Samstag, 20. Juli 2019

Der König, sein Koch und die Frau aus dem Wald (1)

Der König, sein Koch und die Frau aus dem Wald
Kapitel 1: Hunger im Wald

Dies ist ein aktuelles Märchen über einen König in Thailand. Damit aber keine Verwechslungen entstehen schreibe ich nicht „Es begab sich, dass der König allein mit seinen Rad unterwegs war…“ sondern lasse den Märchenkönig ein Pferd benutzen.
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Es begab sich, dass der Thai-König allein mit seinem Pferd unterwegs war. Er war ein stiller Mann, der gern nur für sich  war, um in Ruhe nachdenken zu können. So ritt er an diesem warmen Tag stundenlang durch den Wald. Er achtete nicht auf Pfade und Wege und auch nicht auf die Sonne und die Zeit. Der Wald wurde dichter, Äste hingen herunter und verletzten den König an Stirn und Gesicht. An einem Bach stieg er ab, wusch sich Hände und Gesicht und sein Pferd trank mehrmals.

Der stille König setzte sich auf einen umgestürzten Baumstamm und dachte nach. Warum waren so viele Menschen in seinem Land unglücklich? Zwar lächelten sie den ganzen Tag, weil sein Land das „Land des Lächelns“ genannt wurde. Aber die Frauen und Männer in seinem lächelnden Land stürzen sich aus hoch gelegenen Wohn- oder Hotelzimmern, schossen sich Kugeln in die Köpfe, schnitten sich Adern auf, wurden im Wäldern an Bäumen aufgehängt gefunden oder nahmen Gift. Seine mit den besten Militärs besetzte Regierung beobachtete, kontrollierte und bestrafte, aber die Drogenkartelle und die unterschiedlichen Finanz-, Waffen-, Immobilien-, Tourismus- und Rohstoffclans machten unbeeindruckt von Scheingesetzen ihre Geschäfte. 
Wo lag der Chili in der Nudelsuppe oder - wie der König bei seinem Studium in Deutschland gelernt hatte - wo lag der Hase im Pfeffer?

Es war kein Feigenbaum, unter dem er saß und es kam keine Erkenntnis. Aber Hunger plagte den König, denn er war schon lange unterwegs.

Er stand auf, bestieg sein Pferd und suchte ein Gasthaus. Nichts fand er. Umher irrend bedauerte er ein wenig, sein goldenes Handy im Palast gelassen zu haben. Aber er hasste dieses dauernde Gepiepe und die Klingeltöne, die seine ersehnte Ruhe störten.
Der König fand einen Weg und kam an ein einsam stehendes Haus, umgeben von einem kleinen Feld und vielen Obstbäumen. Ein großer, schwarzer Hund kam ihm schwanzwedelnd entgegen und eine alte Frau trat aus der Türe und wischte sich die Hände an der Schürze ab.

„Guten Tag, gute Frau,“ sagte der König, „ich habe mich verirrt und bin hungrig. Haben Sie etwas für mich?“
„Komm rein, junger Mann“, sagte die Frau, „zuerst bekommen Sie mal einen Obstsaft. Sie sind ja ganz wackelig auf den Beinen.“
Beide gingen ins Haus, der Hund blieb draussen. 

Küche und Wohnraum waren einfach eingerichtet, aber aufgeräumt und sauber. Der König setzte sich auf einen alten Stuhl mit geschnitzter Rückenlehne an den blank gescheuerten Tisch und die Frau schenkte ihm ein großes Glas kalten Saftes ein. Dann ging sie an den Herd, auf dem ein großer Topf stand und rührte darin herum. Aus einem Schrank nahm sie zwei tiefe Teller, Bestecke, faltete Papier von einer Rolle und legte alles auf den Tisch.
„Das ist keine Thai-Suppe“ sagte sie etwas verlegen. „Ich habe manchmal genug von dem Thai-Essen und koche mir etwas Fantasievolles mit Zutaten aus meiner Heimat.“

Der König hatte schon gesehen, dass sie keine Thailänderin aber auch keine Europäerin war. „Wo ist Ihre Heimat?“
„Ich komme aus Costa Rica. Mein thailändischer Mann hat da viele Jahre in den riesigen Naturschutzgebieten als Biologe und Entomologe gearbeitet, bis wir nach Thailand zurück kamen und er hier im Naturpark als Aufseher und Forscher für die Regierung tätig war. 

