Donnerstag, 7. März 2019

Thailand erleben oder verlassen?

Offener Brief an wirkliche Freunde, 7.-3.-2019

Liebe Moni. lieber Walter,

heute Abend habe ich beim lauten Chorgeschrei der Grillen und beim Abenddrink neben Luck und meinen Vierbeinern, die ja mal Walter in ihrem Begrüßungstaumel anspringend die Shorts waschmaschinenreif beschmutzten, an euch gedacht.



Euer großer  Kerzenleuchter steht nun windgeschützt in Nachbarschaft von diversen Teelichtern auf unserem Tisch beim Ausklang des Tages mit klassischer Musik, Glillenchor und Vierbeinerheulen. Euer geliebter Jazz kommt zur Zeit nicht vor. Aber mein Archiv ist riesig und könnte bei einem Besuch aktiviert werden.

ihr seid ja nun seit einigen Jahren weg zurück in Deutschland. Ihr wart sehr viel auch kulturell unterwegs, was - wie ich bei meinen Facebook- und Blog-Beiträgen auch feststelle - kein Schwein interessiert. Das Finden von Stecknadeln in Heuhaufen - um es mal euphemistisch zu formulieren - ist hier in Thailand ermüdend und frustrierend.

Aber es gibt diese Stecknadeln, diese goldenen Ringe, diese Perlen. Und es gibt immer wieder diese „legendären Diskussionen auf der Terrasse bis nach Mitternacht.“, wie mein Freund Paul es beschrieben hat.

Ich frage euch und andere, die hier oft undifferenziert und mit einer Blindenbrille das real existierende Thailand schwarz oder rosaror betrachten und ich frage die anderen mit einer Deutschland-Phobie: 
Seht ihr klar? Könnt ihr differenzieren? Seit ihr bereit zu abstrahieren von NUR EUREN EIGENEN Bedürfnissen und Ansprüchen? Es gibt nicht nur den Müll und die Geldgier der Thais,. Und es gibt nicht nur das Thai-Lächeln.



Schreibt mir und fallt über mich her, der ich hier gern lebe aber auch meinen kritischen Verstand nicht bei der Einreise am Zoll abgegeben habe. Ich bebilderte meinen Enthusiasmus und meine Kritik an Thailand in hunderten von Beträgen, aber hier nicht mehr. Das habe ich oft genug getan, für die Menschen in Thailand, für das Land, für mich und für die Denkenden und nicht nur Gläubigen. Für die Inselspringer und Tempelhüpfer schreibe ich nie. Oberflächlichkeit ist nicht meine Welt.



Grüße von Manfred am warmen Abend des 7. März 2019 

Sonntag, 3. März 2019

Thailand Karneval, Fastnacht, Fasching?

Thailand Karneval, Fastnacht, Fasching?
Leider Fehlanzeige




Eines der wichtigsten Thai-Worte ist SANUK. Das bedeutet SPASS. Zwar übernehmen die Thais gern alles an Festen von anderen Ländern, weil ja feiern Spaß macht. Sie feiern das christliche Weihnachten, zu Ostern findet man Hasen und gefärbte Ostereier in den Geschäften und in das neue Jahr „rutscht“ man internationale am 1. Januar, auf chinesische Art Anfang Februar und Mitte April in das thailändisches Neujahr SONGKRAN. Aber Karneval gibt es nicht.

Warum? Darüber kann ich nur Vermutungen anstellen, denn Begründungen fand ich nicht.

Das Gesicht.
Das Gesicht ist in Thailand ungemein wichtig. Es hat hübsch zu sein und auch bei Männern stapeln sich in den Badezimmern Kosmetika. 

Vor einem besonderen Fest verbringen die Frauen oft Stunden in einem Beauty-Shop um schön gemacht zu werden.

Ob das dann schön ist, hängt vom Geschmack und kulturellen Backround der Betrachter ab

Sich in dieser Weise das Gesicht zu bemalen ist in Thailand nicht SANUK

Sich in dieser Weise das Gesicht zu bemalen ist in Thailand nicht SANUK 


Also verdeckt man es doch nicht mit Farbschichten und hässlichen Masken! Man will sich nicht verstecken, sondern gesehen und erkannt werden.
Wenn im alljährlichen „Karneval der Kulturen“ in Berlin (was überhaupt nichts mit Fasching oder Karneval zu tun hat) auch Thai-Gruppen auftreten, so sind die Gesichter lange gepudert und geschminkt, aber nie lustig bemalt.(*)




Die Masken
Thailänder vertrauen dem Glauben mehr als dem Wissen. Sie glauben an Geister und Götter und vermuten hinter Masken Bedeutungen. Farbenprächtige Gewänder und Masken werden nicht einfach zum Spaß getragen, sondern sind Teil ritueller Handlungen und historischer Tänze. Masken vor dem Gesicht, dazu noch bösartige - da ist man skeptisch!
Karnevalsmasken - da ist man in Thailand eher erschrocken

Karnevalsmasken - da ist man in Thailand eher erschrocken

Yaksha-Tänzer

Tempel-Wächter in Bangkok
Insofern hat unser Versuch, am Rosenmontag Karneval in den Thai-Alltag zu tragen, keinen Erfolg gehabt. Unsere venezianischen Masken haben an der Kasse des Discounters nur Irritation ausgelöst. 

frivoler Früchte-Geist


frivoler Früchte-Geist

Luck mit venezianischer Maske in Pak Chong

Manfred mit venezianischer Maske in Pak Chong


Die Obrigkeit
Hierarchie, Obrigkeitsdenken bis hin zur Unterwerfung in für westliches Denken unvorstellbarem Maße ist in Thailand Tradition, Normalität und ist zu respektieren.

