Wann ist die beste Reisezeit? Das ist schwer zu sagen. Jedes Jahr ist das Wetter anders. Jetzt wäre es z.B. wunderbar, aber ob es im folgenden Jahr einen solch angenehmen Mai gibt? Die meisten Besucher kommen von November bis Februar. Da sind die Temperaturen so, dass man abends oft einen Pullover braucht, tagsüber ist es nicht zu heiss und es regnet fast gar nicht. Aber das ist die Saison und nicht nur die Flugpreise sind teurer.  Doch was soll´s? Für das, was man hier in 4 Wochen ausgibt kann man woanders nur eine Woche Urlaub machen.

Im März wird es wärmer, von April bis Juni ist es normalerweise sehr heiß. Danach haben wir bis Oktober Monsun mit täglich erfrischendem bis überschwemmendem Regen. Da ist richtig was los, meine Lieblingszeit.

Nun wünschen wir einen schönen Sommeranfang, ganz ehrlich und ohne Ironie.

Luck, Mooy, Manfred sowie Peter, Patty, Tawan und Mark (alle ganz lieb.)

Dienstag, 7. Mai 2013

Thailand Umwelt: Der Müll Teil 2

Jeder lebt auf seine Weise.
Der eine laut und der andere leise.
Menschen sind so unterschiedlich
temperamentvoll und gemütlich,
überschäumend oder still.
Jeder so, wie er es will.

Der eine stinkt gern wie ein Stier,
der andere duscht sich täglich vier-
mal am Tag und putzt die Ecken.
Der andere liebt es zu verdrecken.
So helfe jedem, wie er´s mag.
Den anderen lasse ihren Tag.


Die Paläste in Pimpaka sehen natürlich ganz anders aus...

...als viele Häuser der Dorfbevölkerung

Aber auch wohlhabende Thai legen keinen Wert auf eine gestrichene Mauer. Nur die Autos sind immer sehr groß und sehr glänzend.

Wer seinen Müll so vor der Haustüre stapelt, benimmt sich natürlich auf den Straßen nicht anders, nämlich egoistisch und rücksichtslos.
Das ist kein Slum-Foto, sondern die Toilette eines gut besuchten Thai-Massage-Studios.
Die Warenpräsentation eines Geschäfts in Bangkok.

Der Durchgang zu den WCs eines Pakchong-Restaurants
Aber immer gibt es auch die andere Seite: Granit/Marmor-Shop in Bangkok
Wer gelernt hat, in solcher Umgebung tagtäglich zu leben, hat für die Forderung nach Sauberkeit kein Verständnis.
Alltag auf Bangkos "Bürgersteigen"
Pakchong-Rinder
Wie ich schon im ersten Beitrag über den Thai-Müll schrieb, wollte ich helfen, unsere kleine Siedlung etwas sauberer und damit schöner zu machen. Klar hatte das auch egoistische Gründe. Zwischen Müll fühlte ich mich nicht wohl. Also machte ich mich ab dem 20.3.2013 an die Arbeit.

Um die Mülltonnen herum war es an manchen Stellen ärgerlich: Die Tonnen waren kaputt, nur halb hoch und für die Ratten und streunenden Hunde ein leichtes Spiel. Außerdem zielten die Thai von den Pickups aus lieber auf die kaputten, niedrigen Tonnen, da traf man eher, aber meist daneben und ich hatte viel Arbeit.



Also zeigten wir bei der Stadtverwaltung Fotos und baten um Ersatz der kaputten Tonnen. Das sagte man zu.

Da wollte man in Pimpaka nicht zusehen, wie ein Einzelner etwas für Thai und Farangs tat, und gründete einen „Verschönerungsverein“, der sich natürlich auch um Müll kümmern sollte. Eingeladen zur Gründungsversammlung am 22.4.2013 wurden natürlich nur die Ausländer und nur Bewohner, die sich verstanden, wenigsten „Guten Tag“ zueinander sagten oder ohne ein Wort miteinander zu reden es in einem geschlossenen Raum zumindest miteinander aushielten. Das waren nicht viele. Protokolliert wurde:
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Am 22.04.2013 fand in den Räumen des FC Limponglee die Gründungsversammlung der Interessengemeinschaft Pimpaka statt.