„Ist Costa Rica ein schönes Land?“
Die alte Frau strahlte. „Ja, wir sind ein Land mit glücklichen Menschen, weil wir eine menschliche Regierung haben. Die Regierungen haben 1949 nach ununterbrochenen Kriegen mit den Nachbarn das Militär abgeschafft. Einen teuren König haben wir sowieso nicht. Das ganze Geld wurde in Bildung und Naturschutz gesteckt. 
Thailand und Costa Rica haben Gemeinsamkeiten. 
  • Beide Länder haben viel Wald und Natur. 
  • Beide Länder haben im Westen und im Osten ein Meer.
  • Beide Länder haben eine Staatsreligion, der über 80% der Bevölkerung angehören.
Aber es gibt große Unterschiede. In Costa Rica glauben die Menschen an Gott, aber sie vertrauen mehr dem Wissen. In Costa Rica wird sehr viel Geld in den Naturschutz gesteckt. In Costa Rica gibt es keine Generäle, kein militärisches Material, was ja unglaublich viel Geld kostet, und wir haben auch keinen König.
Es ist verrückt: Die Flaggen von Thailand und Costa Rica sind fast gleich. Aber das Rot für Bevölkerung und Staat in Thailand ist nur halb so groß wie das Blau für Monarchie. Das Rot steht bei uns in der Mitte und ist doppelt so groß wie das Blau für die beiden riesigen Ozeane. Die Menschen sind in Costa Rica das Wichtigste.“

Thai-Flagge: Rot=Volk, Staat, Weiss=Buddhismus, Blau=Monarchie



Costa Rica=Flagge: Blau=beide Ozeane, Weiss=Lateinamerika, Rot=Volk


Die Frau bemerkte beim Reden und Rühren der Suppe, dass der Fremde etwas verschlossen wirkte. Er fragte ablenkend
„Wo ist dein Mann?“
„Er wurde vor drei Jahren von Wilderern erschossen.“

Mehr sagte sie nicht. Sie erzählte nicht, dass ihr Mann bei einem Kontrollgang die drei Jeeps gesehen und sich die Nummern notiert hatte. Als er Schüsse hörte, nahm er das Gewehr von der Schulter und rief in den Wald. Kurz danach trafen ihn die fünf Kugeln. Sie erzählte auch nicht, dass sie den Zettel mit den Autonummern gefunden und Anzeige erstattet hatte. In den Zeitungen stand, es seien Regierungsbeamte gewesen, die im Naturschutzgebiet Fotos und Aufzeichnungen machen wollten und von dem Rancher bedroht wurden. Von dem erschossenen jungen Elefanten und den großen, toten Vögeln stand in  den Zeitungen nichts. Sie schwieg. Warum sollte sie dem Fremden ihr Leid klagen.

Die Suppe kam auf den Tisch, der König trank dazu kühles Wasser und aß zweimal. Die alte Frau beobachtete lächelnd, wie der Fremde sich vor jedem Schluck aus dem Glas mit dem Papier den Mund wischte. 
Zurückgelehnt sagte der König: „Das war die leckerste Suppe, die ich jemals gegessen habe. Können Sie mir das Rezept aufschreiben?“ Die alte Frau lachte. „Die können Sie zuhause schwer nachkochen. Ich kann ihrer Frau ein paar der Waldkräuter mitgeben und Gewürze aus Costa Rica und ein Gläschen von dem geriebenen Käse.“
„Meine Frau kocht nicht. Wir haben ein paar Köche. Ich bin der König von Thailand.“

Der Frau fielen fast die leeren Teller aus der Hand, die sie abräumen wollte.
Der König lachte: „Nun kriegen Sie sich mal wieder ein. Ich bin nicht gefährlich. Ich habe zwar eine Armee und mehr Generäle als China und die USA zusammen, aber wir sind ein friedliches und glückliches Land.“ Er spürte bei seinen Worten einen Kloß im Hals und ein merkwürdiges Gefühl im Bauch und dachte an die vielen Selbsttötungen. Und er hatte die Frau lange betrachtet und selten ein so ausgeglichenes, friedliches und zufriedenes Gesicht gesehen. Er musste schlucken als er überlegte, so einen Menschen niemals an einem Baum aufgehängt oder vergiftet zu finden.

Die Frau gab ihm einen kleinen Beutel mit den Suppen-Zutaten und dem notierten Rezept. Sie verbeugte sich tief und sagte, „Bittesehr, mein König.“ Da lachte der König und tat etwas, das er noch nie in seinem Leben gemacht hatte. Er hob die Hände der Frau und umarmte sie. 
„Ich lasse Ihnen hier etwas Geld für Ihre Gastfreundschaft und Hilfe. Ohne Sie wäre der König von Thailand verhungert“. Beide lachten herzlich über seinen Scherz und umarmten sich noch einmal.

