Samstag, 31. März 2012

THAILAND-NEWs (Apri-Hoaxes)

MBS-Marathon in Bangkok
Zum alljährlich am ersten Sonntag im April stattfindenden Marathon für Motor-Bikes und Scooters luden auch dieses Jahr die Clubs nach Bangkok ein. Die Route führt durch die Innenstadt von Bangkok. Absperrungen gibt es nicht. Wer sich am geschicktesten und schnellsten durch das Verkehrsgewühl schlängelt, hat die besten Chancen. Gestartet werden in zeitlichen Abständen Gruppen von je 50 Fahrerinnen und Fahrern.

Rechtsverkehr jetzt auch in Thailand
Das Parlament in Bangkok verabschiedete ein sensationelles Gesetz des neuen Verkehrsministers: Ab sofort gilt in Thailand Rechtsverkehr.
Die Politik passt sich damit der allgemeinen Praxis an: da sich die Thailänder sowieso nicht an den vorgeschriebenen Linksverkehr hielten und damit viele Unfälle mit Toten verursachten, wolle die Regierung mit dieser Entscheidung die Unfallzahlen senken.
http://www.asien-news.de/schlagwoerter/geisterfahrer

Alle europäischen Länder begrüßten diesen Schritt der thailändischen Regierung, da bisher fast alle Geisterfahrer auf europäischen Straßen aus Thailand kamen.
http://www.korat-info.com/forum/viewtopic.php?f=483&t=4834

Kerzen aus Thailand - besser nicht!
Wegen der häufigen Stromausfälle decken sich die in Thailand lebenden Ausländer mit erheblichen Mengen von Kerzen ein. Dabei ist allerdings darauf zu achten, dass die Kerzen nicht aus thailändischer Produktion stammen, sondern importiert sind. Die Thai-Kerzen haben die Eigenschaft, sich nach dem abendlichen Anzünden über Nacht höflich zu verbeugen, wie es in Thailand üblich ist. Deutsche Kerzen indes bleiben steif stehen.


Immigration Office in Korat (Nakhon Ratchasima)
Der Architekt des Immigration Office in Korat hatte eine sehr praktische Idee: Da die Thai-Behörden es den meist in binationaler Ehe zusammen lebenden Antragstellern mit einer gigantischen Bürokratie sehr schwer machen, sind oft ein Dutzend Besuche mit langer Anreise nötig, um die entsprechenden Papiere zu bekommen.
Stempelsammlung im Immigration Office, Nakhon Ratchasima, Thailand
Manche der Verzweifelten erleiden Herzinfarkte oder begehen Selbstmord.
Um diese Fälle gleich an Ort und Stelle zu entsorgen, baute der Architekt auch ein kleines Krematorium mit entsprechendem Verbrennungsturm direkt an das Bürogebäude.
Immigration Office in Korat mit Verbrennungsturm

Eine Hamburger-Variante der Thai-Art
Dass die Thailänder auch Insekten und anderes Getier verspeisen, vor denen sich der Normalo nur ekelt, ist bekannt. Nun erfanden kreative Thai-Köche eine sehr spezielle Burger-Variante:
SNAKE-BURGER MIT PASTAFÜLLUNG

Zwischen die knackig gerösteten Schlangenkringel werden gebratene Nudeln sorgfältig geschichtet.

Taksin singt deutsches Volkslied
Der gestürzte und ins Ausland geflohene, ehemalige thailändische Ministerpräsident Thaksin Shinawatra besuchte im März 2012 Deutschland. Auf dem roten Kanal des Thai-Fernsehens begrüßte er seine Landsleute aus einem Studio in München und beklagte, dass sein ganzes Vermögen in Thailand geblieben sei und er hoffe, diesen "Schatz" irgendwann zurück zu bekommen.

Taksin sagte: "Die Deutschen haben mir Mut gemacht und mir ein schönes Lied beigebracht, dass mich in meiner Hoffnung bestärkt." Dann sang Taksin und alle waren gerührt.