Die Notwendigkeit der Bildung einer Interessengemeinschaft mit dem Ziel, die Wohn- und Lebensqualität in Pimpaka zu verbessern wurde von allen Teilnehmern bestätigt.
Die Mitglieder werden in erster Linie Farangs und deren Lebenspartner aus Pimpaka sein, Thailänder können ebenfalls Mitglieder werden.
Anwesenheitesliste: (Es folgen Namen. )

Es wurde ein Komitee, bestehend aus 3 Personen gewählt. Es wurden jeweils einstimmig gewählt..........(es folgen Namen)

Aufgaben des Komitees
- Erstellung und Vorlage einer Art Satzung (Zweck der Gemeinschaft, Aufgaben und Befugnisse des Komitees, Information der Mitglieder, Einberufung der Versammlungen, Stimmrecht, Wahlen, Beitrag, usw.),
- Absprache und Zusammenarbeit mit den Vertretern der Einheimischen (Khun Winai?, Khun Boo?, Limponglee?) und damit Kontaktstelle zur Tessaban und anderen Stellen, (dafür sind die Einheimischen nützlich)

- Erarbeitung oder Annahme von Vorschlägen (Müllproblem, Verschönerung, usw.) und Planung deren Umsetzung,
- Es kann nicht die Aufgabe des Komitees sein, diese Maßnahmen selbst durchzuführen, vielmehr sind alle Mitglieder aufgefordert, je nach Bereitschaft und Fähigkeit das Komitee bei der Durchführung zu unterstützen.
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Wie in Deutschland wird ein Verein gegründet, sich über Satzungen und Statuten und Beiträge unterhalten, und der Müll bleibt liegen. Da ist das Einzelkämpferdasein effektiver.


Wie ich schon vorher erfahren hatte, gab es auch von dieser Seite Kontakte zur Verwaltung. Auch diesen Bittstellern wurden neue Mülltonnen versprochen, neun an der Zahl (s. mein vorletzter Beitrag). Am  Samstag, dem 4.5. wurden tatsächlich 5 Tonnen geliefert.

Nachdem ich einen Monat mit Arbeit und Aufpflücken am Wegesrand - nein keinen Mohn und keine Kornblumen - von Weggeworfenem und Sammeln in über 30 große Säcke beschäftigt war, beobachtete ich zunehmende Sauberkeit. Ich brauchte täglich nur noch einen kleinen Eimer. Um die Mülltonnen herum war es sauber. Die ThailänderInnen, die mich beobachteten, grüßten herzlich und gaben mir durch Handzeichen zu verstehen, dass sie meine Aktivitäten gut fanden. Ich bekam T-Shirts geschenkt, die der Drucker selbst gestaltete. Das fand ich rührend.


Ich beobachtete Thai-Frauen, die mit Besen und Schaufel aus dem Haus kamen, wenn sie mich sahen. Vielleicht waren sie beschämt und wollten selbst sauber machen.

Nach dem Aufstellen der fünf neunen, gelben Tonnen reinigte ich am Sonntag alle Standorte und Straßen wie bei einem Hausputz. Am folgenden Tag verbot mir meine Frau, auf die Straße zu gehen. Ich sollte ein wenig Geburtstag feiern.

Aber heute war wieder Ausgang mir den Hunden und ein wenig Müllsammeln. Ich sah die nicht ausgetauschten, kaputten Mülltonnen und ahnte die kommenden Probleme. Ich sah auch erfreut, dass auf vielen Straßen gar nichts mehr zu tun war.
Leider sah das an manchen anderen Stellen ganz anders aus.