„Wenn ich hier weiter reite, komme ich dann an eine Straße?“
„Geradeaus und zweimal links. Ich fahre mit dem Moped vor Ihnen her.“
„Links kann ich mir merken. An der linken Hand habe ich den großen Ring von meinem Vater.“
Der König stieg auf sein Pferd, das auch getrunken und gefressen hatte. Der schwarze Hund leckte noch einmal die königliche Hand. Die Frau löste den Einkaufskarren vom Moped und startete. Nach einigen Minuten kamen sie an eine asphaltierte Straße. Auf ihr Winken hielt ein großer LKW. Der Fahrer erkannte seinen Monarchen und fiel auf den Boden vor Ehrerbietung. Nach vielen Wais und Verbeugungen öffnete er am LKW eine Klappe und zog einen langen Einstieg heraus. Das Pferd kletterte hinein und legte sich sofort auf die Ladefläche. König und Frau verabschiedeten sich herzlich und die Männer stiegen ins Fahrerhaus. Der Fahrer tippte etwas in ein schwarzes Gerät.
„Was machen Sie da,“ fragte der Thai-König.
„Ich gebe die Koordinaten in das Navi ein, damit wir wissen, wo die Ausländerin wohnt. Vielleicht hat sie meinen König beklaut oder seiner Majestät etwas getan.“ Der König nahm ihm den Zettel weg und steckte ihn ein.

Der König sagte nichts, er dachte nach. Er saß nicht unter einem Feigenbaum, er saß in einem LKW, aber er erkannte etwas.

Am Palast angekommen wurde der LKW sofort von Soldaten mit erhobenen MGs umstellt und man nahm den Fahrer fest. Der König protestierte und sagte: „Das ist ein guter Mann. Er hat mir geholfen.“
Der herbei geeilte Leiter der Militärgruppe kniete vor dem König nieder und erklärte: „Meine Majestät, das müssen wir prüfen.“
Der stille König dachte nicht mehr nach. Er sagte „Wegtreten! Lassen Sie den Mann in Ruhe und geben Sie ihm sofort 10.000,- Baht. Er ist einen weiten Umweg gefahren.“

Für den nächsten Tag ordnete er eine Konferenz an mit den Generälen für innere Sicherheit, für Land- und Forstwirtschaft, für Aussenpolitik, für Soziale Entwicklung und Schutz der Bevölkerung.
Seinen Köchen übergab der den Beutel der Frau im Wald und erwartete ein Suppen-Essen zusammen mit seiner Frau zu ihrem Geburtstag.

Kapitel 2 folgt.

Manfred Spies, 
Sonntag, 21. Juli 2019



Dienstag, 16. Juli 2019

Thailand Story: Grund zum Lachen

Thailand - Grund zum Lachen, 22. Oktober 2018

Neulich fuhr ich mit meiner Frau zum Markt, weil sie normale Kartoffeln vom Discounter mitgebracht hatte. Ich wollte aber Süßkartoffeln für mein Himbeer-Sufflet mit Grappa. 
Beim Rückweg zu unserem Land Rover Defender sitzt da eine sehr dünne Frau mit einem sehr dünnen Kind am Straßenrand. 
„Guck mal“, sage ich zu meiner Frau, „die ist aber sehr dünn.“
„Ja, jetzt war ja Fastenzeit.“
„Aber auch nach der Fastenzeit sehe ich hier nur fette Mönche.“
„Ja, vielleicht ist es auch genetisch.“
Trotzdem gebe ich der Frau eine Süßkartoffel. 
Für das dünne Kind fiel mir momentan leider nichts ein. 

Als bei uns gegenüber gebaut wurde, waren ganze Familien auf der Baustelle. Ich habe gesehen, dass sie Ratten in ihrer Wellblechhütte totgeschlagen und draussen gegrillt haben. Na, denen konnte ich wirklich etwas Gutes tun: 
Drei große Rattenfallen habe ich ihnen geliehen, damit auch die Kinder, die da arbeiteten, etwas zum Essen haben. Solche Hilfe ist mir wirklich wichtig!

Geld geben wir ja nie. Man weiss ja nicht, ob das nicht gleich in Alk umgesetzt wird.

Und überhaupt ist jetzt der Austausch von Waren wieder total IN hier in Thailand. 
Wir haben ja eine Krise. Das sieht man an den unendlich vielen Shops mit runtergezogenen Gitterjalousien. Hat auch sein Gutes: Die sitzen im Schatten und brauchen keine Klimaanlage. Und endlich können sie mal in Ruhe die Seifenopern gucken und „Line" machen. 