Mit freundlichen Grüßen aus der Nachrichten-Redaktion in Pakchong / Pimpaka, Provinz Korat
Manfred Spies, 1.April, 2012



Donnerstag, 29. März 2012

Thailand: Dreck (air pollution)

Manchmal verstehe ich die Thailänder gar nicht: Nun haben sie es schon mit ihrem Profitstreben und dem gierigen Konsumverhalten - was ihre buddhistische Frömmigkeit mit all ihren merkwürdigen Aktivitäten geradezu lächerlich und verlogen erscheinen lässt - zu einer gigantischen Umweltverschmutzung besonders der Luft gebracht, und sie rauchen immer noch wie die Bekloppten. Dabei inhalieren sie einen Großteil der im Zigarrettenrauch enthaltenen Gifte beim einfachen Einatmen. Inclusive der über 50 Krebs erzeugenden Stoffe. Auch Plutonium und Formaldehyd.

Was wir einatmen, kann ich beim wöchentlichen Putzen des Hauses sehen. Einen solchen Dreck habe ich noch in keinem Land, das ich je bereist habe, erlebt. Die beiden Fotos zeigen die Ergebnisse von EINER WOCHE Air Pollution in Pakchong, Provinz Nakhon Ratchasima, Thailand.


Die Ursachen sind vielfältig und werden demnächst in einem Beitrag beschrieben. Was mich heute zu einem kurzen "Aufschrei" veranlasst, sind die seit Tagen andauernden Brände von Abfällen, Farmresten und Waldgebieten in unserer Nachbarschaft.
(s. auch Wikipedia  http://en.wikipedia.org/wiki/Environmental_issues_in_Thailand).

Nun schlecht. Morgen und übermorgen wird sich wieder eine schwarze Dreckschicht dem Putzmann Manfred präsentieren, nachdem es mittags an unserer Gartengrenze brannte, abends ein gemütliches Feuer mit schwarzer Wolke auf einem Feld im Süden loderte und gegenüber am Berg ein ganzes Waldstück brannte. Die Ursachen sind nicht Unachtsamkeit oder Leichtsinn, sondern Profitgier.
Foto-Nachtrag: Heute Morgen ging das Abfackeln der Büsche, Bäume und Felder dann munter weiter und mittags wischte man sich den schwarzen Schweiss von der Stirn.

In Thailand betrachtet niemand es als rücksichtslos, falsch oder gar ungesetzlich, Ablälle einfach auf dem eigenen Grundstück oder am Straßenrand zu verbrennen. Das ist nicht nur "auf dem Land" üblich, sondern auch mitten in der Hauptstadt.
(siehe auch http://www.thaitoday.de/2008/07/19/video-thailand-und-der-muell/)
Schülerinnen in Pakchong

Parkplatz mitten in Bangkok

Auch meine Schwägerin findet es völlig in Ordnung, Laub auf der Straße zu verbrennen. (Nachtrag: Das macht sie heute, im Jahr 2013, schon lange nicht mehr)

Wenn ich dann noch die Abgase der Busse, LKW, Pickups und Mopeds berücksichtige, die in Deutschland ALLE mit sofortigem Fahrverbot belegt würden, wenn ich die Millionen qualmender und stinkender Grillstände dazu addiere, frage ich mich manchmal, ob ich nach Thailand gekommen bin, um hier als Nichtraucher an Lungenkrebs zu sterben.





Hustende Grüße von Manfred Spies
Donnerstag, 29.03.2012

Montag, 19. März 2012

Thailand / Pakchong - ein guter Tag

Nach diversen Einkäufen bei BM-Food, Tesco und MAKRO war unser Frühstück heute reichhaltig, man könnte fast sagen fürstlich:
Toast- und Graubrot (gestern selbst gebacken), Ei, drei Sorten der selbst gemachten Marmeladen, selbst gemachter Quark (Lieblingsspeise für die Thai-Familie zusammen mit Marmelade), Pfeffersalami, Mortadella, Chili-Bologna, Geflügel-Leberwurst, Obstsalat mit den Früchten aus dem Bio-Garten und Schlagsahne, Cheddar, Philadelphia, Blauschimmel-Käse, Bohnenkaffee für alle und für mich ein Glas Prosecco.

