Freitag, 3. Juli 2020

Thailand - Stufen und Treppen



Über welche Stufen man in Thailand stolpern kann und welche Treppen man nach oben steigen und in Abgründe stürzen kann, das ist bekannt. Es wurden die Himmelsleitern und die Unterwelten schon reichlich beschrieben. Hier geht es um reale Treppen und tatsächliche Stufen.

Überall in der Welt signalisieren Gebäudestufen, dass es zu etwas Wichtigem und Erhabenen geht: Banken, Kirchen und Museen befinden sich meist nicht ebenerdig. 
In Thailand kommt der Buddhismus in der Nationalflagge vor und die religiösen Orte sind daher meist ganz oben. Die Tempel sind nur über viele Stufen von langen Treppen erreichbar. Gehbehinderte und ältere Menschen sind ausgeschlossen. Der unsozialste Ort in Thailand, den ich kennen lernte, war der Tiger-Tempel in Krabi mit 1237 unterschiedlich hohen Betonstufen. Aufzug unbekannt.




Die Sonne schien. Schon um 11 Uhr war es heiß. Beim Besuch des Wat Pa Phu Hay Long half mir mein Nachbar Armin beim Aufstieg. Am Geländer konnte ich mich nicht festhalten, die Hände hatten sofort Blasen. Was für religiöse Gefühle hat man nach einer solchen Hingebung auf 300 Stufen bei 37 Grad?

Oben zeigte mir Armin eine Treppe und glaubte, ich könne als Buddhist und einiges Wissens mächtig ihm die Bedeutung erklären:

Die kurze Treppe führte nach wenigen Stufen auf eine schräge Plattform und endete. Darunter ein etwa 12 Meter tiefer, grüner Abgrund. 
„Großartig“, sagte ich, „wie sich hier Naturfreunde aller Gier und aller bisher genossenen Lebensfreude überdrüssig mit einem Sprung ins Grüne und damit ins Jenseits, ins Nirwana oder zu einer wundervollen Wiedergeburt  befördern können. Guter Tempel-Service!“ 


 Eine andere kurze Treppe war ähnlich angelegt. Auch hier konnten  etwas Unaufmerksame nicht kurzerhand sondern kurzen Schrittes zackbum aus dem kläglichen Leben scheiden. Das Krematorium ist nebenan.
Den mühselig Beladenen sind also weder Gift noch Schusswaffen zu empfehlen. Auch Sprünge aus Condominiums sind wegen der  Begleiterscheinungen zu ordinär. Kommt an solche heiligen Orte…

Ich habe den langen Weg über die große Treppe nach unten geschafft. Armin sei Dank.


Armin Reiner aus Pak Chong
Manfred Spies

Samstag, 4.Juli 2020

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