Ja, und in der Krise kaufen wir fast kein Gemüse und Obst mehr. Das können die Farmer wegen der kaputten Preise nicht ernten und verkaufen. Wir fahren hin und bekommen alles getauscht. Im Auto haben wir Plastik, leere Bier und Weinflaschen und anderen Müll. Die Flaschen spülen wir nicht aus, da sind ja noch Reste drin für die Thai, hahaha.

Da waren auch neulich ein paar leere Konservendosen, in denen ich Farben gemischt hatte. Die habe ich natürlich notdürftig gereinigt. Wenn die Schlitzaugen darin Chili in Essig, Ol und Zitrone einlegen, kann sich natürlich noch etwas - na sagen wir mal - dazumischen. Aber Chili ist scharf und übertönt den Geschmack und Essig neutralisiert, oder? 

Egal, manchmal tausche ich ja auch Wertvolles. Da war mir ein UBS-Stick aus der Hosentasche gefallen und das Auto ist darüber gerollt. Das Ding war verbeult und ich habe die Pornos aus dem Internet nicht löschen können. Aber der Thai hat dankbar gelächelt, und viellicht bekommt er den Stick ja in sein Handy. Dann hat er eine angenehme Mittagspause, hahaha.

Mit dem getauschten Kürbis und dem Rest Süßkartoffeln kann ich eine leckere Suppe machen. King Prawns fehlen. Da muss ich mich noch mal in den Land Rover setzen und zum Discounter fahren. Das ist zwar um die Ecke, aber das Moped ist nicht klimatisiert. Und außerdem kann ich noch schnell einen „Abstecher“ bei Kung machen. Meine Alte hat zwar schon gemerkt, dass ich da so eine kleine Biene am Honiglecken habe. Aber so lange die Frau das Geld bekommt und versorgt wird, kann man in diesem Land auch andere Tussis „versorgen“, hahaha. 

König Rama V. von Thailand hatte insgesamt 153 Ehefrauen, von denen ihm 35 Frauen 76 Kinder gebaren. Außerdem war sein Harem mit über 3000 Frauen angeblich größer als die vergleichbaren des Osmanischen Reiches. 
Das ist also alles TRADITION. Und hier gibt es keine Feministinnen, die uns Männern den Spaß verderben. Und wenn in Deutschland die Orientalen ihre Kultur ausleben und Frauen verprügeln wollen und dafür diskriminiert werden, sagen hier fast 40% der befragten Frauen wenn Frauen verprügelt werden, „dann haben sie ja wohl etwas falsch gemacht.“ 

Ja, Leute, wenn die Thai nicht mehr lächeln haben wir Farangs immer noch genug Grund zum Lachen…Prost!

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Manfred Spies, 22.10.2018

Freitag, 28. Juni 2019

Thailand-Geschichte: Rama III. und die Ausländer, Short Story

Dies ist eine weitere Ergänzung zu der Diskussion über das, was der Thai-König Rama III. vor 150 Jahren auf seinem Sterbebett warnend sagte.

Whisky Soda, Short Story, 
28.Juni 2019

Bangkok nach der Rush Hour. Sie betrat die Lounge des Sirocco und steuerte sicher zur Bar. Der Keeper stellte ein sofort zubereitetes Glas Whisky Soda auf den polierten Teaktresen und sagte im Isaan-Dialekt, „Auf deine Gesundheit, meine Königin.“ Sie erwiderte lächelnd im gleiche Dialekt „Vielen Dank, mein schöner Diener.“ Lachend klatschten sie ihre Handflächen aneinander. 


Der dunkle Teint des Gesichts mit den exotisch wirkenden Wangenknochen und die Farbe der weichen Lippen harmonierten mit der gelben Bluse und der weissen Kombination. 
Der Graukopf im Nadelstreifen schätzte die Beiden ein als Service-Profis mit ähnlichen Interessen und rückte näher zu der Dame. Er schaute sie über seine randlose Brille direkt an und fragte lächelnd. „Darf ich sie zu etwas einladen?“. Als sie sich zu ihm hindrehte, rutschte der knappe, weisse Rock etwas höher. Ihr Blick war jetzt sehr gerade und die Lippen weniger weich. „Gleich werden Sie mich fragen, wo wir zusammen etwas Leckeres essen können und was eine ganze Nacht inclusive Blas-Intermezzo kostet?“ 

Jetzt saß der Graukopf sehr gerade auf dem bequemen Barstuhl. Sie kramte kurz in ihrer Tasche, nahm eine Karte heraus und knallte sie dem Mann auf den blanken Bartresen.
„Wenn Sie sich bitte in die Ecke begeben würden. Ihr Farang-Geruch missfällt mir und wir kommen aus verschiedenen Häusern und Straßen.“ Auf der Karte, die der Mann anstarrte, stand 
NOI SUPON, General Manager, Toyota Thailand.