Entsprechend gestärkt waren die Montage der Glastüren an den Billy-Regalen und das Anbringen der großen Innenjalousien im Wohnraum erfolgreich.
Mit dem neunen Makita-Rasenmäher - den Winzling nahm das Geschäft nach einmaligem Gebrauch zurück - ging das Arbeiten im Garten bis zum Regen gut voran. Dann kam ein Gewitter und Luck war vom Bewässern des Grundstücks entlastet.
Freundliche, liebevolle und erheiternde Post aus Deutschland. Ein sehr lieber, herzlicher und dankbarer Anruf eines Nachbarn. Und ein anderer, befreundeter Nachbar ist gottlob aus dem Krankenhaus entlassen und wohnt wieder hier.

Die Funklautsprecher, die wir als Zuladung von Herrn Schlüter in seinem Container erhielten, beschallen jetzt Haus und Garten mit derselben Musik und bleiben auch im Regen stehen, wo sie sind.

http://www.amazon.de/Funk-Boxen-Stereo-Outdoor-SSV-ANGEBOT-Funklautsprecher/dp/B004RNR87E/ref=pd_sxp_grid_i_0_2

Als nachmittags das Gewitter kam, habe ich weitere Brote gebacken. Eins mit geraspeltem Kürbis, Kartoffeln und Äpfeln, eins mit Kräutern der Provence und gehackten, getrockneten Tomaten und ein Müsli-Brot. Alle sind hervorragend geworden und mein Abendessen besteht aus einer Brotmahlzeit mit eiskaltem Bier.

Insgesamt ein guter Tag und dazu noch ein Bilderbuch-Sonnenuntergang auf unserer Terrasse mit Blick über die Farmen.
Euch allen eine gute Zeit und schöne, gesunde Tage wünschen Luck und Manfred.
Montag, 19.3.2012

Dienstag, 13. März 2012

Thailand: Sturm über Pakchong

Das Malaysia-Gras ist wunderbar dicht, sehr stabil und wenn es höher gewachsen ist wie ein weiches Bett. Unsere riesigen Rasenflächen waren wie ein Himmelbett, seit fast zwei Monaten nicht geschnitten. Da es seit langer Zeit nicht geregnet hatte, und wir viel Zeit und Geld für das tägliche Bewässern aufwenden mussten, sehnten wir uns nach Regen.
In unserer 7-Tage-Wettervorhersage wurden am 4.3.2012 "starker Regen" und Abkühlung für den 10.3. angekündigt. Da blieb noch etwas Zeit, um bei Trockenheit endlich das Gras zu stutzen.
Hohes Gras, oben grün und unten braun - da mußte etwas geschehen

Luck auf einem Teil der Rasenflächen mit dem Liliput-Rasenmäher
Was wir nicht bedacht hatten, war die Größe unserer Rasenfläche ( etwa 1200qm) und die Kapazität unseres Liliput-Rasenmähers, den wir kurz vorher gekauft hatten. Mit einer Schnittbreite von 30cm und einer Korbgröße von 30 Litern war der Grasschnitt nicht zu bewältigen.
Mit einem geliehenen Rasenmäher und mit der stundenweisen Unterstützung eines Gärtners und seiner eigenen Maschine wurde es erträglich. Es waren aber immerhin drei Tage Arbeit und wir wurden vor dem angekündigten Regen fertig.

Samstag Mittag fielen tatsächlich die ersten Tropfen. Luck war begeistert: Die zeitraubende Bewässerung des Gartens konnte je nach Niederschlagsmenge ein oder zwei Tage ausfallen! Der Regen wurde monsunmäßig und die benachbarte Farm stand unter Wasser und war kaum noch zu sehen.
Der Himmel wurde dunkler und das Wasser vom Himmel kam aus Gewitterwolken, die den Himmel am Nachmittag gespenstig verfinsterten.

