Donnerstag, 9. Juni 2011

Hausbau in Thailand Teil 7, Reklamationen 1

Jetzt bin ich endgültig in Thailand angekommen. Immer wieder fragen mich meine Frau und ihre Schwestern, ob ich mich wohlfühle und kein Heimweh habe. Nein, habe ich nicht die Spur. Und wenn es etwas kühler wär´, könne ich es mir nicht besser vorstellen, mal abgesehen von den vielen Dingen, die in einem anderen Land eben anders sind und zuweilen stören und an die Nerven gehen können. Aber ich bin in Thailand angekommen. Und da habe ich gelassen zu sein.

Wenn ich an die letzten drei Tage in Deutschland denke, dann bin ich fast um den Schlaf gebracht. Eine Katastrophe folgte der anderen, ein Horror jagte den nächsten aus seiner dunklen Höhle und ich dachte an meinen schweren Unfall im Dezember 2010, am Tag unserer geplanten Abreise nach Thailand. Mir kommt es langsam so vor, als ob ich gewarnt werden soll, als ob ich geprüft werden soll mit etlichen Qualen und Mißgeschicken, eh´ich für würdig befunden werde, mich in Thailand nieder zu lassen.
Natürlich habe ich davon meiner lieben Luck nichts erzählt. Es würde sie nur beunruhigen und erschrecken. Dass ich in Düsseldorf eine Stunde vor der Übergabe der geräumten Etage mein Reisegepäck in einem Raum zusammengestellt und die Schlüssel fein säuberlich auf einen Tisch gelegt und mich dann selbst ausgeschlossen habe, kann Luck allerdings ruhig erfahren. Die eingeschlagene Scheibe wird sie weniger stören als den Hausbesitzer, vor dem ich diese notwendige Aktion allerdings verborgen habe. Wegen seiner typischen Hausbesitzerhaltung in den letzten Wochen habe ich dabei nicht die geringsten Gewissensbisse.

In Pakchong habe ich erst einmal geduscht (es war brutal heiss und dazu eine Luftfeutigkeit von fast 90%) - ausgepackt, gequatscht, gegessen und mich entspannt. Luck wollte mir sofort die Hütte zeigen, aber das habe ich auf den Nachmittag des folgenden Tages verschoben: die Freude ist dann die gleiche und möglichen Ärger muss man nicht sofort erleben.

Dann also am folgenden Tag zur Baustelle, die sich ja mit dreimonatiger Verspätung garantiert am 31.5. in ein fertiges Haus verwandeln sollte.
Fertig gestellt wurde seit den letzten Fotos viel. Aber angesichts des Zustandes meiner ersten Besichtigung am 3.6. habe ich mit Luck gewettet, dass die letzten Arbeiten auch Mitte JULI noch nicht beendet sein werden. (Die Wette habe ich gewonnen, die Arbeiten warem auch im September noch nicht beendet!)
Das bedeutet erst einmal: Der Container muss für teures Geld gelagert werden. Hier ein paar Fotos zur Entwicklung der letzten Wochen bis heute. (Einige Bilder sind schon in früheren Beiträgen zu sehen).

erste Isolierung direkt unter dem Dach
 
zweite Isolierung über den Raumdecken

Die Riemchen für die Bäder waren in Thailand nirgends in dem gewünschten Farbton zu bekommen. So zerschnitten wir gestreifte Fliesen in den gewünschten Formaten.
Natürlich gibt es masenhaft Fliesen und Riemchen in Mustern, die bei mir allerdings panikartige Fluchtbewegungen auslösen.

Der Küchenboden wurde akzeptabel verlegt. Bei den Terrassenfliesen würden einen anspruchsvollen Bauherren die unterschiedlichen Fugenbreiten stören.


Fenster und Glasbausteine sind eingebaut....
....die Einfahrt wurde betoniert...
...die Treppe ist etwas zu steil ausgefallen...