Der Graukopf starrte den Keeper an. Der machte eine Kopfbewegung in Richtung Ecke. Der Graukopf verschwand.
Noi hatte Ökonomie, Marketing und Jura studiert und hobbymäßig Soziologie und Geschichte gehört. Der Neffe sagte: „ Noi, du wirst dich nie ändern. Immer voll rein.“
Sie antwortete: „ Der alte König Rama III hat so ungefähr gesagt, wir sollen uns vor der unbedachten Übernahme westlichen Lebensstils hüten. Du weisst, ich habe im Ausland studiert und schätze die europäischen Kulturen sehr. Das hier hat mit Kultur nichts zu tun.“ Und wieder klatschten sie ihre Hände aneinander.
„Ich muss weg, wollte dich nur fragen, ob du am Wochenende frei machen kannst. Ich habe ein paar ASEAN-Leute zu Besuch. Du könntest mir helfen.“ Er nickte lachend und die Königin ging zum Lift.



Manfred Spies
28. Juni 2019

Thailand-Geschichte: König Rama III und die Ausländer

Thailand-Kultur, 27. Juni 2019
Wir fragen so oft "Warum?" Blick in die Geschichte...



Immer wieder höre und sehe ich das Gemeckere von hier lebenden Ausländern, die alles zu teuer, alles zu dreckig, alles zu schlecht organisiert finden und die Thais als unhöflich und geldgierig beschimpfen. Da ist zum Teil Richtiges dran. Aber diese leute sitzen in Sesseln oder an Steintischen und tauschen ihre Vorurteilen aus, ohne jemals die Ärmel aufzukrempeln und selbst etwas an Verbesserungen zu tun. 
Auf Facebook habe ich kommentiert:

Manfred Spies Ausländer, die hier leben, haben nur einen Bruchteil der Lebenshaltungskosten wie im Heimatland, zahlen keine Steuern, zahlen keine Abgaben für die Benutzung der gesamten Infrastruktur, lassen sich für ´nen Appel und Ei behandeln bei Augenärzten, Zahnärzten, Hautärzten, Örthopäden, Internisten usw. (Zahnziehen umgerechnet 12,.-€), fahren von BKK mit dem Taxi hin und zurück 2x250km für umgerechnet 70,-€, (mit dem Minibus hin und zurück um gerechnet 6,60 €} werden rundum versorgt von jungen, hübschen Frauen, die sie im Heimatland vergleichsweise NI(EMALS bekommen würden und können mit solchen Frauen auch noch prima angeben - ABER SIE MECKERN IMMER NOCH. Sie haben auch keine Probleme mit Nazis, weil sie hier danach nicht zu suchen brauchen. Sie finden ihre Nazi-Kumpels an jeder Ecke.

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Was noch schlimmer ist: Diese hier lebenden oder als Touristen ins Land einfallenden Leute benehmen sich im Ausland rücksichts-  und respektlos, aber erwarten von allen Ausländern in ihren Heimatländern, dass sie sich anpassen, die Sprache lernen, die Sitten, Gebräuche und die Kultur achten.

Als Ergänzung zu dem von RAMA III gesagten machte ich einen weiteren Beitrag:

Thailand-Kultur, 27. Juni 2019
König Rama III., Ergänzung
Der Thai-König warnte vor 150 Jahren berechtigt.
(meine Fotos sind aktuell, NICHT in Strandnähe aufgenommen!)


Viele der Leser/innen fanden das Verhalten der Ausländer/innen geschmacklos, rücksichtslos, skandalös. Aber es gab auch eine nicht zu unterschätzende Männergruppe, die die "Mädels doch schön knackig" fanden und die sich freuen würden, wenn man "so etwas auch mal in Deutschland bei dem heissen Wetter sehen könnte."
Solche Männer, die offenbar eine erfolgreiche Transplantation des resthirns in den Genitalbereich hinter sich hatten, posten dann bei facebook in Thai-Gruppen entsprechende Seiten und werden nicht raus geschmissen. Ja, Rama III. hatte nicht unrecht mit seinen Warnungen.