Natürlich fällt in solchen Situationen bei uns der Strom aus.
Das ist aber nicht schlimm, denn wir haben Unmengen von Teelichtern und Kerzen aus Deutschland mitgebracht, weil die Qualität in Thailand ärgerlich ist: sie gehen sehr schnell wieder aus.
Unangenehm ist der Stromausfall dann, wenn man am Computer komplizierte Dateien nicht gesichert hat. Die sind weg, es sei denn man hat einen Mac mit seinen Spezialprogrammen.

Dann brach urplötzlich die Hölle los mit Orkanböen, die Türen im Haus knallen ließen (Luck hatte den Wind nur von einer Seite vermutet und einige Fenster offen gelassen, was später zu einer stundenlangen Putzaktion in verschiedenen Raumen führte), und knackend-krachende Geräusche außerhalb des Hauses verursachten. Ein lautes Scheppern ließ mich in die obere Etage eilen. Auf der Terrasse waren Blumenkübel umgestürztz und zerbrochen, der Sturm hatte eine zusammengeklappte Gartenliege gegen die Glas-Schiebetür getrümmert und das Tablett des weißen Ikea-Tischchens floh vor der Wut des Orkans durch die Geländerstäbe und segelte wirbelnd in den Garten. Auf der Terrasse stand das Wasser hoch und stömte ins Badezimmer: Luck hatte einen Blumenkübel auf den Abfluss gestellt und der andere Abfluß war vom Laub verschlossen. Ich stürmte nach draußen in das herabstürzende Wasser, hielt mich wegen der möglichen "Verwehungen" am Geländer fest und beseitigte die Verstopfungen. Zack zack strudelte das Wasser in unser Sammelbecken unter dem Haus und die Gefahr der Überschwemmung auch anderer Räume der 2. Etage war gebannt.

Das Abendessen war laut (wegen des Sturms) und romantisch (wegen des Fehlens von Licht-Technik). Zum Kochen mit Gas habe ich allerdings meine Hallogen-Lampe auf den Kopf geschnallt, um den Garprozess in der Pfanne besser kontrollieren zu können.

Laut schreiend teilte Luck mir gegen 19.00 Uhr mit - sie hat auch nachts Augen wie eine Katze - dass ein Baum vor unserem Haus auf die Straße gestürzt sei und alle Leitungen abgerissen habe. Das bedeutete: wahrscheinlich bis Montag-Nachmittag keinen Strom, - Tiefkühlung kann man vergessen und das Speiseeis muss sofort aufgelutscht werden - kein Telefon, kein Internet.

Das bereits weiche Nestle-Eis wurde mit entsprechenden Spirituosen in Gläser gefüllt und von mir als Nachtisch genossen. Ich bin früh eingeschlafen und habe auch nicht bemerkt, als gegen 23.00 Uhr die Bauarbeiter der Pakchong-Behörde begannen, die abgerissenen Elektro-Leitungen zu reparieren. Man muss dazu sagen, dass von diesem Schaden nur drei Häuser betroffen waren, also keine Relevanz bestand.
In den ersten Minuten des Sonntags flammten bei uns die Lichter auf und die analogen Telefone machten "Piep". Großartig! Ein riesiges Lob den Pakchong-Verwaltungen /- Institutionen / - Firmen, die so etwas ermöglicht haben.

Am folgenden Morgen trieb es mich natürlich früh aus dem Bett. Ich wollte sehen, was passiert war.
Den Blick in unseren Garten - ich zeige nur wenige Fotos - kommentiere ich nicht. Wir waren sehr traurig, so viele Bäume und Pflanzen von der Faust der Orkanböen abgebrochen, weggerissen, zertrümmert zu sehen.



Auf verschiedenen Pimpaka-Straßen lagen umgestürzte Bäume, die Anwohner konnten weder mit Mopeds noch mit Autos rausfahren.