...und sie wurde heute gefliest,
Es gab eine ganze Reihe kleiner Korrekturen, die ich hier gar nicht erwähnen will. Einiges war ja zum Lachen. So ließen sich einige Türen nur öffnen, indem man die Klinken nach oben drückte. Die Schlösser waren auch ÜBER den Klinken montiert. Die Handwerker und sogar unsere Nachbarn erklärten uns, das sei in Thailand normal, das haben sie auch in ihrem Haus. Das ist natürlich Quatsch und normal ist anscheinend die mangelhafte Ausbildung der Handwerker. Es gibt überall rechts und links angeschlagene Türen, und es gibt nach außen und nach innen zu öffnende. Bei Problemen löst man am Schloss einen Stift und dreht den Schnapper einfach um. Das ist erfolgt, und nun drücken wir alle Klinken in die richtige Richtung.
In der Werkstatt, im Gartenhaus und in zwei Lagerräumen - alles längliche Grundrisse - wurden die langen Neonleuchten nicht in Längsrichtung sondern quer montiert. Die Ausleuchtung der Räume ist somit nicht optimal. So etwas habe ich noch nie gesehen, aber der Architekt erklärte uns, das sei in Thailand üblich und richtig. Mag sein, dass auch dieses Argument Blödsinn ist, aber Thai geben keine Fehler zu, da würden sie ihr Gesicht verlieren. Die Aufklärung, kritisches oder gar selbstkritisches Denken scheint hier Lichtjahre entfernt zu sein. Warum aber bereits zu diesem Zeitpunkt einige Nachbarn, mit denen wir uns bisher prima verstanden, voll auf die Linie des Architekten einschwenkten, war mir ein Rätsel.

Einige größere Katastrophen ließen sich verhindern, weil die Arbeiten noch gar nicht begonnen waren und ich Fragen stellte. Da konnte ich schreckliche Ergebnisse verhindern, deren Änderung teuer geworden wäre.
Anderes ließ sich nicht verhindern. So wurde ein auf Millimeterpapier eingetragener, maßstabgerechter, exakter Plan der Fliesenverlegung in unserem Esszimmer einfach mißachtet. Statt eines rechteckigen „Teppichs“ unter dem Esstisch wurde ein quadratischer verlegt. Der musste raus und neu verlegt werden.

Trotz eines exakten Plans wurde der Boden und die Granitborde falsch verlegt...

...und alles musste neu gemacht werden.

Ich habe immer wieder betont, dass es in dem Haus keinerlei Naturholz geben soll und keine Farben im Innenbereich Verwendung finden. Nur Schwarz, Weiss und Grautöne sind erlaubt. Als den Architekten der Hafer, der Reis oder etwas anderes stach und er die Treppenab-schlüsse blau gestaltete, musste er auch diese wieder rausreissen. Das Argumet, es gäbe momentan auf dem Markt keine hellgrauen Leisten, wurde durch einen Anruf am nächsten Tag widerlegt. (Warum lügen die Thai wie bekloppt? Wenn sie sich durch einen Fehler einmal blamierenm, werden sie durch die Aufdeckung ihrer Lügerei doch erst richtig blamiert)

Blau, blau, blau ist der Enzian. Aber nicht die Treppenabschlüsse in unserem Haus. Also raus!
Wir haben unter dem Gartenhaus einen riesigen Regenwassertank gebaut, weil wir das viele Monsunwasser nicht einfach wegfließen lassen wollen. Leider wurden bei der Fertigstellung des Daches die Regenrinnen vergessen :-)). Natürlich wurde sofort ein neues Gerüst aufgebaut und die Handwerker gingen erneut an die zusätzliche Arbeit.


Ich rate jedem, der in Thailand ein Haus bauen will, neben vielen anderen Gesichtspunkten
- einen guten Architekten zu suchen, der beim Bauen IMMER auf der Baustelle ist,
- einen vernünftigen, fairen aber detaillierten Vertrag zu machen,
- in regelmäßigen Abständen und besonders in der Schlussphase selbst anwesend zu sein,
- jede Kleinigkeit zu besprechen und festzulegen und besonders in Gestaltungsfragen nicht der Erfahrung der Thailänder zu vertrauen,
- bei Fehlern oder Korrekturen möglichst auf Schuldzuweisungen zu verzichten, aber die Änderungen klar und bestimmt zu formulieren,
- besonders bei Terminfragen sehr großzügig zu sein - aber das ist in Deutschland nicht anders.


Ich trinke jetzt das etwas bittere Thai-Bier mit dem Elefanten drauf, weil eine  Flasche Thai-Wein  wie die gestrige würde meine milde Stimmung proportional zur aufgenommenen Menge negativ verändern.

Manfred am 8.6.2011

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