Text Günther Ruffert


Der König übergibt den neuen Thai-Diplomaten ihre Urkunden.
   
Was wir als Repression empfinden, geschieht in Thailand in Familien, in Schulen und Universitäten, im Berufsleben und natürlich bei allen Ehrerbietung gegenüber Würdenträgern. Kritik ist allgemein unerwünscht. In jedem Reiseführer ist nachzulesen, dass Kontroversen und kritische Diskussionen unhöflich und  das Gegenteil von SANUK sind. Das widerspricht total der Geschichte von Karneval:

„Die Römer feierten vom 17. Dezember bis 19. Dezember die Saturnlaien zu Ehren ihres Gottes Saturnus. Das Fest war verbunden mit einem öffentlichen Gelage, zu dem jedermann eingeladen war.,,,Sklaven und Herren tauschten zeitweise die Rollen, feierten und saßen gemeinsam bei Tische, tranken und aßen, konnten jedes freie Wort wagen und überschütteten sich mit kleinen Rosen. Aus den Rosen entstand möglicherweise das in unseren Tagen bekannte Konfetti….
Wolfram von Eschenbach beschreibt 1206 in seinem Minengesang „Parzival“ mit blumigen Worten, wie die Frauen rund um die Burg der Grafen von Hirschberg-Dollnstein am Donnerstag vor Aschermittwoch groteske Spiele, Tänze und Verkleidungen vollführten. Die kleine Marktgemeinde Dollnstein im Altmühltal (Bayern) reklamiert deshalb für sich, Wiege des deutschen Karnevals im Allgemeinen und der Weiberfastnacht im Besonderen zu sein.“(Wikipedia)

Ein Rollentausch von Herr und Diener, „freie Worte“ gegenüber der Obriigkeit oder gar ein Hofnarr, der sich über die Monarchie lustig machen darf, sind in Thailand völlig undenkbar.

Politik-Kritik ist  in Thailand so nicht möglich und nicht SANUK

Politik-Kritik ist  in Thailand so nicht möglich und nicht SANUK


Allerdings hatte das auch im Abendland oft Grenzen:
„Am 9. Februar 1609 wurden zum wiederholten Male in Köln das Karnevalsfest und die „Mummerei“ verboten, um die öffentliche Ordnung zu wahren….“(Wikipedia)

Eher als närrische Verzweiflungstat aufzufassen war ein Versuch in Laos. in einem Restaurant „Helau“ rufen zu lassen.
närrischer Einzelfall in Laos


So können wir uns also nur aus der Ferne in das närrische Treiben einmischen, ein wenig neidisch auf die vielen Wagen mit satirisch geformten, durch den Karnevals-Kakao gezogenen  Politikern blicken, „Helau“ und „Alaaf“ rufen und allen tonnenweise „Kamelle“ wünschen. Die damaligen Sammlungen von meiner Frau Luck waren beachtlich.



Und zum Abschluss von ein paar Bilder aus der eigenen Zeit.

Luck in Düsseldorf 2008

Luck in Düsseldorf 2009

Manfred 1955

Manfred 1957

Manfred 2008 als SPD-Weihnachtsmann, der viel verspricht aber keine Geschenke hat.



(*)Karneval der Kulturen, Berlin
2018

Bildergalerie


Luck und Manfred, Rosenmontag, 4.2.2019

Mittwoch, 27. Februar 2019

Schönes Thailand - ein Traum?












Du schönes Siam, was ist nur aus dir geworden? Buddha hat unter dem Baum erkannt: Neid und Gier sind Ursachen allen Leids, die schlimmsten Sünden. Und du bist sehr, sehr sündig geworden und hast angefangen, dich selbst zu zerstören.

  • Seit Monaten gibt es Smog in Thailands Großstädten. Jetzt auch überall in den Provinzen. Der Ministerpräsident sagt, „Thailand ist groß, man kann woanders hinziehen.“ 
    Meldung von heute




    So sieht es jeden Morgen aus, wenn wir vor dem Frühstück den Tisch abwischen

    + Seit Jahren überfluten extreme Monsunregen riesige Wohn- und Farmflächen. Auch Teile von Bangkok stehen immer wieder unter Wasser. Der Ministerpräsident sagt, „ Thailand ist groß, man kann in die Berge ziiehen."

  • Bangkok im Monsun
  • Bangkok im Monsun

  • Seit Jahren wird von den Thais der Müll entsorgt so wie die Kühe koten: Man lässt es da fallen, wo man steht. 
    Müll auf dem Friedhof

    nach dem Picknick am See

    Vor der Haustüre in einer Villengegend

    Vor der Haustüre in einer Villengegend. Das sind keine armen, ungebildeten Leute, die sich so verhalten.