Aber all das ist überhaupt nicht zu vergleichen mit dem, was Hunderttausende armer und reicher Thailänder im letzten Herbst bei den Überschwemmungen erlebten und verloren haben.
Wie bei der Nichte meiner Frau in bester BKK-Wohngegend:  Wasser bis zur zweiten Etage, Elektrogeräte in Küche und Wohnraum, PC und das gesamte Arbeitsmaterial, die gesamte Kleidung und das Schlafzimmer und natürlich der traumhaft angelegte Garten - alles kaputt und weg. Da muss man viel Kraft haben, um neu anfangen zu wollen.

Nun müssen auch wir mit dem Aufräumen und Entsorgen beginnen und vor allem - weil für den 15.3.2012 wieder "starker Regen" angesagt ist - die noch lebenden Bäumchen und Pflanzen aufrichten und befestigen. Das Anspitzen der von mir zurecht gesägten 54 Hölzer kann Luck besser und schneller als ich. Mit der schweren Machete bekam ich sofort dicke Blasen an den Händen. Ich kloppe die Dinger lieber in den inzwischen wieder harten Boden und befestige die Pflanzen, das ist genug für mich.



Übrigens: Es gibt auch ganz andere Samstag-Nachmittage von unserer Terrasse aus gesehen:

Bis bald mit ganz herzlichen Grüßen am Dienstag-Abend,
13. März 2012
von Luck und Manfred


   
 

Samstag, 18. Februar 2012

Thailand-Pimpaka-Blog: Anonyme Kommentare

Bisher habe ich noch nie einen Kommentar zu einem Beitrag gesehen und deshalb achte ich auch nicht darauf. Nun wies mich eine Freundin darauf hin, dass „die Kommentare immer lächerlicher werden.“ Da habe ich mal reingeguckt und 10 Kommenare zum Beitrag vom 26. Januar 2912 gefunden. Allein acht waren von ein und derselben Person, die sich als „Pimpaka-Aufklärer“ bezeichnet. Dabei ging es meist gar nicht um den in meinem Beitrag beschriebenen, stolpernden Notar, sondern um den Bau unseres Hauses. Das ist doch längst Schnee von gestern!
Da der „Aufklärer“ feige anonym schrieb, wurden alle Kommentare gelöscht. Das mache ich grundsätzlich so, auch mit positiven, lobenden Aussagen von anonymer Seite.

Der einzige, namentlich gekennzeichnete Kommentar kam am 15.2.2012 von Sandra Meier. Er enthält Informationen. Wenn ich aber nicht bald hinter dem Namen ein Profil entdecken kann, wird auch dieser Beitrag gelöscht.


Manfred Spies, 19.02.2012

Samstag, 11. Februar 2012

Krieg in Thailand? Plötzliche Ruhe. Was ist passiert?

Heute Nacht konnte man bei offenem Fenster schlafen! Ich brauchte kein Ohropax! Aus keiner Himmelsrichtung wurden wir beschallt, zum ersten Mal seit dem 26.12.2011!!!
Was ist los? Ist der König gestorben? Gibt es Krieg in Thailand? Warum die plötzliche Stille??? Das Wetter heute Morgen erinnerte mich an den Volkstrauertag oder Allerheiligen im November in Deutschland. Aber Luck sagte, solche Feste der Ruhe gibt es nicht in Thailand.

Bei dem heutigen Nebel konnten wir nicht einmal die Gartengrenzen sehen, aber es war ganz still und kein Volkstrauertag.
Wir haben drei Kerzlein auf den Frühstückstisch gestellt, um die bosen Geister zu besänftigen und die guten Geister zu erfreuen und natürlich auch, um es in der Dämmerung gemütlicher zu haben. Mal sehen, ob die himmlische Ruhe abends wieder in höllischen Lärm wechselt.

Ich habe in den letzten Jahren immer wieder die Techniken der akustischen Kontaminierung in Thailand fotografiert. Es wird Zeit, das mal in einem Blog-Beitrag darzustellen.
Unsere Nachbarn  - besonders jene, die mit der Nagelschere ihre Rasensäume schneiden - sammeln Unterschriften, damit die Schlaglöchern in den Straßen beseitigt und die Stoßdämpfer ihrer Autos geschont werden. Meinem Fahrrad und mir ist so etwas egal. Ich würde gern Unterschriften sammeln gegen den rücksichtslosen, gesundheitsschädlichen Lärm, gegen die Verpestung der Luft und gegen die Vermüllung des ganzen Landes. Aber da die Gehirne auch reichlich vermüllt sind, käme man mit Unterschriftenlisten nicht weiter.