Thailand/Türkei: Gehorchen oder wählen

International-Politik, Sonntag, 23.06.2019
Türkei hat gewählt:
Nach der ersten Wahl im März hatte der Oppositionskandidat Imamoglu (Foto) einen hauchdünnen Vorsprung von etwa 14.000 Stimmen. Der Abstand zwischen den beiden Kandidaten betrug heute nach Auszählung von 97,4 Prozent der Stimmen mehr als 730.000 Stimmen!!! Das ist ein Schlag gegen den wie ein Diktator regierenden Erdogan und seine rechts-islamische AKP, die ein enger Verbündeter der Muslimbruderschaft ist.
Der türkische Oppositionsführer vor seiner siegreichen Wahl

"Alles fließt" hat der griechische Philosoph Heraklit vor etwa 2500 Jahren gesagt. Ob sich von diesem Sonntags-Ergebnis etwas ableiten lässt für andere Länder, bezweifel ich. Sicher nicht für Thailand.
Hier haben Gehorsam und Unterwerfung Jahrhunderte alte Tradition, gehören zum Kulturgut.
Das Königshaus hat da natürlich eine Sonderstellung und ist überall in der Stadt, in Behörden usw. präsent. 
Thai-Diplomaten erhalten ihre Urkunden

Der König ist auf allen Straßen, in allen Hospitälern, Schulen, Hochschulen, Banken, Behörden und Privathäusern präsent. Meine Fotos zeigen noch den König Bhumibol. Nach seinem Tod und der Krönung seines Sohnes wurde mit einem gigantischen Aufwand alles ersetzt.




Die Schuluniformen - manchmal mehrere und dazu tragen einmal wöchentlich alle die Pfadfinderkleidung - müssen die Eltern selbst bezahlen. 


Nach eigenen Erfahrungen bestimmt der Großvater, wen die Enkelin heiratet, Schüler geben auf den Knien zum Lehrerpult rutschend ihr Heft ab und Thai-Diplomaten empfangen ihre Urkunden vom König auf dem Buden liegend. Übrigens: Auch an privaten Schulen müssen von den Eltern bezahlte, mehrere - donnerstags Pfadfinder - Uniformen getragen werden und es herrscht Drill. China lässt grüßen.
Wer vor solchen Hintergründen das Leben und die Politik in Thailand lobt und in Deutschland verachtet, gehört ist ärztliche Behandlung

Manfred Spies
23.6.2019
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Hier einige Kommentierungen auf facebook:




Manfred Spies ZU EUREN KOMMENTAREN: Ja, in Europa kann man die Hoffnung haben, dass Diktaturen verschwinden, weil die Völker eine ganz andere Vorstellung von Freiheit haben. Das ist mit Asien nicht vergleichbar. Wo die Aufklärung keine Spuren hinterlassen hat, ist für uns eine andere Welt. 
Der mir bekannte Schüler (s.o. im Text), der wenige Minuten aus der Pause zu spät zurück kam, wurde von der Lehrerin mit einem Stock bestialisch verprügelt. Das ist in Thailand verboten! Der Vater (Berliner) wollte zur Schule gehen. Der Junge (13 Jahre in Berlin sozialisiert) wollte das nicht. Angepasst wollte er die Schule ohne Aufsehen zu Ende machen. 
Diese selbstverachtende Art seht ihr nun als NORMALFALL IN CHINA, weil es den Leuten bei der Duckmäuserei gut geht. Freiheit wird gegen Karriere getauscht. Das Wegwerfen von Werten wie Müll ist für die sehr pragmatischen Asiaten kein Problem. Gnade den Europäern, wenn die sich breit machen.....
Anderes Thema: Ich bin nicht nur wegen der Liebe nach Thailand gegangen. Dünnhäutig wie ich bin (auch geistig) konnte ich in Deutschland zum Beispiel die idiotischen Kopftuch-Diskussionen und -Urteile einerseits nicht mehr ertragen und andererseits schmerzten mich sogar physisch die Türkenwitze ("Kennst du den Unterschied zwischen Juden und Türken? Die Juden haben es hinter sich!"), die heute wie damals brennenden Ausländer-Häuser und das weitgehende Abhandenkommen von Solidarität, Mitmenschlichkeit, Ehrlicheit, Selbstlosigkeit, Hilfsbereitschaft (heute Schmuddelbegriffe) in einer Gesellschaft, wo sich Dichter und Denker zu Deppen und Dödeln entwickelten. Halt, nicht schimpfen und protestieren! Das kann ich alles belegen. Ich habe damals gelitten und Dokumente gesammelt! So einfach habe ich mir den Abgang nicht gemacht!...
Anderes Thema: Nun bin ich hier und habe ein waches Auge. Aber mit diesen Augen sehe ich auch Schönes, großartige Dinge und kleine Sachen, hier und woanders. Sonst würde ich nicht so oft etwas über "Wunderland..." schreiben. Aber ob das interessiert? Als ich am 9.6. über "Wunderland Insel Hombroich" schrieb und wunderbare Bilder zeigte, gab es Null Kommentare und nur Hildburg setzte einen "Like". So etwas kann mich mehr aus der Bahn werfen als die Thai-Politik, wenn ihr versteht, was ich meine.