Diesen Rastplatz hatte ich schon im vorigen Müll-Beitrag beschrieben. Ich hatte den ganzen Platz gesäubert. Drei Meter weiter steht eine Tonne. Was soll man dazu sagen? Und die wohlhabenden Bewohner von gegenüber interessiert das überhaupt anscheinand überhaupt nicht?
Auch diesen Platz hatte ich nach dem Aufstellen der neuen, gelben Tonne bis auf jede Kleinigkeit gesäubert. Ich respektiere die ästhetischen Bedürfnisse der Thai und säubere hier nicht mehr.
Nun nehme ich einfach an, dass  die Aussage des kleinen Gedichts oben stimmt und ich lasse die Thai, die die vermüllte Umgebung anscheinend zum Glück brauchen, in ihrem und mit ihrem Dreck leben. Um diese Stellen machen ich in Zukunft einen Bogen. Möge sich dort der „Verschönerungsverein“ betätigen, das heisst, jemanden zur Reinigung engagieren und von den Mitglieder-Beiträgen bezahlen. Denn dass eines der Mitglieder selbst Hand anlegt, bezweifele ich wirklich. Jede Wette!

Was die kaputten und leider noch nicht ausgetauschten Mülltonnen angeht, so wollte ich einfach nicht mehr so viel Arbeit an diesen Stellen haben. Wir fuhren wieder zur Verwaltung, zeigten noch einmal die Fotos und am Nachmittag wurden zwei Tonnen ausgetauscht. Die anderen sollen in den nächsten Tagen folgen.

Die Behörde kam sofort und tauschte aus.

Man wird sehen, wie es weiter geht. Ich denke, dass sich nach einiger Zeit selbst die Thailänder, bei denen die Verschmutzung der Umwelt zur Sozialisation gehörte,  über mehr Sauberkeit freuen werden. Für die Interessengemeinschaft gäbe es dann immer noch genug zu tun. Zum Beispiel die Beleuchtung der Straßen und der Beschnitt des Urwaldes, der manche Wege unpassierbar macht. Ganz wichtig für die Gesundheit ALLER wäre eine Aufklärung darüber, wie gefährlich das dauernde Verbrennen an Straßen und Plätzen von Laub INCLUSIVE aller Plastikteile ist!!!





Manfred Spies, 7.5.2013


Montag, 6. Mai 2013

Thailand: SCHADENSERSATZ!

Der Ausländer macht sich heute Morgen auf den Weg zur Stadtverwaltung, weil er ein Formular braucht.
Ein Thailänder fährt zur Elektrizitätsgesellschaft, um die monatliche Rechnung zu bezahlen.
Ich will bei der Bank etwas Geld abholen. Wir alle stehen vor verschlossenen Türen. Warum, wieso? Es ist Montag!

Luck erklärt mir, es ist Feiertag. Was wird denn gefeiert? Der gesetzliche Feiertag der Krönung des Königs ist jährlich am 5. Mai. Das war gestern.

"Richtig" sagt Luck, "aber gestern war Sonntag."
"Richtig" sage ich, "aber heute ist der 6. Mai, heute wird weder an den König noch an etwas anderes gedacht. Heute sollte alles offen sein. Oder bin ich blöd?"

"Du bist nicht blöd, aber du bist in Thailand. Wenn ein Feiertag auf einen Sonntag fällt, an dem sowieso nicht gearbeitet wird, wird der Feiertag verschoben. Sonst haben die Menschen doch weniger freie Zeit!"

Ich bin platt. Luck holt das Lexikon und übersetzt mir die Begründung ins Deutsche: SCHADENSERSATZ! Da liege ich auf dem Boden vor Lachen.

Welch eine wundervolle Gesetzgebung, immer in Sorge um die Bürger, die bei so enorm vielen gestzlichen und buddhistischen Feiertagen im Jahr auf einen die Gesundheit gefährtdenden Entzug kämen, näme man ihnen einen Tag Freizeit weg, weil ein Feiertag auf einen Sonntag fällt!
Die ökonomischen Folgen für das Bruttosozialprodukt bleiben unbeachtet.

Manfred Spies am 6.Mai 2013