Manfred Spies am Abend des 11.2.2012

Nachtrag: Als ich meiner Frau diesen Blog-Beitrag erklärte, erinnerte sie mich an den thailändischen Kunststudenten Pranai, den wir im Zusammenhang mit unserem Kulturaustausch nach Deutschland eingeladen hatten. Wir besuchten die dokumenta, viele Museen und Galerien in unterschiedlichen Städten, radelten durch Parks und speisten in Restaurants und Kneipen. Nach drei Wochen fragte Luck ihn, ob er sich wohl gefühlt habe und sich vorstellen könnte, in Düsseldorf, zu leben. Seine Antwort war "Nein, das ist ganz schön hier, aber wie im Friedhof, zu still." Das ist einer der Gründe für den wechselseitigen, bilateralen Kulturschock.

Manfred Spies am Abend des 11.2.2012

Donnerstag, 9. Februar 2012

Thailand-Party

Eine Gartenparty in Thailand

Wenn man in europäischen Breiten bei mildem Wetter - was es ja geben soll - zu einer Party im Freien einläd, gibt es leckeres Essen und zum Trinken meist Kaltes mit mehr oder weniger Prozenten. Es wird Musik gehört und fast immer dazu getanzt. Außerdem wandert man herum, sitzt mal bei dem Freund oder der Freundin, die man schon lange nicht mehr gesehen hat, geht der Exfrau aus dem Weg und ruft lange nach Mitternacht ein Taxi.
In Thailand ist Manches ähnlich aber Vieles ganz anders.

Auf einer meiner letzten Gartenpartys in Düsseldorf waren auch ein paar Promis. Die Bürgermeisterin von Düsseldorf, Gudrun Hock, war unsere Trauzeugin und Ross Feltus, der bekannte Fotograf und Vater der Exfrau von Boris Becker war mein Freund. Und Bodygards brachte keiner mit.


In Thailand läd man VIPs ein, damit man damit angeben kann. In Thailand läd man sowieso ein - am besten wahnsinnig viele Personen - weil das Image damit aufpoliert wird. Mir kann doch keiner erzählen, dass die über 500 Personen auf der Hochzeit in unserer Nachbarschaft alle enge Verwandte und Freunde des Paares waren. Das war bei unserer Thai-Hochzeit ja ähnlich. Nachdem ich fast im Streit die Gästezahl von 250 auf „nur“ 100 reduziert hatte, waren dabei mindestens 50 Personen, die ich nie im Leben noch einmal sehen werde. Das ist Thai.
Hochzeit in der Nachbarschaft mit der typischen Neonbeleuchtung, großer Bühne und vielen Gästen.
Meine Familie wollte zur Fertigstellung des Hauses einladen. Sie baten 40 Personen zur Party und ich lud noch 10 deutsch sprechende Gäste dazu ein. Gekommen sind 72 Personen, die auf der Straße flanierenden Bodygards der VIPs nicht mitgerechnet. Ich war verblüfft. Nur 72 Personen? Normalerweise bringen die Thai jede Menge nicht eingeladene Gäste zusätzlich mit. Das war ja ne richtig popelige Fete!

Aber vorher kamen am Morgen neun Mönche, um das Haus vor bösen Geistern zu schützen und uns Glück, Wohlstand und Gesundheit zu bringen. Nachdem sie ordentlich bezahlt worden waren, tafelten die Mönche an einem sehr reichhaltig gedeckten Tisch, und zwar nur sie. Bedient wurden sie andächtig, geradezu devot in gebückter Haltung ausschließlich von der männlichen Verwandtschaft.

