Mittwoch, 18. Januar 2023

Marktschreier, Gangster, Banker

Was unterscheidet Marktschreier, Gangster, Banker?



Eine rhetorische Frage? Klar, alleine vom Äußeren her gibt es Unterschiede. Aber alle scheinen die gleichen Lügen-Lehrer zu haben.


Über Gangster muss nicht diskutiert werden. 


Der Marktschreier bietet Bananen an, die auf kontaminiertem Boden gewachsen sind und vor der Entsorgung durch Bestechung des Farmers und der Aufsichtsbehörde ergattert wurden.

„Hier habe ich ein Kilo herrliche Bananen. Extra für Sie gewachsen und geerntet! Normalerweise kosten sie 60 Baht. Ich gebe sie Ihnen für 50 Baht. Aber weil Sie mich so lieb anlächeln lege ich noch zwei Bananen drauf. Nein! Weil wir heute Weihnachten, Neujahr und Ihren Geburtstag zusammen feiern lege ich ein ganzes Kilo drauf. Zwei Kilo von diesen wunderbaren Bananen für Sie nur 50 Bath!“


Der thailändische Banker hat einen Bruder. Der hat eine Autowerkstatt. Er hat seit Jahren den Pickup von Noi in Behandlung, und nach 10 Jahren werden die Reparaturen häufiger und teurer. Er bietet Noi „einen fast neuen Pickup“ für 620.000,- Baht an und nimmt ihren alten Wagen für 200.000,- in Zahlung. Natürlich wurde der Kilometerzähler des „fast neuen Pickups“ manipuliert.

Der Banker-Bruder macht die thaiübliche Finanzierung:

„Wir machen dir ein sensationelles Angebot:

Kaufpreis 620.000,- minus Inzahlungnahme 200.000,- 

Kreditsumme 420.000, Raten von monatlich 7.000,- fünf Jahre.

Die Zinsen betragen monatlich nur 500,- Baht. 

Das sind von 420.000,- Kreditsumme nur 0,12%!“

Banker und Bruder grinsen.

Der deutsche Ehemann von Noi sagt: „Moment mal. Zinsen werden doch jährlich berechnet!“

„Sie haben Recht. Die jährliche Zinssumme beträgt 12x500 = 6000,-Baht. Das sind von 420.000,- etwa 1,43%. Ist doch auch ein sehr niedriger Zinssatz!“ Banker und Bruder lächeln.


Was der Ausländer nicht berücksichtigt und was Thailänder nie kalkulieren, weil sie es gar nicht kennen: Zinseszinsen gibt es in Thailand nicht oder sie wollen sie nicht kennen. Banken und alle anderen Kreditgeber lügen über die wahren Zinsen: In Thailand zahlt man von der ersten bis zur letzten Rate den gleichen Zinsaufschlag. Dass kann bei sehr langfristigen Krediten zu realen Horrorzinsen führen. 

In unserem Fall werden in den fünf Jahren 60 Monate lang 500,- Baht Zinsen fällig, das sind reale Zinsen von 30.000,- Baht und damit 7,14%! Dagegen sind die versprochenen 1,43% ein Witz. NEIN nicht witzig, es ist eine Lüge, ein Betrug wie bei dem Marktschreier und bei Gangstern.


420.000,-

plus 5 Jahre x 12 Monate x 500,-

  30.000 Gesamtzinsen = 7,14% der Kreditsumme.


Bei sogenannten „Straßenkrediten“, die vor allem von Chinesen

angeboten werden, sind „Jahreszinsen“ von mehr als 10% üblich.

Das kann bei langen Laufzeiten zum Mehrfachen der eigentlichen Kreditsumme führen. 


Manfred Spies, Nov. 2019


Dienstag, 17. Januar 2023

Festkleben oder sterben? Umweltaktivisten-Aktivisten

 

Aktivisten heute und damals.


In Indien gab und gibt es schon vor langer Zeit Umweltaktivisten, vor allem Frauen. Dieser Bericht handelt von den Bishnoi, einer hinduistischen Religionsgemeinschaft, bei denen Naturschutz zur Religion gehört.


Bericht der Deutschen Welle DW

 


Sie leben größtenteils in der Wüste Thar im indischen Bundesstaat Rajasthan. „Bishnoi“ (auch (Vishnoi) bedeutet 29 und bezieht sich auf die 29 ökologischen und spirituellen Gebote, die der Guru Jambheshwar (1451-1536),auch bekannt als Jambhoj, als Gründer dieser Gemeinschaft aufstellte.



Auszüge:

Lebe immer großmütige und achtungsvolle Beziehung zwischen Frau und Mann

Denke, bevor du sprichst

Sprich reine Worte in aller Aufrichtigkeit.

Habe Verständnis zu vergeben

Kritisiere nicht ohne Grund

Habe Mitgefühl mit allem, was lebt

Fälle niemals einen Baum

Töte niemals ein Tier, egal wie klein es ist 

Gib Schafen und Ziegen einen Unterschlupf, um sie vor Schlachtung zu bewahren

Iss kein Fleisch, bleib vegetarisch.