    Schüler machen eine Mittagspause

    unfassbar, neben der großen Tempeltreppe in Buriram

    Kanal (Klong) in Bangkok

    Wald und Straßenränder sind immer gut zur Müllentsorgung
    Wald und Straßenränder sind immer gut zur Müllentsorgung




  • Als Tourist kann man beim Schwimmen schon mal ein Stück Scheisse im Mund haben, beim Schnorcheln Plastiktüten vor der Brille. Der Erlebnishunger ist gestillt, aber man ist ja in zwei Wochen wieder zu Hause.


  • Die Thais machen sehr gern ihre Feuerchen, mal groß und mal klein. Sie machen das auch zum Grillen, aber nicht nur:-)))                                                                   (Übrigens sind Krebs, Atemwegserkrankungen und Allergien die häufigsten Krankheiten in Thailand.)






  • Der Farmer hinter unserem Garten feuerte nach der Ernte gern seine Felder ab. Die Nachbarn schien das nicht zu stören. 

    Wir fühlten uns gestört. Mit unserem langen, dicken Gartenschlauch war das Löschen einfach. Der Farmer hat diskutiert, verstanden und macht es jetzt nicht mehr.

    Auch andere Luftverpestungen werden in Thailand ignoriert und lächelnd hingenommen. (Hier eine Zuckerrohr-Verarbeitung)
    Aktuell sind brennende Felder und Wälder für die enorme Luftverschmutzung verantwortlich. Wie überall auf der Welt werden Wälder zum größten Teil absichtlich angezündet.






    Natürlich kann man aus der Luft sehr genau sehen, wo es brennende Felder und Wälder gibt. Und man kann reagieren und bestrafen.......aber über solche Möglichkeiten kann man nur lachen!

  • Die thailändischen Verkehrsteilnehmer fahren ohne Fahrschule und oft ohne Führerschein und ohne Versicherung und sehr oft alkoholisiert. Sie beglücken ganze Thaifamilien und auch AusländerInnen mit einer Wiedergeburt, auch gegen deren Willen.




  • Im Land des Lächelns ist die Aggression allgegenwärtig. Prügel gibt es zu Hause, in der Schule, bei Eheleuten, in Bars und im Verkehr. Schüler stechen sich gegenseitig ab, der Freund ermordet die Freundin, der Autofahrer erschießt seinen Verkehrsrivalen, der Uhrenverkäufer ersticht den unwilligen Käufer. (Ich erspare mir hier Bildbeispiele. Wie überall ist die Presse auch hier voll davon.)
  • Der Ausländer ist immer Gast im Thai-Gastland. (Diese völlig unsinnige Feststellung geistert durch alle Kommentare und Thai-Foren!) Zwar muss der "Gast" in Hotels, Restaurants und Hospitälern oft mehr bezahlen als ein Thai, in Museen und Nationalparks das Zehnfache. Aber man bekommt ein Lächeln :-))))))))))))).



  • Jede(r) Thailänder(in) zahlt in Deutschland in einer Herberge oder im Adlon in Berlin die gleichen Preise, ob er sich als Bier-Milliardär oder als Tourist anmeldet. Jede(r) Thailänder(in), mit einem Deutschen verheiratet, hat in Deutschland in wenigen Tagen eine unbefristete Erlaubnis für Aufenthalt und berufliche Tätigkeit. Er/sie kann ein Auto, ein Stück Land oder ein Haus kaufen. Er/sie kann jederzeit in geöffneten Geschäften Wein oder Bier bekommen.
  • Schade, aber all das ist im ach so freien, ach so schönen Thailand nicht möglich. Beruf ausüben? Nein! Land kaufen? Nein! Haus kaufen? Nein! Morgens beim Einkauf auch eine Flasche Wein mitnehmen? Nein!  Die in Thailand wohnenden Ausländer sind alle Verdächtige und müssen sich daher alle 90 Tage bei der Behörde in der jeweiligen Provinz-Hauptstadt melden. Ihr Visum muss jedes Jahr für einen Betrag von 1900,- Baht erneuert werden und sie müssen nachweisen, dass sie über eine monatliche Rente (o.a. Einnahmen) von mindestens monatlich 1750,- Euro verfügen oder etwa 22.000,- Euro möglichst fest auf einem Thai-Konto haben.


Aber das ist ja alles nicht schlimm, wenn man die leckeren, kontaminierten Früchte und Gemüse in einer heissen Sonne mit extrem hohem UV-Anteil genießen kann, wenn man von diesen immer herzlichen, lächelnden Menschen umgeben ist inmitten dieser herrlichen, vermüllten Landschaften und Strände. ;-)))


Was will man mehr? Kann sein, dass man mehr möchte. Aber Achtung, die Meinungs- und Redefreiheit ist in Thailand nicht allgemein existent.


 

Aber wer will schon seine Meinung sagen? Man hat doch seine Stimme abgegeben und lässt machen.


Manfred Spies, Mittwoch, 27.2.2019