Frauen dürfen Mönche nicht berühren und halten sich in Entfernung auf
Was die Mönche nicht aufgegessen hatten, wurde anschließend von den gläubigen Laien verpinselt.
Das Essen der Party kam von einem Restaurant, das auch die 10-Personen-Tische und Stühle lieferten. Da in Thailand alles auf Show ausgerichtet ist, mussten die Tische und Stühle weiß bezogen und mit goldenen Bändern drapiert aufgestellt werden. Für uns Ausländer stellte ich bewußt die aus Düsseldorf mitgebrachten Biergartenmöbel ohne Tischdecken und anderem Firlefanz auf. Meine weitere Aufgabe bestand in der Organisation und der Bereitsstellung von Technik.
Die Thai-Tische könnte man auf die 16 Meter lange Terrasse stellen. Da war genug Licht, die Restaurantküche war nebenan positioniert und der Weg zu den Toiletten war nicht weit. Wir Farangs sollten im Gartenhaus sitzen.

Am Tag vor dem Fest fragte ich so nebenbei nach der Art und Größe der Tische. Die Antwort per Telefon warf alle Planungen um. Unsere Terrasse hat eine Breite von 3 Metern, die Tische sind rund und benötigen incl. Stühlen mehr als 3,50 m Durchmesser.
Kein Problem, sagte meine Verwandschaft. Dann kommen die Tische auf den Rasen. Leider war für den Abend der Party Regen angesagt. Ich beruhigte die Gemüter: In den letzten Monaten war so oft „starker Regen“ für Pakchong angesagt. Aber geregnet hat es immer woanders.

Leider gab es aber ein wichtigeres Problem: Sollen die Leute in der Finsternis des weiten Gartens ihr Essen löffeln und ihr Bier schlürfen? Es gibt außer im Gartenhaus und am Baumplatz keine Beleuchtung. „Das macht das Restaurant, die haben sicher Spots,“war die Antwort meiner Frau.
Normalerweise sollte man die perfekt unorganisierten Thai vor die Wand rennen lassen, damit sie lernen und es danach besser machen. Konfliktstrategie innerhalb eines Change Managements nennt man das bei BWLern. Aber ich wollte ja nicht, dass das NÄCHSTE Fest gut wird, sondern die Party JETZT perfekt klappt. Also beauftragte ich Luck, bei dem Restaurant nach der Beleuchtung zu fragen. Die Antwort kam am Vormittag der Party: Keine Beleuchtung. Ja Freunde, so ist das im Land des Lächelns, da vergeht einem das Lachen!!!

In meiner Werkstatt fand ich vier 3m-lange Regalschienen, die ich aus Deutschland mitgebracht hatte. Dazu entsprechende Träger zum Einklinken in beliebiger Höhe. Drei der Schienen rammte ich in die Erde, verlängerte sie mit der letzten Schiene auf 4,50 Meter Höhe, bohrte Löcher in die Stahlträger, klinkte sie entsprechend hoch ein und befestigte an ihnen zwei Halogenstahler und zwei Spots. Verlängerungskabel führten zu den Steckern. Die Lichtquellen ließen sich beliebig auf die Tische ausrichten, so konnte man die Teile des 9-Gänge-Menus auf den Tellern finden. Eine Problemlösung innerhalb von drei Stunden. Buddha sei Dank.

Um ein wenig dezente Partymusik zu haben, wollte ich einen im Lager befindlichen Teil meiner Bose-Boxen auf die obere Terrasse stellen und fünf ausgewählte CDs am Abend abspielen (Cocker, Sting, Hooker, Cohen, Reed, Springsteen und etwas Pavarotti und World-Musik). Meine Verwandtschaft sagte, das sei nicht nötig. Es kommt ein Freund des Hauses mit einer Anlage mit CD-Player und einem Mikrophon, denn wir sollen ja auch ein paar Worte zu den Gästen sagen. Na prima.