Wie ernst die Menschen in dieser Wüste ihre Achtung vor der Natur nehmen und nahmen, erzählen die Alten immer den Kindern:





„Einst wollte der König in unserem Dorf, wo es reichlich Bäume gab, ein Fort errichten und befahl, für das Bauholz die Bäume zu fällen. Es war am 12 September 1730, als eine Frau, Amrita Devi, davon erfuhr und protestierte. Sie rief die Dorfbewohner zusammen und 363 von ihnen stellten sich vor die Bäume und umarmten sie. „Unsere Religion verbietet, diese lebenden Wesen zu töten.“ Die Soldaten richteten ein Massaker an. Als Abhay Singh, Raja von Marwar,  darüber informiert wurde, lies er das Morden und das Fällen der Bäume sofort stoppen, verzichtete auf das Fort und gedachte der Toten. 

Auf dem Gelände, wo das Massaker stattfand, wächst heute nicht mal ein Grashalm. Wie ihr wisst, versammeln wir uns jedes Jahr im September dort, um des Opfers zu gedenken, das von unserem Volk gebracht wurde, um die Bäume zu erhalten.“




Die Bishnois füttern und pflegen alle Tiere in der Gegend und haben damit Arten gerettet. Inzwischen interessierten sich Forscher aus aller Welt für diesen einmaligen, gelungenen Naturschutz mitten in der Wüste.





Manfred Spies, September 2022

Donnerstag, 5. Januar 2023

Neujahr 2023

Schwesterntreffen

Auch das christliche Weihnachten und das internationale Neujahr übernehmen die Thailänder gern, denn es gibt freie Tage und Feste. Verwandte und Bekannte kommen zu unterschiedlichen Zeiten zu Besuch, da sie auch mit der "Hauptfamilie" feiern.
Luck freute sich besonders, ihre Schwestern und Freundinnen aus der Studienzeit zu treffen. Natürlich gab es für mich eine Torte und gemeinsam wurde gekocht. Die köstlichen Thaigerichte - auch die Suppe - kommen alle auf die Drehplatten und werden zusammen gegessen. Ich finde das sehr gut, Gänge wie in Restaurants gibt es nicht. Nur der Nachtisch kommt später. Über meine Kleidung soll man sich nicht wundern: Ich habe nicht gekocht und daher bei 19 Grad gefroren.
Nach dem Mahl und etlichen Getränken wurden Zärtlichkeiten ausgetauscht. Eine wunderbare Familie. (alle Fotos von Joy Viriya)











Manfred Spies, 2.1.2023

Sonntag, 1. Januar 2023

Thailand Neujahr 2023

 Neujahrsspaziergang 2023 

Beobachtet am 1.1.2023 nachmittags in Pattaya, aufgeschrieben von J.W. von Goethe im Faust/Osterspaziergang, 1788.


BÜRGER, meckert schon lange über deutsche Politik und will auswandern:

   Nein, er gefällt mir nicht, der neue Bürgemeister!

   Nun, da er's ist, wird er nur täglich dreister.

   Und für die Stadt was tut denn er?

   Wird es nicht alle Tage schlimmer?

   Gehorchen soll man mehr als immer,

   Und zahlen mehr als je vorher.


BETTLERIN : arbeitet abends als GoGo-Girl und sitzt tagsüber mit ihrem Baby an der Beach Road:

   Ihr guten Herrn, ihr schönen Frauen,

   So wohlgeputzt und backenrot,

   Belieb' es euch, mich anzuschauen,

   Und seht und mildert meine Not!

   Lasst hier mich nicht vergebens leiern!

   Nur der ist froh, der geben mag.

   Ein Tag, den alle Menschen feiern,

   Er sei für mich ein Erntetag.


ANDERER BÜRGER: klappt sein Smartphone mit der „tagesschau“ zusammen:   

Nichts bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen,

   Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,

   Wenn hinten, weit, in der Türkei,(er ist ein bisschen blöd und meint die Ukraine)

   Die Völker auf einander schlagen.

   Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus

   Und sieht das Meer hinab die bunten Schiffe gleiten;

   Dann kehrt man abends froh nach Haus,

   Und segnet Fried' und Friedenszeiten.


DRITTER BÜRGER: zustimmend seine Flasche Bier hebend:

   Herr Nachbar, ja! so lass ich's auch geschehn:

   Sie mögen sich die Köpfe spalten,

   Mag alles durcheinander gehn;

   Doch nur zu Hause bleib's beim Alten.


ALTER mit dickem Wanst zu der Bettlerin grinsend:

   Ei! wie geputzt! das schöne junge Blut!

   Wer soll sich nicht in euch vergaffen? –

   Nur nicht so stolz! es ist schon gut!

   Und was ihr wünscht, das wüsst ich wohl zu schaffen.




Manfred Spies 2.1.2023