Samstag, 22. Juni 2019

Thailand - Butterfly, Wunderland im Garten

Da sitze ich beim Frühstück auf der Terrasse, blicke auf den „Unkraut“-Busch im Garten und sehe große Falter, die ich noch gar nicht kenne. Mit einer zufällig gemachten Einstellung meines Fotoapparates mache ich meine bisher besten Schmetterlings-Aufnahmen.(Die Einstellung muss ich mir merken!)





Es gesellen sich andere Falter hinzu, weiß auf Schwarz Getupfte einer mir bisher unbekannten Art. Diese „Unkraut“-Blüten scheinen sehr beliebt zu sein bei Thai-Faltern, denn ich sehe bei den Profi-Fotografen gleiche oder ganz ähnliche Blüten im Internet.

Internet Foto mit gleicher oder ähnlicher Blüte.



Das „Unkraut“ entwurzelten wir auf der Straße, als dort eine Mauer verputzt wurde. In einem halben Jahr wuchs es überall im Garten prächtig und zieht nun die Schmetterlinge an. 



Die Mauer wurde verputzt, das habe ich das "Unkraut" gerettet






Der Große mit den grau gefächerten Flügeln und der weiss-roten Zeichnung an dem gezahnten Schwanz ist ein Ritterfalter mit dem Namen „Pachliopta aristolochiae“. Na ja, die Assoziation mit Aristoteles gefällt mir! Den wunderbaren Kollegen muss ich im Bestimmungsbuch noch ausfindig machen.

Da sitzt man in seinem schönen Garten, der sowieso ein Wunderland ist, und es begegnen einem immer neue, wunderbare Tiere. Ich mag sie alle, vor allem diese langen Tausendfüßler, die ich mir manchmal auf den Tisch hole, um die unglaubliche Koordination der viele Beine zu bewundern. Die machen das einfach so und geben damit nicht an, weder in ihrer Tierwelt noch auf Facebook

Bewundernswert, wenn man diese schönen Tiere laufen sieht


Unglaublich, wie man mit dieser Ausstattung fliegen kann!

Auch diese Hirschhornkäfer (Männchen) sehe ich nicht mehr



Alien?

Diese Spinne ist nur drei Millimeter große, kann aber das Dreissigfache ihrer Körperlänge springen! Solche "Wunder" gibt es überall im Tierreich. Man sollte mal eine Tier-Olympiade veranstalten. Da würden unsere Sportler sehr bescheiden :-)))

Zwar habe ich eine Spinnenphobie, aber ich habe ACHTUNG vor dem unglaublichen Können der Tiere
Und wo haben die winzigen Ameisen seit 130 Millionen Jahren ihren Geruchssinn für Süßes, ihren Orientierungssinn über weite Strecken und ihre Hilfsbereitschaft untereinander her? Sie haben keine großen Köpfe. Überall ist Wunderland.

Ich stelle allerdings fest, dass es in unserem Garten viel weniger Insekten gibt als früher. Die Schmetterlinge von früher sehe ich kaum noch. Wespen und Bienen? Alle weg. 


Alle diese Falter habe ich in diesem Jahr nicht mehr gesehen.





Die Farmer um uns herum haben die Felder gepflügt und behandelt. Dort, wo es früher nach wenigen Tagen und etwas Regen grünte und sprießte, wächst nichts. Unkrautvertilgung und Insektenvernichtung halten lange. Danach sind es nur wenige Tiere, die bei uns Blüten finden. 

Normalerweise ist so ein Feld im Thai-Klima in der Regenzeit nach zwei Wochen grün.


Sind den Menschen die Wahrnehmungsorgane für die unbeschreiblich schöne, WUNDERbare Natur verloren gegangen. Zählt nur noch die Ästhetik von Geldscheinen?