Der Freund des Hauses war ein Disc-Jokey, der mit seiner Truppe und enormer Technik anrückte. Sie bauten im Garten sieben (!) mannshohe Lautsprecher auf und auf dem Baumplatz wurde die ganze Technik nebst perfektem Karaoke-Internet-Zugang installiert. Dem  DJ gab ich meine CDs und erklärte, dies sei ein ungewohnliches Thai-Fest, ohne laute Musik und nur internationale Rock-, Pop- und Folkmusik. Sie sollten sich entspannt an die Tische setzen und mit uns essen und trinken. Sie lächelten, spielten einige der CD-Stücke und zogen dann in der Lautstärke eines Rockkonzertes ihr volles Programm durch. Es gab etliche Gäste, die sich später fluchtartig auf den Baumplatz HINTER die Boxen flüchteten. 

Ein Boxenpaar neben einem Gast, der kein Liliputaner ist.
Hieraus erkennt man Zweierlei:
1. Empathie ist in Thailand ein völlig unbekannter Begriff. (Deine Bedürfnisse interessieren mich nicht!)
2. Lautstärke ist alles, verzerrte Töne werden nicht wahrgenommen, Quantität ist Qualität. Das ist Thai.

Unser Nachbar Manfred Sommerkamp erklärte mir, dass er bei manchen Festen, die in 1km Entfernung stattfinden, glaubt, die Band spielt hinter seiner Gartenmauer.
Als ich am nächsten Tag meine Hunde zum Spaziergang rief, reagierte keiner. Die waren total kaputt und hatten offensichtlich einen Hörschaden.

Nachdem bei Patybeginn um 18 Uhr die Tonwerker meine Lichtanlage gesehen und bestaunt hatten, trauten sie sich nicht, mich zu fragen, ob ich noch weitere Spots hätte. Die Profis hatten die Beleuchtiung der eigenen Karaoke-Bühne zu Hause vergessen. Das ist Thai. (Die Karaoke-Fotos wurden alle mit Blitz gemacht.)

Im Laufe des Abends sang so ziehmlich alles, was an VIPs und Normalos anwesend war. Dabei war kaum zu unterscheiden, ob garade eine Frau oder ein Mann sang. Die meisten männlichen Singenden in Thailand haben Stimmchen, als wenn sie als ehemalige Mitglieder der Wiener Sängerknaben frühzeitig kastriert worden wären. Stimmen, die man als Mezzosopran, Bariton oder Alt einstufen könnte - von Bass ganz zu schweigen - habe ich auch im Radio noch nie gehört.
Aber versöhnlich fand ich, dass angefangen vom Politiker über Juristen, Polizisten, General bis zum Lehrer und Eisverkäufer alle sehr schön und vor allem richtig sangen. Ausnahmen gab es auch, aber ich fand die Karaoke-Darbietungen erstaunlich gut. Der Bruder von Luck, ein in Udon Thani stadtbekannter Intellektueller, jodelte sogar! Der prominenteste Politiker war auch gleichzeitig der beste Sänger und Moderator. Er animierte die Gäste, machte Witze und brach ein Tabu, indem er unter dem Jubel der Gemeinde Luck und mich auf die Bühne zu einem Küsschen bat. Öffentliches Küssen ist in Thailand immer noch tabu.

Der Biervorrat von 60 Flaschen war nach zwei Stunden weggetrunken. Die Promis spendierten bis 23 Uhr immer wieder Nachschub, aber Betrunkene habe ich keinen Einzigen gesehen.

Was war anders, als ich es gewohnt bin? Lockere, dem Klima entsprechende Kleidung bevorzugen die Ausländer. ThailänderInnen machen sich fein. Auf Thai-Feten wird nie von den Gästen das Tanzbein geschwungen. Aber gesungen wird hier immer, in Deutschland nur im Karneval oder auf dem Oktoberfest, dann aber gegröhlt. Partys, deren Musik man mindestens drei Kilometer weit hört, sind gelungen. Man sitzt wie festgeklebt an seinem festlich hergerichteten Tisch, flanieren und wild die Plätze wechseln, um mir anderen zu quatschen, gibt es nicht.

Es war anders, aber schön. Die Einträge im Gästebuch zeigen, dass alle Gäste es ähnlich empfanden.



Luck und Manfred, 10.2.2012