Vor den Bio-Sprühen schützt sich der Gärtner
Und meine Frau und der Gärtner sprühen zweimal jeden Monat gegen Insekten. „Das ist alles Bio!“ „Na und“, schimpfe ich, „dein Bio ist gut für die Früchte und für das Gemüse, aber schlecht für die Bienen, Schmetterlinge und alle anderen Insekten. Die Obstbäume und die Gemüse und Kräuter kannst ja besprühen. Aber lass alle Blumen und Blüten in Ruhe!“ 
Es wird sich nichts ändern. Nicht bei uns, nicht in der ganzen Welt.
Die Wunder werden weniger, es ist zum Weinen!



Manfred Spies, 23. Juni 2019


Freitag, 21. Juni 2019

Thailand - Enttäuschte Freundschaft

Freundschaft sollte auf Gegenseitigkeit beruhen. Oder seht ihr das anders?
Es scheint sich herum gesprochen zu haben, dass wir in unserer Siedlung Freundschaft mit allen Tieren pflegen - außer mit Moskitos und Hundertfüßlern. Manchmal stehen die Tiere vor unserer Türe und bitten um Hilfe. Halb verhungerte Tokeys werden gerettet, verletzte Hunde tierärztlich versorgt, Schlangen vor den 5 Haushunden in Sicherheit gebracht, große Warane wieder in den Wald befördert  und aus dem Nest gefallene Vögel aufgepäppelt. 

krank und halb verhungert...

...aufgepäppelt

überfahren und versorgt

vor den Hunden gerettet und in den Wald gesetzt


so ein schönes Tier muss man gern haben


Das machten wir auch mit Johnny, einem zwei Wochen alten, noch blinden Eichhörnchen. 




Seht selbst, ob wir gute Eltern waren: 
Anfangs laktosefreie Milch, später alle erdenklichen Leckereien, das ganze Haus zur freien Verfügung, Knabbern an Kartons, Papierrollen und Eisenteilen der Fitnessgeräte, Übungen am Multitrainer, später Auslauf im Garten. Wir haben uns sogar kratzfeste Unterwäsche zugelegt, weil sein liebevolles Anspringen schmerzhaft war.







Johnny durfte fast alles...

...und als er größer wurde, wurde er auch etwas unverschämt.



Turnübungen am Fitnessgerät


auch als er Kartons und sogar Wandecken anknabberte haben wir nicht gemeckert!





Johnny wurde erwachsen, hatte irgendwann eine Freundin und besuchte uns nur noch selten. Mehrere Eichhörnchen-Generationen später spazierten viele graue Johns und Jeans über Telefonleitungen, Mauern und Zäune in unser Bio-Padadies mit Mangos, Papayas, Bananen, Guaven,Rosenäpfeln,  Kokosnüssen, Jackfrüchten, und Avocados. Das war sehr lecker, hatte aber mit Rücksicht und Freundschaft nix zu tun. Die Sternfrüchte und Talingpling waren ihnen zu sauer und man überlies sie uns. SEHR FREUNDLICH!

Eichhörnchen-Mango

Eichhörnchen-Jackfrucht

Eichhörnchen-Papaya

Eichhörnchen-Banane

Eichhörnchen-Kokosnuss

Johnny hatte seinen Verwandten und Freunden nichts von unserer Liebe und Gastlichkeit erzählt. Die Clique fraß uns alles weg.
Wir umpackten die Früchte mit teueren Beuteln (Sauarbeit) und bauten Käfige um die großen Exemplare. Nichts half. Als wir im Internet fragten, konnte uns niemand helfen, auch nicht der Spezialist Hans Fritschi in Pattaya. Jammer!


alles wurde eingepackt oder mit Gitter umgeben



Im Internet las ich, dass Eichhörnchen unmusikalisch sind und hohe Töne nicht mögen. Ich bastelte mit aus Bambus eine Spezialflöte und setzte mich unter die Mangobäume. Das war nicht gut, denn meine fünf Hunde stimmten zusammen mit den Nachbarhunden nicht mehr nur nachts ihren heulenden Chorgesang an.

Was tun? Sollen wir uns nun von unserer leckeren Bio-Ernährung aus dem eigenen Garten wieder mit Chemie-Kost vollstopfen oder sollen wir auf fleischreiche Ernährung umstellen?
Wir sind von dieser Art Freundschaft der Eichhörnchen-Art enttäuscht. 
Da hilft auch nicht viel, wenn man uns sagt: Das kann dir bei Menschen auch passieren.

Übrigens brachte uns wieder ein Nachbar so ein Winzling. Einige Tage haben wir geholfen. Dann übergaben wir das Tierchen einer kinderlosen Familie ohne Hunde und Katzen.

NEIN! Diesmal nicht wieder!

Einige Tage gefüttert und dann ab zu anderen Eltern



Grüße von Manfred, Freitag, 21.06.2019